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Burg Vlotho in einer Zeichnung von 1583 von Johann Jacob Kremer.

Burg Vlotho an der Weser

Die Burg Vlotho liegt oberhalb von Vlotho auf dem Ostteil des 141 m hohen Amtshausberg, einem Bergsporn mit steil nach Norden, Osten und Süden abfallenden Hängen. Somit ist ein einfacher Zugang nur von Westen aus möglich.

Von der Burg aus kann nicht nur das Gelände im Süden und Osten gut überblickt, sondern auch der Weserverlauf und die Stadt kontrolliert werden. Besonders wichtig für die Errichtung der Anlage an dieser Stelle sind nicht nur der ehemalige Weserhafen samt Fährbetrieb auf das andere Flussufer, sondern auch wichtige Fernhandelswege, die in Vlotho einst zusammentrafen. Unter anderem wurden hier teilweise die Handelsgeschäfte der Hansestadt Herford abgewickelt und das Salz aus Salzuflen verhandelt.

In Schriftquellen wird die Burg bereits im 13. Jahrhundert erwähnt. Der erste, heute verschollene Lageplan stammt von 1708, obschon bereits aus dem 16. Jahrhundert zwei Zeichnungen der Befestigungsanlage überliefert sind. Die erste Erwähnung der Anlage in einem geschichtlichen Werk erfolgte dann im Jahre 1829, ein erster Versuch einer Rekonstruktion und Baugeschichte wurde 1934 vorgenommen. Die einzigen archäologischen Ausgrabungen auf dem Amtshausberg fanden schließlich 1936 bis 1938 statt, bei denen aber nur der Westteil der Burg beachtet wurde. Leider ist die überlieferte Dokumentation unzulänglich, die gemachten Funde gelten seit 1945 als verschollen. Das heutige Erscheinungsbild der Anlage geht vor allem auf Aufmauerungen der damals freigelegten Grundmauern zurück.

Nähere Informationen zur Anlage

Aussehen der Burganlage

Die aus lokal vorkommenden Material errichtete, ehemals zweiteilige Burganlage wird nahezu vollständig durch eine Ringmauer umgeben, der im Osten, Süden und Westen ein Graben vorgelagert ist. Südwestlich des Westturmes befindet sich zudem der Rest des wohl ehemals vor der Nordmauer verlaufenden Halsgrabens. Das heutige Burgtor befindet sich in der nördlichen Ringmauer.

Der heutige Parkplatz, der den westlichen Teil des Bergplateaus einnimmt, war ehemals ebenfalls befestigt und bildete wahrscheinlich das aus den Schriftquellen bekannte Vorwerk von Burg Vlotho. Reste der Befestigungen wurden spätestens 1949 eingeebnet. Lediglich der kleine, erhaltene Graben in der Nähe der Zufahrt könnte als Rest dieser Wehrlinie angesehen werden.

Die archäologisch kaum näher Untersuchte Osthälfte der Hauptburg war wohl ehemals durch eine mächtige Mauer vom westlichen Teil abgetrennt, wie Schriftquellen belegen. Hier befand sich eine Kapelle sowie ein nicht näher anzusprechendes Gebäude.

Im äußersten Westen der untersuchten Westhälfte der Burg befindet sich ein unregelmäßiger Turm, der auf Resten eines ehemaligen Tores errichtet wurde. Unmittelbar östlich an die von dem Tor verbliebene Freifläche schließt sich der sogenannte Palas an. Nordöstlich von diesem Bauwerk finden sich weitere Gebäudespuren und die Reste eines Rundturmes. An der südlichen Burgmauer befinden sich darüber hinaus Reste von vier weiteren Gebäuden, die wahrscheinlich in Fachwerktechnik errichtet wurden und ein Brunnen.

Plan der Burg Vlotho von 2012 (Vermessungs- und Zeichenbüro Thede, Spenge).

Versuch einer Baugeschichte

Aufgrund der unzulänglichen Dokumentation der Ausgrabungen ist die Erstellung einer Bauabfolge für Burg Vlotho schwierig und muss unter Vorbehalt betrachtet werden.

In die erste Bauphase um 1250 sollten das ehemalige Tor im Westen, der nur noch in Fundamenten erhaltene Rundturm und die Reste der Fachwerkbauten im Südwesten gehören, die wahrscheinlich als Vorburg dienten. In einer zweiten Phase wird dann vermutlich das Westtor vermauert und das heutige Tor in der Mitte der nördlichen Ringmauer angelegt. An der Stelle des alten Zugangs entsteht ein Turm und auf dem heutigen Parkplatz wird eine neue Vorburg angelegt. Bauphase drei, die nach den Schriftquellen zu urteilen nach 1286 einsetzt, beinhaltet die Niederlegung der Trennmauer zwischen West- und Ostburg und den Bau der Kapelle. In weiteren Bauphasen werden die Bauten an der nordwestlichen Ringmauer mehrfach um- und neugebaut. Hierbei entstand auch der sogenannte Palas, der nach den Baubefunden wahrscheinlich aus dem 14. oder 15. Jahrhundert stammt.

Ausgrabungen auf Burg Vlotho 1936 (nach Rieke).

Weitere archäologische Denkmäler im Umfeld von Burg Vlotho

Burg Schune

Neben der Burg auf dem Amtshausberg befand sich ehemals eine weitere Burganlage im Wesertal, die als „Burg Schune“ bezeichnet wird. Leider geben die Schriftquellen keinen eindeutigen Hinweis auf deren Errichtungszeit, allerdings kann davon ausgegangen werden, dass sie eventuell schon vor Burg Vlotho im 12. Jahrhundert errichtet wurde. Eventuell diente sie als Zollstation und später als Fährhof. Die Anlage befand sich, wie Funde von mächtigen Fundamenten und Mauerzügen, die bei verschiedenen Baumaßnahmen am Weserufer aufgefunden wurden, anzeigen, im Bereich der heutigen Weserbrücke. Neben den Gebäudespuren wurden unter anderem ein Brunnen und Brandhorizonte aufgedeckt.

Ausgrabungen im Bereich von Burg Schune 1979 (Vlothoer Anzeiger).

Schwedenschanze

Etwa 400 m westlich des Parkplatzes vor Burg Vlotho befindet sich die sogenannte „Schwedenschanze“. Sie besteht aus zwei kleinen Erdbefestigungen und wird seitlich durch seichte Hänge und einen Steilhang im Westen begrenzt. Die südliche, größere Befestigung wird von einem u-förmigen Doppelgraben mit dazwischenliegendem Wall umwehrt und gliedert sich in eine Freifläche und ein erhöhtes Plateau. Die nördliche Befestigung ist wahrscheinlich jünger. Sie besteht aus einer stufigen Terrasse mit einfachem Außengraben. Funktion und Alter der Anlagen sind unklar, es könnte sich um einen Vorposten der Burg Vlotho, ein Belagerungscamp oder sogar um eine eigenständige Befestigung handeln.

Plan der Schwedenschanze (Grafik: R. Plöger).

Hünenburg

Südwestlich von Vlotho auf dem Paterberg, der nach drei Seiten hin steil abfällt und nur von Norden aus zugänglich ist, lag die sogenannte „Hünenburg“, die heute nicht mehr sichtbar ist. Unterhalb der Bergkuppe verläuft eine alte Handelsroute. Nach alten Beschreibungen handelte es sich bei der Befestigungsanlage ehemals um einen einfachen Wallring von etwa 0,8 ha Größe mit Tor im Norden. Eine Sondage durch die LWL-Archäologie für Westfalen, Außenstelle Bielefeld im Jahre 1995 erbrachte Reste einer zweischaligen Trockenmauer von etwa 1,8 m Breite mit hangabwärts vorgelagertem Sohlgraben. Aufgrund fehlender Funde ist eine Datierung der Hünenburg nicht möglich, ähnliche Bauten stammen aber aus dem 8. und 9. Jahrhundert.

Die Hünenburg in Blickrichtung Süden (LWL-Archäologie für Westfalen/Außenstelle Bielefeld).

Literatur

R. Plöger, Burg Vlotho an der Weser, Kreis Herford. Frühe Burgen in Westfalen 35 (Münster 2013).

Weiterführende Literaturauswahl

W. Best, Die Hünenburg bei Vlotho. Historisches Jahrbuch für den Kreis Herford 2006, 8-12.

G. Engel, Ein Inventar der Burg Vlotho vom Jahre 1541. Jahresbericht des Historischen Vereins für die Grafschaft Ravensberg 57, 1952, 54.

H. Meyer zu Ermgassen, Zur älteren Geschichte von Burg und Stadt Vlotho. Westfälische Zeitschrift 114, 1964, 235-242.