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Plan des Schweinskopf nach A. Klein von 1938 (Altertumskommission für Westfalen/Archiv).

Der Schweinskopf bei Brochterbeck

Die als „Schweinskopf“ bezeichnete Bergkuppe befindet sich nordwestlich des Ortsteils Brochterbeck der Gemeinde Tecklenburg. Die dort befindliche Befestigung liegt somit unmittelbar oberhalb des Brochterbecker Passes und der Wiesenniederung der Bocke. Sie diente ehemals sicherlich zur Kontrolle dieses Fernweges.

Erstmalig in das Visier der archäologischen Forschung geriet die Wallanlage erst 1929 und damit vergleichsweise spät. In der Vorbereitung für den zweiten Band des „Atlas der vor- und frühgeschichtlichen Befestigungen in Westfalen“ wurde in der Folge 1938 eine erste Vermessung der Anlage durchgeführt. Zwar ist nicht ausgeschlossen, dass bereits am Beginn des 20. Jh. hier Grabungen durchgeführt wurden, erste sicher nachgewiesene Ausgrabungen fanden am Schweinskopf allerdings erst 1950 im Auftrag der Altertumskommission für Westfalen statt. Eine Nachuntersuchung und Erweiterung der alten Grabungsschnitte wurde schließlich 1998 durchgeführt.

Nähere Informationen zur Anlage

Aufbau & Befunde

Die mit 1,8 ha Innenfläche sehr kleine Befestigungsanlage ist nordwest-südost ausgerichtet und insgesamt länglich-oval geformt. Dabei passt sie sich deutlich der Topografie des Geländes an. Nur die südliche Seite ist durch einen heute größtenteils stark verflachten Wall mit vorgelagertem Graben befestigt, da die nördlichen Bereiche durch natürliche Klippen bestens geschützt wurden.

Der Wall bestand ursprünglich aus regellos gesetzten Felsbrocken und Sand, denen übereinandergelegte Holzbalken als Frontverstärkung vorgelegt wurden. Diese wurden durch senkrechte Holzpfosten von vorne gestützt. Ausgeprägte Brandschichten und verkohlte Hölzer zeigen an, dass die Befestigung einem Brand zum Opfer fiel. Lange nach dieser Zerstörung wurde die Kuppe erneut befestigt, wahrscheinlich durch eine einfache Holzpalisade ohne erkennbare Wallschüttung.

Der ehemalige Zugang lag im Nordwesten der Anlage.

Plan des Schweinskopf, M. 1:2000 (WMfA/J. Bennemann u. B. Damwerth).

Funde & Datierung

Das Fundmaterial vom Schweinskopf ist überaus dürftig, die meisten dieser Funde sind heute leider verschollen. Lediglich eine Pfeilspitze aus Feuerstein kann eventuell in die späte Jungsteinzeit datiert werden. In die Zeit der zweiten Befestigungsanlage datiert vermutlich ein eiserner Armbrustbolzen aus dem 13. oder 14. Jh.

Wegen dieser Fundarmut wurde zur Datierung der Anlage eine Radiokarbondatierung von verkohlten Hölzern durchgeführt. Diese ergab durchweg eine Einordnung der ersten Befestigung in die späte Frühbronze- bzw. beginnende Mittelbronzezeit. Damit zählt die Anlage zu den wenigen bislang bekannten Höhenbefestigungen in Nordwestdeutschland dieser Zeitstellung, die sich in eine vor allem im südöstlichen Mitteleuropa deutlich nachzuweisende überregionale Verbreitung solcher Anlagen bestens einpassen lässt.

Für die spätere Anlage konnte keine Datierung gewonnen werden.

Zeichnung der Befunde in Schnitt B der Grabung von 1998 (Altertumskommission für Westfalen/Archiv).

Literatur

B. Sicherl, Die Befestigung auf dem Schweinskopf bei Brochterbeck, Stadt Tecklenburg, Kreis Steinfurt. Frühe Burgen in Westfalen 17 (Münster 2001).