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Das Großsteingrab von Lengerich-Wechte (Foto: LWL-Archäologie/B. Stapel).

Das Großsteingrab von Lengerich-Wechte

Das Großsteingrab von Lengerich-Wechte liegt am Nordost-Rand des Münsterlandes unmittelbar vor dem Höhenzug des Teutoburger Waldes. Ursprünglich gab es hier einmal zwei Grabanlagen im Abstand von nur etwa 800 m, die obertägig kaum erkennbar waren. Die Rekonstruktion des Grabes I wurde 1928 errichtet und ist somit eine der ältesten im westfälischen Raum. Als Baumaterial wurden die noch erhaltenen Steine von beiden Gräbern verwendet.

Vor seiner Entdeckung war die Grabanlage von Lengerich-Wechte I nur als flache, etwa 40 m lange Bodenwelle erkennbar. Erst nach Inbetriebnahme einer kleinen Sandgrube, die verzierte Tonscherben der sogenannten Trichterbecherkultur zutage brachte, kam es im Jahr 1928 zu der Entdeckung und Ausgrabung des bislang unbekannten Großsteingrabes. Bei Nachforschungen in der Umgebung stießen die Ausgräber im gleichen Jahr auf das deutlich stärker zerstörte Grab Lengerich-Wechte II.

Das rekonstruierte Großsteingrab von Lengerich-Wechte I 2014 (Foto: Altertumskommission).
Lengerich-Wechte I im Überblick: Gut erkennbar das Bodenpflaster (Foto: Archiv LWL-Archäologie für Westfalen).
Das Grab Lengerich-Wechte II während der Grabung 1928 (Foto: Archiv LWL-Archäologie für Westfalen).
Der rekonstruierte Abschluss mit drei Steinen am südwestlichen Ende entspricht nicht dem Grabungsbefund (Foto: Altertumskommission/Klinke).

Nähere Informationen zum Großsteingrab

Aufbau und Grundriss

Die heute auf einer Länge von 35 m erhaltene Anlage ist in etwa Nordost-Südwest ausgerichtet. Die Seitenwände bilden jeweils eine Reihe von 13 bzw. 12 Tragsteinen. In den Lücken zwischen diesen Steinblöcken sind an einigen Stellen die Reste von Trockenmauerwerk sichtbar. Mit seinen ursprünglich nahezu 40 m Länge gehört Wechte I wohl zu den längsten der nordwestdeutschen Großsteingräber, jedoch ist das nordöstliche Schmalende des Grabes noch vor Beginn der Grabung vollständig durch den Sandabbau zerstört worden. Durch den Steinraub der vergangenen Jahrhunderte war außerdem der Großteil der Trag- und Decksteine nicht erhalten. Gut erkennbar war hingegen ein Bodenpflaster aus Geröllen und Sandsteinplatten. Außerdem waren noch kleine Teilstücke des Trockenmauerwerks aus flachen Steinen vorhanden, die den Raum zwischen den Tragsteinen ausfüllten.

Grabungsplan Grab I von 1928, Umzeichnung des Feldplans von Erich Spießbach (Grafik: nach Knöll 1983, 4 Abb.2; LWL-Archäologie/Altevers).

Funde

Bereits in den 1930er-Jahren bearbeitete Heinz Knöll eine große Menge an keramischen Funden der beiden Gräber von Lengerich-Wechte im Rahmen seiner Dissertation. In seiner 1959 vorgestellten neuen typologischen Einordnung der Gefäßkeramik aus Megalithgräbern, die mehrere Jahrzehnte lang Gültigkeit besaß, stützte er sich stark auf die Wechter Funde. Das Formenspektrum umfasst nahezu das gesamte Repertoire der Westgruppe der Trichterbecherkultur. Die Hauptnutzungsphase der Gräber datiertet etwa in die Zeit zwischen 3300 – 3075 v. Chr. Das Fundspektrum wird außerdem durch zahlreiche Feuersteingeräte, mehrere Steinbeile, Knochengeräte, Tierzahnanhänger und verschiedene durchlochte Perlen ergänzt. Außerdem waren noch kleine Teilstücke des Trockenmauerwerks aus flachen Steinen vorhanden, die den Raum zwischen den Tragsteinen ausfüllten.

Gefäße aus Grab I in Lengerich-Wechte (Foto: LVR Bonn/Vogel).

Kulturelle Beziehungen

In den Gräbern fanden sich einige Objekte, die wahrscheinlich nicht vor Ort hergestellt worden sind und die auf ein weitreichendes Beziehungsnetzwerk schließen lassen. So stammen Steinbeile aus Kieselgeoden des Wiehengebirges aus dem Osnabrücker Raum. Eine keramische Sonderform, bei der unklar ist ob es sich um das Fragment einer Lampe oder einer Tontrommel handelt, weist auf Kontakte zu Kulturen aus dem mitteldeutschen Raum, wie etwa der Bernburger Kultur, hin. Die Perlen aus Bernstein und Gagat deuten auf Verbindungen zur niederländischen oder nordwestdeutschen Küstenregion hin. Auf die mit Abstand weitreichendsten Kontakte lassen die Kupferobjekte schließen: Metallurgische Untersuchungen erbrachten einen erhöhten Arsenanteil im Kupferblech aus Grab II, was typisch ist für das "Mondseekupfer" aus dem nordalpinen Raum; das Reinkupfer, das bei drei Röllchen aus Grab I Verwendung fand, stammt aus den Karpaten.

Verschiedene Kupferartefakte aus den Gräbern von Lengerich-Wechte (Foto: LWL-Museum für Archäologie/Schierhold).

Das Großsteingrab von Lengerich-Wechte als 3-D-Modell

Das Modell wurde mit "Image-Based-Modeling" erstellt und ähnelt Bildern von Laserscannern, wirkt jedoch wie eine digitale Kopie. Gleichzeitig dient das Modell als digitale Vermessung, bei der die Anlage sowohl im Gesamten, als auch en Détail zu sehen ist.

Literaturverzeichnis

B. Stapel/K. Schierhold, Das Großsteingrab von Lengerich-Wechte, Kreis Steinfurt. Megalithgräber in Westfalen 4 (Münster 2018).

Eine Auswahl weiterführender Literatur:

J. A. Bakker, The TRB West Group (Amsterdam 1979).

H. Knöll, Die nordwestdeutsche Tiefstichkeramik und ihre Stellung im nord- und mitteleuropäischen Neolithikum. Veröffentlichungen der Altertumskommission im Provinzialinstitut für westfälische Landes- und Volkskunde 3 (Münster 1959).

H. Knöll, Die Megalithgräbervon Lengerich-Wechte. Bodenaltertümer Westfalens 21 (Münster 1983).

C. Reichmann, Großsteingräber, Grabhügel der älteren Bronzezeit und Brandgrubenfriedhof der vorrömischen Eisenzeit in Lengerich-Wechte. In: Führer zu vor- und frühgeschichtllichen Denkmälern 46 (Münster, Westfälisches Münsterland, Tecklenburg) Teil II: Exkursionen (Mainz 1981) 198-203.

B. Stapel, Lengerich-Wechte, Kr. Steinfurt. Theiss Archäologieführer Westfalen-Lippe (Stuttgart 2008) 119-120.

A. Stieren, Bodenaltertümer Westfalens. Ein Bericht über die Grabungen und Funde für die Jahre 1925 bis 1928 (Münster 1929) 30-34.

M.-A. Zepezauer, Lengerich-Wechte. Fundchronik Kreis Steinfurt. Ausgrabungen und Funde in Westfalen-Lippe Beiheft 4 (Paderborn 2000) 78, Nr. 447.