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Historischer Plan des Borbergs Kirchhof, M. 1:3125 (Altertumskommission/Archiv).

Borbergs Kirchhof bei Brilon

Etwa 5 km südwestlich von Brilon liegt im oberen Hang des Borberges die kleine Ringwallanlage Borbergs Kirchhof mit der bekannten auf der Westspitze stehenden Marienkapelle.

Größere archäologische Untersuchungen fanden hier 1904 und 1905 durch die Altertumskommission für Westfalen statt und konzentrierten sich auf die Tore im Norden und Süden des sogenannten Kernwerks sowie auf die im Nordwesten des Kernwerks gelegenen Ruinen. Eine erste Vermessung der obertägig sichtbaren Strukturen wurde 1919 vorgenommen und 1958 teilweise grundlegend überarbeitet. Im Zuge größerer Umgestaltungen auf dem Borberg zwischen 1983 und 1987 wurden Nachuntersuchungen im Bereich der alten Grabungsschnitte durchgeführt, welche vor allem für die Gebäuderuine neue Erkenntnisse erbrachten.

Nähere Informationen zur Anlage

Aufbau & Befunde

Die Burg besteht aus einem dreieckigen Kernwerk und einem kleinen Annex im Norden, welcher wahrscheinlich einer anderen Bauphase entstammt. Wegen des sehr symmetrisch anmutenden und an mittelalterliche Vor- und Hauptburgen erinnernden Grundrisses, werden beide wohl fälschlicherweise auch als Haupt- und Vorburg bezeichnet.

Vom Annex, der durch eine Mörtelmauer aus Grauwacke eingefasst war, sind heute im Gelände nur noch wenige Spuren zu erkennen. Zum Burginnern führte eine schmale Torgasse, an deren Ende ein Torhaus stand. Mauern und Torhaus unterscheiden sich deutlich vom Kernwerk.

Dessen Mauern bestanden nämlich aus in sandigen Mörtel gesetzten Faulschiefer-Bruchsteinen. Im Bereich des Südtors und des Nordtors weisen Befunde die Existenz von Torhäusern nach. Zumindest für den Bereich des Südtors ist zudem ein hölzerner Torturm wahrscheinlich.

Die Ruine im Innern der Kernburg gehört zu einem Kirchenbau. An dieser lassen sich mindestens drei Bauphasen unterscheiden. Im Umfeld der Ruine finden sich darüber hinaus Hinweise auf weitere Gebäude und umfangreichere Umgestaltungsmaßnahmen.

Plan des Borbergs Kirchhof, M. 1:2500 (Altertumskommission für Westfalen).

Datierung & Funde

Die Bauweise und die Streufunde lassen eine Errichtung der Burg im Frühmittelalter, also im 8. bis 10. Jahrhundert, vermuten. Daher wird diskutiert, ob der Bau der Burg im Zusammenhang des karolingischen bzw. ottonischen Burgenbaus zu sehen ist.

Für die ersten beiden Kirchenbauten liegt zu wenig datierbares Fundmaterial vor, so dass diese pauschal in das 12. Jahrhundert verortet werden. Dass es sich bei dem Bauwerk um einen Sakralbau gehandelt hat, kann anhand verzierter Architekturteile sowie Teilen eines Bleiglasfensters und Resten von weiß getünchtem Putz festgemacht werden. Der dritte Kirchenbau lässt sich durch zahlreiche Fundstücke aus dem Inneren der Ruine in das 13. bis 14. Jahrhundert datieren. Dieses Material lässt darüber hinaus den Schluss zu, dass Teile der Kirche in dieser Zeit profan genutzt wurden.

Im Zuge der archäologischen Untersuchungen wurden insgesamt 16 Bestattungen aufgedeckt, die teilweise durch die Kirche gestört wurden. Der Bereich wurde also schon vor dem ersten Kirchenbau als Friedhof genutzt, dieser bestand aber auch danach noch fort.

Funde und Details von Borbergs Kirchhof (Altertumskommission/Schmedding).

Borbergs Kirchhof im Volksmund

Der Name „Borbergs Kirchhof“ könnte auf den heiligen Burchard zurückzuführen sein, dessen Verehrung ab etwa 1000 n. Chr. in Westfalen zunahm. Einige Bestattungen des kleinen Friedhofes entsprechen nämlich in Art und Ausstattung der Begräbnisssitte dieser Zeitstellung, weshalb ein Friedhof unter dem Patronat dieses Heiligen an dieser Stelle durchaus denkbar wäre.

Nach volkstümlichen Überlieferungen soll auf dem Borberg zudem ein Nonnenkloster gestanden haben. Hinweise darauf finden sich aber nur sehr spärlich in den Schriftquellen. So existiert eine vor 1380 datierte Erwähnung einer „capellam in Borghardes berghe“, die zum Stift Geseke gehörte, sowie die Nennung einer Kirche auf dem Borberg aus dem Jahre 1582. Sicher ist allerdings, dass die Verteidigungsanlage spätestens mit Errichtung des kleinen Kirchenbaus im 12. Jahrhundert keinen Nutzen mehr hatte, da hierzu Teile des Walls abgetragen wurden.

Kirchen- bzw. Kapellenkomplex auf Borbergs Kirchhof (nach Hömberg 1998, Abb. 10).

Literatur

P. R. Hömberg, Borbergs Kirchhof bei Brilon, Hochsauerlandkreis. Frühe Burgen in Westfalen 2 ²(Münster 1998).

Weiterführende Literatur

Ch. Becker, Geschichtliche Nachrichten über die in dem Briloner Stadtgebiete untergegangenen Dorfschaften und Einzelhöfe (Brilon 1908).

P. R. Hömberg, Borbergs Kirchhof bei Brilon, Hochsauerlandkreis. Frühe Burgen in Westfalen 2 (Münster 1983).

P. R. Hömberg, Eine Nachuntersuchung in der Wallburg Borbergs Kichhof bei Brilon, Hochsauerlandkreis. AFWL 6B, 1991, 225-237.