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Nördlicher Wall der Babilonie (Bérenger 1997, Titelbild).

Die Wallburg Babilonie

Die Babilonie liegt 3,6 km südwestlich von Lübbecke auf einem Vorhang am Nordhang des Wiehengebirges. Nach Norden fällt das Plateau allmählich, im Osten, Süden und Westen jedoch steil ab. Die Anlage passt sich der natürlichen Topographie an, sodass sie eine dreieckige Form aufweist.

Der Name der Wallburg lässt sich etymologisch verschiedentlich erklären. Er könnte zum einen aus „Babelen-Borg“, was „Burg des Babels“ bedeutet, oder zum anderen aus „Babelönje“ bzw. „Babenlon“ entstanden sein, was mit „Bergwald“ übersetzt werden kann.

Bereits im Urkataster von 1827 sind die Befestigungen eingetragen. Sie wurden zu dieser Zeit auch schon mehrfach begangen, bevor Friedrich Langewiesche zwischen 1905 und 1939 immer wieder archäologische Untersuchungen an den Wällen der Babilonie durchführte. Sie war darüber hinaus für den zweiten Atlasband der „vor- und frühgeschichtlichen Befestigungen in Westfalen“ vorgesehen, der nie fertiggestellt wurde. Nachuntersuchungen auf dem Gelände fanden 1952 und 1981 statt.

Nähere Informationen zur Anlage

Aufbau & Befunde

Der Aufbau der Anlage ist kompliziert, da diese aus einer Vielzahl an Wällen, Vorwällen und Terrassenkanten besteht. Im Süden umschließen die Wälle eine hochgelegene Kuppe, dann folgen sie im Osten und Westen dem sich verbreiternden Bergrücken, um im Norden in dreifacher Staffelung die Befestigungsanlage abzuschließen. Im Inneren der Burg ist die südliche Kuppe nochmals mit zwei Wall- und Grabenanlagen abgetrennt. Diese Strukturen lassen sich insgesamt mindestens drei bis vier Bauphasen zuweisen.             

In der ersten Phase war die Kuppe im Süden und ein Bereich im Norden durch einen Wall umschlossen, der als Kombination von Palisaden mit Trockenmauerwerk und Wallschüttung ausgeführt war und nach einem Brandereignis mindestens einmal erneuert wurde.        

Im zweiten Bauabschnitt wurde die Befestigung im Norden um zwei weitere Wälle mit vorgelagertem Graben erweitert.

Die letzte Bauphase zeichnet sich durch die Anlage eines vierten Walles mit Tor und Graben im Burginneren aus, der die südliche Bergkuppe vom übrigen Bereich abtrennt.

Zusätzlich wurde in einer möglicherweise vierten Bauphase eine Mörtelmauer mit vorgelagertem Graben vor diesem Wall errichtet, von der aber heute kaum Spuren vorhanden sind.

Plan der Babilonie von 1939 (nach A. Klein 1939; bearb. K. D. Braun 1994).

Funde & Datierung

Eine Gussform zur Herstellung von Gewandnadeln kann neben anderen Stücken in das 8. bis 6. Jahrhundert v. Chr. datiert werden und markiert somit wohl den Beginn der Babilonie als Befestigungsanlage. Weitere eisenzeitliche Funde stammen aus dem 2. bis 3. Jahrhundert v. Chr., andere datieren um Christi Geburt. Daher kann für das Gebiet eine kontinuierliche Besiedlung in der gesamten Eisenzeit angenommen werden, sodass die zu dieser Zeit noch kleinräumigen Befestigungen wohl als Fliehburg dienten.

Eine Vielzahl weiterer Keramikfragmente kann in das 5. bis 7. Jahrhundert n. Chr. datiert werden. Sie dürften der zweiten Bauphase zugeordnet werden, in der die Anlage zu einer durchgängigen und stark befestigten Fluchtburg ausgebaut wurde. Die Fülle des Materials legt mehrere und längere Aufenthalte von Menschen nahe.

Die Bauweise des Tores der dritten Nutzungsphase spricht für seine karolingische Zeitstellung, obschon keine weiteren datierbaren Funde aus dieser Zeit nachgewiesen werden konnten. Diese Teilung des Innenraumes deutet an, dass die Burg nunmehr zusätzlich eine eventuelle administrative Funktion einnahm.

Auswahl von Funden von der Babilonie, M. 1:2 (Bérenger 1997, Abb. 7).

Die Babilonie im Volksmund

Um die Wälle der Babilonie ranken sich schon seit Jahrhunderten zahlreiche Sagen und Legenden. Bereits im 18. Jahrhundert berichten Erzählungen von einem Schloss, welches an dieser Stelle gestanden haben soll und die silberne Wiege des Sachsenherzogs Widukind enthielt. Die Befestigungen sollen darüber hinaus bei dem Angriff der Sachsen auf das fränkische Heerlager Hlidbeki (Lübbecke) eine Rolle gespielt haben.

Andere Legenden beschreiben einen unterirdischen Palast voll unvorstellbarer Reichtümer an dieser Stelle. Sie beziehen sich wahrscheinlich auf die mittelalterliche Edda, die im Rahmen der Geschichte Thidreks von Bern die „Halle des Jarls Elsung in Babilonia“ erwähnt.

Luftbild der Babilonie von Südosten (Altertumskommission für Westfalen/Archiv).

Literatur

D. Bérenger, Die Wallburg Babilonie, Stadt Lübbecke, Kreis Minden-Lübbecke. Frühe Burgen in Westfalen 12 (Münster 1997).

Weiterführende Literaturauswahl

D. Bérenger, Die Befestigungen der vorrömischen Eisenzeit im östlichen Westfalen. Bemerkungen zu ihrer topographischen Lage, Bautechnik und Funktion, AFWL 1, 1983 (1984), 45-59.

H. Hartwig, Die Babilonie, eine sagengeschichtliche Untersuchung. Mindener Heimatblätter 6, 1951, 77-81.

H. Hofmeister, Eine Gussform von der Babilonie. Ravensberger Blätter 16 (Bielefeld 1916).

A. v. Oppermann/ C. Schuchhardt, Atlas vorgeschichtlicher Befestigungen in Niedersachsen (Hannover 1888-1916).