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Die Düwelsteene bei Heiden (Foto: Altertumskommission/ K. Schierhold).

Die Düwelsteene bei Heiden

Das Großsteingrab „Düwelsteene“ liegt etwa 3,5 km östlich der Gemeinde Heiden in der Bauernschaft Nordick und bildet damit eine der südlichsten Fundstellen in der Verbreitung dieses Grabtyps in Westfalen, der sonst in größerer Zahl in den nördlichen Landesteilen vertreten ist. Die Düwelsteene sind eines der ältesten, heute noch im Gelände sichtbaren ur- und frühgeschichtlichen Relikte der Region. Die monumentale Grabanlage hat schon früh die Neugier der Menschen erregt. So gehören die Düwelsteene zu den ersten vorgeschichtlichen Denkmälern Westfalens, an denen wissenschaftliche Forschungen unternommen wurden: Bereits 1713 erschien dazu die Abhandlung Sepulcretum Westphalico-Mimigardico gentile („Westfälisch-Münsterländische Heidengräber“) des Geistlichen und Antiquars Jodocus Hermann Nünning (1675–1753).

Sonnenwendfeier 1925 an den Düwelsteenen, vom Heimatverein Heiden u. den Jägern (Foto: Heimatarchiv/Heimatverein Heiden 1921 e.V.).
Die Düwelsteene bei Heiden, Luftbild von Nordosten (Foto: LWL-Archäologie/M. Esmyol).
Die Düwelsteene 2007, Einsendung im Rahmen des Citizen Science Projektes (Foto: Privataufnahme/Luetkebohmert).
Die "Teufelssteine" 1894. (Foto: Heimatarchiv/Heimatverein Heiden 1921 e.V.).
Die Düwelsteene bei Heiden 2019 (Foto: Altertumskommission/ D. Priß).

Nähere Informationen zum Großsteingrab

Aufbau und Grundriss

Die Düwelsteene sind nicht mehr in ihrem Originalzustand erhalten. Einige Steine fehlen, zudem wurde die Anlage bereits im Jahr 1932 restauriert und somit verändert. Der heutige Befund stellt sich folgendermaßen dar: Die Nordost-Südwest-ausgerichtete Anlage ist außen 12 m lang (innen 10,2 m) und 2,7 m bis 4,3 m breit (innen 1,5 m bis 2,2 m), die lichte Höhe beträgt 1,5 m. Als Baumaterial dienten große nordische Geschiebe (Findlinge), die aus eiszeitlichen Ablagerungen stammen und in der näheren Umgebung des Grabes zur Verfügung gestanden haben dürften. Wo sich der Zugang zur Kammer einmal befunden hat, ist nicht mehr zu bestimmen.
Anhand der Typologie der Trichterbecherkeramik sowie der Radiokarbondatierung eines im Grab geborgenen Schädelfragments lässt sich eine Nutzungszeit ab circa 3300 bis 2600 n. Chr. ableiten.

Grundriss der Düwelsteene. (Grafik: LWL-Archäologie/P. Altevers).

Funde

Anhand heute noch erhaltener Keramikscherben sind noch mindestens 110 Gefäße nachweisbar, es darf aber von einem ehemaligen Bestand von etwa 300 bis 400 Gefäßen ausgegangen werden. Das aus Keramik, Steingeräten, Knochen sowie einem Kupferröllchen bestehende Fundmaterial einer Grabung durch den Heimatverein Borken in den 1920er-Jahren gehört mittlerweile zur Sammlung des Ruhrmuseum Essen. Weitere Funde, die bei Restaurierungsarbeiten im Jahr 1932 gemacht wurden, gelangten hingegen nach Münster. Durch einen Bombenangriff auf die Stadt im Jahr 1943 gingen diese Funde jedoch für lange Zeit verloren. Ein großer Teil konnte im Zuge von Recherchen der Altertumskommission wiedergefunden und identifiziert werden. Mittlerweile wurde die Keramik der zweiten Grabung im Rahmen einer Bachelorarbeit der Universität Münster bearbeitet, knapp 90 Jahre nach der Bergung.
Außerdem sind 26 kleine Knochenfragmente aus den Düwelsteenen erhalten. Bemerkenswert ist, dass es sich um Leichenbrand handelt, also um Brandbestattungen. In Großsteingräbern der Trichterbecherkultur kommen unverbrannte Körperbestattungen weitaus häufiger vor.

Fotodokumentation einiger Funde aus der Grabung 1932 (Foto: LWL-Archäologie/Archiv).

Die Sage vom listigen Schuster

Der Name Düwelsteene oder Teufelssteine geht auf eine Volkssage zurück. Demnach trug der Teufel einen Sack voll großer Steine auf dem Rücken und war auf dem Weg nach Aachen, um den Dom Karls des Großen zu zerstören. Bei Heiden traf er auf einen Schuster, der zwölf Paar zerschlissene Schuhe bei sich trug. Auf die Frage des Teufels, wie weit es denn noch bis nach Aachen sei, deutete der Schuster auf die Schuhe: Es sei so weit entfernt, dass er auf seinem Weg von Aachen bis nach Heiden all diese Schuhe zerschlissen habe. Er hatte nämlich den Teufel sofort an seinem Pferdefuß erkannt und Böses geahnt, sodass er diese pfiffige Antwort gab. Seine Auskunft brachte den vom Tragen der schweren Steine schon völlig ermatteten Teufel dazu, diese vor lauter Wut an Ort und Stelle aus dem Sack zu schütten und von dannen zu ziehen. Diese Steine wurden von da an die Düwelsteene genannt.

Die Bronzeskulptur des Schusters auf dem Marktplatz von Heiden (Foto: Altertumskommission/K. Schierhold).

Die Düwelsteene als 3-D-Modell

Das Modell wurde mit "Image-Based-Modeling" erstellt und ähnelt Bildern von Laserscannern, wirkt jedoch wie eine digitale Kopie. Gleichzeitig dient das Modell als digitale Vermessung, bei der die sichtbaren Unterseiten der Steine zu sehen sind.