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Plan der Burg bei Bad Berleburg-Aue von 1900 (Altertumskommission für Westfalen/Archiv).

Die Burg Aue bei Bad Berleburg

Die Alte Burg von Aue gehört zu einer Vielzahl an eisenzeitlichen Wallburgen in Nordrhein-Westfalen. Allein im Wittgensteiner Land finden sich mindestens fünf dieser Befestigungen, wobei die Burg Aue, die etwa einen Kilometer südlich von Bad Berleburg-Aue liegt, das Edertal überblickt.

Eine erste archäologische Untersuchung der Befestigungsanlage, die wohl im Zusammenhang mit dem zweiten geplanten Band des „Atlas vor- und frühgeschichtlicher Befestigungen in Westfalen“ zu sehen ist, fand 1932 statt. Die Schnitte dieser Untersuchung wurden offengelassen, in den späten 1970er-Jahren erneut begangen und 1984-1985 erneut wissenschaftlich untersucht. Die letzten archäologischen Untersuchungen vor Ort fanden 2016 statt.

Anhand von Radiokarbondatierungen kann die Errichtung der Befestigungsanlage bereits in die späte Hallstattzeit, also das 9. bis 8. Jahrhundert v. Chr., datiert werden, womit sie zu den ältesten Wallburgen Südwestfalens zu zählen ist. Die Hauptnutzung der Burg Aue lag allerdings vermutlich in der jüngeren Eisenzeit.

Nähere Informationen zur Anlage

Aufbau & Befunde

Die Wälle der Anlage sind im Norden und Westen nur noch schlecht erhalten und stark modern überprägt. Lediglich der Wall im Südosten ist gut erhalten, obschon er teilweise durch den Aushub der Grabungen in den 1930er-Jahren nachträglich erhöht wurde. Ebenfalls im Süden befand sich der einzige gesicherte Zugang der Befestigung, dem zusätzlich zwei Annexwälle als Schutz vorgelagert sind. Diese wurden erst durch einen Lidar-Scan im Jahre 2018 entdeckt.

Für die Wallanlagen lassen sich zwei Bauphasen greifen. In der ersten Bauphase bestand eine Holzkonstruktion mit einer dahinterliegenden Stein-Erde-Aufschüttung und kleinem Graben. Der vorgelagerte Graben wurde in der zweiten Bauphase zusammen mit der Holzkonstruktion durch einen mächtigen, mit Steinen verstärkten Erdwall, überschüttet.

Zudem lassen sich im Inneren der Anlage mehrere Siedlungsareale nachweisen. Neben den archäologischen Befunden und Funden spricht auch die ehemalige Flurbezeichnung „In de Woninge“, was mit „in den Wohnungen“ übersetzt werden kann, für eine einstige Innenbebauung mit Wohngebäuden.

Plan der Burg Aue von 1932 mit eingezeichneten Grabungsschnitten (LWL-Archäologie für Westfalen/H. Heidrich).

Funde & Datierung

Bei dem Großteil des Fundmaterials handelt es sich um Keramik, welche in die Latènezeit datiert werden kann. Die meisten dieser Keramikscherben fallen dabei in die Zeit des 5. bis 3. Jahrhunderts v. Chr., einige könnten auf Grund ihrer Verzierung allerdings etwas jünger sein. Es kommen aber auch Keramikfragmente der älteren Eisenzeit vor.

Neben den Keramikfunden gibt es auch wenige Metallfunde. Herausragende Einzelfunde sind dabei eine gut erhaltene Grobschmiedezange und ein nordwestlich, wenig außerhalb der Wallanlage gefundenes Waffendepot. Beides lässt sich in das 1. Jahrhundert v. Chr., also die Spätlatènezeit, datieren. Bei dem Waffendepot handelt es sich vermutlich um eine rituelle Niederlegung, da die Waffen womöglich intentionell unbrauchbar gemacht wurden.

Schmiedezange aus Aue (LWL-Archäologie für Westfalen/H. Menne).

Literatur

C. Johanning, Die Burg Aue bei Bad Berleburg-Aue, Kreis Siegen-Wittgenstein. Frühe Burgen in Westfalen 8² (Münster 2018).

Weiterführende Literaturauswahl

H. Behagel, Die Eisenzeit im Raume des rechtsrheinischen Schiefergebirges (Wiesbaden 1949).

H. Böttger, Ausgrabungen an den Wallburgen bei Afholderbach, Aue, Laasphe und Niedernetphen. Siegerland 14, 1932, 42-45.

P. R. Hömberg/H. Laumann, Burg bei Aue, Stadt Bad Berleburg, Kreis Siegen-Wittgenstein. Frühe Burgen in Westfalen 8 (Münster 1988).

M. Zeiler, Wege in die Eisenzeit des Wittgensteiner Raumes. Wittgenstein 3, 2018, 116-133.

M. Zeiler/C. Johanning, Neue Untersuchungen an den Wallburgen Dotzlar und Alte Burg bei Bad Berleburg. AiWL 2016, 2017, 45-48.