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Plan der Iburg von 1904 (W. Best/ H. Rüthing 2006, Abb. 6).

Die Iburg bei Bad Driburg

Die Ruine der hochmittelalterlichen Burg Iburg liegt auf einem 380 m hohen Kamm des Eggegebirges oberhalb der Stadt Bad Driburg. Die Steinburg wurde innerhalb einer älteren Wallburg errichtet, die heute im Gelände noch gut sichtbar ist. Die Hänge des Bergsporns sind vor allem im Süden sehr steil, was für die Wahl des Standortes beider Anlagen spricht. Lediglich im Südwesten fällt das Gelände sanfter ab und bietet einen leichteren Zugang zum Bergrücken.

Eine erste Vermessung der Wallburg entstand bereits 1885. Im selben Jahr wurden hier schließlich auch Ausgrabungen durchgeführt, die im Jahre 1901 überprüft und erweitert wurden. In diesem und dem folgenden Jahr fanden auch erstmalig Ausgrabungen innerhalb der Steinburg statt, die mitsamt einem Plan 1907 vorgelegt wurden. Nachgrabungen durch die Altertumskommission für Westfalen in den 1950er-Jahren im Bereich der alten Schnitte durch die Wallburg konnten die damaligen Grabungsergebnisse korrigieren und ausweiten. Sie wurden nötig, da die Restaurierung der Steinburg in den 1950er und 60er Jahren die äußeren Bauwerke beschädigte. Im Zuge von Restaurierungsarbeiten an den frühmittelalterlichen Wällen konnten die alten Grabungsschnitte zwischen 2000 und 2002 erneut untersucht werden. Zu dieser Zeit fanden auch erneute Sondagen innerhalb der Steinburg statt.

Seit 1898 wurde die Iburg systematisch als touristisches Ziel ausgebaut. Die Vorhaben, hier Denkmäler für Karl den Großen oder Wilhelm I. zu errichten, wurden allerdings zunächst abgelehnt, bevor 1904 der Kaiser-Karls-Turm östlich neben dem Burggraben erbaut wurde. Seit 1925 lädt eine Gaststätte zum Verweilen ein.

Zeichnung des Bergfrieds der Iburg von Franz Josef Brand, 19. Jh. (Best/ Rüthing 2006, Abb. 7).
Plan der Iburg von 2003, M. 1:2500 (M. Thede/ T. Menglin/ U. Rode).
Westlicher Hauptwall der Wallburg (WMfA/ S. Brentführer).
Verschiedene eiserne Sporen aus der Grabung von 2000 in der Iburg (WMfA/ S. Brentführer).
Ausschnitt aus einer Zeichnung von E. Thiel (Best/ Rüthing 2006, Abb. 22).

Nähere Informationen zur Anlage

Die frühmittelalterliche Wallburg

Die Befestigungsanlage besteht aus einem Hauptwall, der im Südwesten am Steilhang einsetzt und sich in einem weiten Bogen entlang der weiteren Hangkante zieht, bevor er im Norden seicht ausläuft. Ehemals war dieser wohl noch weiter um die Nordspitze des Plateaus geführt und umfasste eine Fläche von etwa 4 ha. Im Westen ist dem Hauptwall ein weiterer Wall mit Graben vorgelagert. Die Südflanke wurde wahrscheinlich durch eine einfache Wallhecke befestigt.

Der Hauptwall bestand aus einer Konstruktion von zwei im Abstand von etwa 2 m errichteten Trockenmauern aus lokal vorkommenden Kalkbruchsteinen, die jeweils durch Holzpfosten gestützt waren. Der Zwischenraum war mit Lehm und Steinen ausgefüllt, sodass sich eine etwa 3m breite, freistehende Mauer ergab. Ebenfalls denkbar wären zwei nacheinander errichtete Befestigungen. Die zur Klärung der Frage benötigten Funde fehlen allerdings.

Auf dieser Wallkonstruktion wurde in einer weiteren Bauphase eine Zweischalenmauer aus in Mörtel gesetzten Kalksteinen mit einer Breite von bis zu 1,60 m errichtet. In dieser konnte das einzige Tor der Anlage, welches südlich des heutigen Asphaltweges liegt, nachgewiesen werden. Es handelte sich hierbei um ein gemauertes Kammertor mit Bodenpflasterung. Da kein weiterer Zugang zur Befestigung nachgewiesen werden konnte, scheint es wahrscheinlich, dass dieses Bauwerk den Zugang der älteren Anlage überdeckt.

Grabungen im Tor der Wallburg (Foto: A. Stieren).

Die hochmittelalterliche Iburg

Die nicht näher gegliederte Burganlage wird von einer Ringmauer mit einer Breite von durchschnittlich 2 m umfasst, deren Bausubstanz aufgrund der ausgiebigen Restaurierungsarbeiten allerdings nur noch in Teilen original ist. Dies trifft auch auf die übrigen, heute sichtbaren Gebäudereste zu. Sie ist nur noch im Westen und Nordwesten erhalten, umfasste ehemals aber das gesamte Plateau. Ihr vorgelagert ist ein bis zu 20 m breiter und 8 m tiefer Graben, der an den beiden Schmalseiten der nahezu rechteckigen Anlage jeweils in den südlichen Steilhang übergeht. Er wird auf der Längsseite etwa mittig durch eine Erdbrücke unterbrochen, die zur Toranlage führt. Diese steinerne Torkammer lies einen 2,20 m breiten Durchgang zum Burginneren frei.

Im inneren der Anlage befanden sich neben dem Torturm an der nördlichen Längsseite der Mauer auch zwei weitere Gebäude, die sich an diese anlehnten. Mittig an der Westseite stehen die Reste des ehemals mit Sandsteinquadern verkleideten Bergfrieds mit einem Außendurchmesser von 13 m und dem ehemaligen Eingang in 12 m Höhe. Wenig südlich dieses Turmes findet sich ein weiteres Gebäude mit drei Räumen, zu dem ein Obergeschoss rekonstruiert werden kann. Es wird sich dabei um den Palas der Anlage gehandelt haben. Etwa gegenüber dem Tor finden sich die Reste von zwei weiteren Gebäuden. Zudem sind die Fundamente einer kleinen Saalkirche mit apsidalem Ostchor innerhalb der Iburg nachgewiesen, deren Ursprünge eventuell bereits zur Zeit der Wallburg zu suchen sind. Die Wasserversorgung sicherte ein Brunnen.

Während der Ausgrabungen innerhalb der Ringmauer konnten neben den beschriebenen Gebäuden auch Reste von weiteren Bauten und einer Außenmauer von mindestens einer vorhergehenden Bauphase aufgedeckt werden. Vertiefungen in der kaum untersuchten Nordosthälfte der Anlage deuten auf weitere ehemalige Bauten hin.

Ausgrabungen im Inneren der Iburg von 1901 (Best/ Rüthing 2006, Abb. 11).

Funde & Datierung

Aus dem Bereich der Wallburg stammen nur wenige Keramikscherben. Ihre Fundlage gibt leider nur vage Hinweise auf die Datierung der Anlage und ihrer Bauphasen. So kann die Errichtung der Wälle etwa in das 8. oder 9. Jahrhundert datiert werden, die jüngere Mörtelmauer könnte aufgrund von Vergleichen in das 10. Jahrhundert datieren. Keramik aus der Torverfüllung deutet an, dass die Anlage spätestens im 13. Jahrhundert zugunsten der Iburg aufgegeben wurde.

Aus der jüngeren Steinburg stammen vor allem Keramikfunde, die die Nutzung der Anlage zwischen dem 13. und 15. Jahrhundert nahelegen. Dazu zählen auch ganze Gefäße, wie beispielsweise Kannen und eine Topfkachel, die auf einen Kachelofen innerhalb des als Palas angesprochenen Gebäudes hinweist.

Daneben konnten auch zahlreiche Metallobjekte, darunter Werkzeuge, Möbelteile sowie Waffen, freigelegt werden. Besonders das aufgefundene Reitzubehör, welches teilweise Vergoldungen aufweist, deckt die gesamte Nutzungszeit der Anlage ab. Halbfabrikate weisen darüber hinaus auf einen Schmied hin, der vor Ort tätig war.

Neben den Objekten des täglichen Lebens weisen die für die Iburg nachgewiesenen Architekturteile, wie beispielsweise Reste von farbigem Fensterglas und bemalter Wandputz, auf die ehemals gehobene Ausstattung der Anlage hin. 

Eisenfunde der Grabung von 1901 (Best/ Rüthing 2006, Abb. 15).

Literatur

W. Best/ H. Rüthing, Die Iburg bei Bad Driburg, Kreis Höxter. Frühe Burgen in Westfalen 26 (Münster 2006).

Weiterführende Literaturauswahl

W. Becker, Die Iburg bei Bad Driburg. Aus der Heimatkunde der Stadt Bad Driburg. Schriftenreihe des Heimatvereins Bad Driburg 30 (Bad Driburg 2004).

A. Dorms, Wallburgen im Paderborner und Corveyer Land. Heimatkundliche Schriftenreihe der Volksbank Paderborn 20 (Paderborn 1989).

L. Lünnemann, Iburg und Driburg. Eine Geschichte der Burg und Stadt nebst Bericht über die jüngsten Ausgrabungen ²(Paderborn 1907).