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Eingangsbereich von Wewelsburg I von S. (Foto: Günther/Viets 1992, 109).

Das Großsteingrab Büren-Wewelsburg I

Das Großsteingrab Wewelsburg I wurde 1855 erstmals entdeckt und freigelegt, die exakte Lage geriet jedoch bald wieder in Vergessenheit. Nach der Wiederentdeckung 1985 wurde es 1986 und 1987 vollständig ausgegraben. Von der ehemaligen Kammerfüllung war durch Überpflügen nur noch die unterste Bestattungsschicht erhalten. Das nordöstliche Drittel der Kammer war aufgrund von Grabungen im 19. Jahrhundert fundleer. Trotz starker neuzeitlicher Zerstörung durch landwirtschaftliche Arbeiten waren der Grundriss und einige Konstruktionsmerkmale noch erkennbar. Es handelt sich demnach um ein Galeriegrab der Wartbergkultur vom Typ Züschen.

Der Eingang des Galeriegrabes Wewelsburg I von Süden (Foto: Günther/Viets 1992, 109).
Wewelsburg I. Reste von Zwischen- und Füllmauerwerk am Wandstein 15 von NW (Foto: Günther/Viets 1992, 107).
Wewelsburg I. Überblick von SW über die Reste des Galeriegrabes auf Niveau der Kammersohle (Foto: Günther/Viets 1992, 105).
Bernsteinperlen aus Wewelsburg (vergrößert), (Foto: Günther/Viets 1992, 121).

Nähere Informationen zum Galeriegrab

Technische Daten

Das Galeriegrab Wewelsburg I wurde aus großen, lokalen Kalksteinblöcken errichtet und war zum größten Teil etwa einen halben Meter in den Boden eingesenkt. Die Lücken zwischen den Wandsteinen waren mit einem Zwickelmauerwerk aus kleinen Kalksteinplatten gefüllt. Die Grabkammer war 16,2 m lang, 2,1 m breit und mit einem Bodenpflaster aus Kalksteinplatten versehen. Nach Nordosten schloss sich ein Vorraum an, der durch einen zweiteiligen Türlochstein von eigentlichen Kammer getrennt war. Dieser maß 2,6 x 1,8 m, war zur anderen Seite offen und wurde außen von je einer querstehenden Steinplatte der ehemaligen Hügelfassade flankiert.

Rekonstruktion vo nWewelsburg I mit der neolithischen Geländeoberfläche in isometrischer Darstellung. M ca. 1:150 (Günther/Viets 1992, 112).

Die Funde

Auffällig waren in Wewelsburg I die zahlreichen, gut erhaltenen menschlichen Knochenfunde, darunter allein 85 Schädel. Außerdem fanden sich Reste einer einzelnen Bestattung in gestreckter Rückenlage, parallel zur Längsrichtung der Kammer. Aus dem Inneren der Grabkammer gibt es keine Keramikfunde. Einige, meist kleine, unverzierte Fragmente stammen aus Störungen. Aus der Kammer stammen dafür diverse Artefakte aus Feuerstein, darunter drei Pfeilspitzen, vier Pfeilschneiden, ein großer Kratzer und sieben Klingen.

Eine weitere Besonderheit ist die Vielzahl an Anhängern. Neben einem durchlochten Kalksteinanhänger und 33 Bernsteinperlen fanden sich rund 400 durchlochte Tierzähne. Es handelt sich in der Überzahl um Hundezähne, 17 davon fanden sich kreisförmig um den Schädel eines Bestatteten angeordnet. Außerdem wurden einige Unterkiefer von Füchsen und Rindern, ein Knochenpfriem, ein kleines Kupferblechfragment sowie die Krone eines menschlichen Eckzahns geborgen, der mit zwei feinen umlaufenden Rillen verziert wurde.

Durchlochte Tierzähne aus dem Galeriegrab Wewelsburg I. Anordnung entspricht nicht Befundsituation (Günther/Viets 1992, 119).

Das Rätsel um die Knochenhaken

Ungewöhnlich sind vier Knochenartefakte im Fundmaterial, die meist als Knochenhaken bezeichnet werden. Sie wurden jeweils aus einem bestimmten Teil des Rinderunterkiefers hergestellt und waren meist vollständig überarbeitet, außerdem fallen stellenweise Verrundungen und Glanzpolituren auf. Der ursprüngliche Verwendungszweck dieser Artefakte kann heute nicht mehr sicher bestimmt werden. Die Abnutzungsspuren könnten jedoch ein Hinweis auf eine Nutzung als Haken in Verbindung mit Schnüren oder Bändern zurückzuführen sein, etwa als Gewandschließen oder Tragehaken. Denkbar wären die Haken auch als Befestigung von Bogensehnen, dafür spräche die Vergesellschaftung mit Silexpfeilspitzen.

Abb. 14 Haken aus Rinder-Unterkieferknochen aus Wewelsburg I (5-8), (Abbildung: Günther/Viets 1992, 118).

Literaturverzeichnis

K. Günther/M. Viets, Das Megalithgrab Wewelsburg I, Stadt Büren, Kreis Paderborn. Mit einem Beitrag von K. Steppan. Bodenaltertümer Westfalens 28 (Münster 1992) 95-146.

Eine Auswahl weiterführender Literatur:

D. Bérenger/K. Günther, Büren-Wewelsburg. Ausgrabungen und Funde in Westfalen-Lippe 5, 1987 (1988) 706-707.

K. Günther, Büren-Wewelsburg. Ausgrabungen und Funde in Westfalen-Lippe 6A, 1990, 249-251.

W. Schrickel, Westeuropäische Elemente im neolithischen Grabbau Mitteldeutschlands und die Galeriegräber Westdeutschlands und ihre Inventare. Beiträge zur ur- und frühgeschichtlichen Archäologie des Mittelmeer-Kulturraumes 4 (Bonn 1966). Katalog der mitteldeutschen Gräber mit westeuropäischen Elementen und die Galeriegräber Westdeutschlands. Beiträge zur ur- und frühgeschichtlichen Archäologie des Mittelmeer-Kulturraumes 5 (Bonn 1966).

W. Schwellnus, Wartberg-Gruppe und hessische Megalithik. Ein Beitrag zum späten Neolithikum des Hessischen Berglandes. Materialien zur Ur- und Frühgeschichte von Hessen 4 (Wiesbaden 1979).

A. Stieren, Die vorgeschichtlichen Denkmäler des Kreises Büren. Mitteilungen der Altertumskommission für Westfalen 7, 1922, 16-51.