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Das Umfeld des zerstörten Großsteingrabes Beckum-Dalmer I (Foto: Altertumskommission/Schierhold).

Das Großsteingrab von Beckum-Dalmer I

Das Megalithgrab Beckum-Dalmer I wird mit den Gräbern Beckum-Dalmer II und Lippetal-Lippborg zur Beckumer Gruppe der Wartbergkultur zusammengefasst und liegt am Südrand der Beckumer Berge im Kernmünsterland. Beckum II liegt nur 446 m entfernt, zwischen den Gräbern fließt der Göttfricker Bach. Das Grab von Lippborg liegt ca. 2,5 Kilometer weiter südwestlich. Die Gruppe grenzte unmittelbar an das Gebiet der Trichterbecherkultur an und stellt die nördlichste Verbreitung der hessisch-westfälischen Megalithik dar. Das Grab Beckum I wurde 1830 entdeckt und 1835 zusammen mit Grab II ergraben. Im selben Jahr sprengte man einige Decksteine in Beckum-Dalmer I, die im Straßenbau zum Einsatz kamen. In den Jahren 1840-1847 wurde die Anlage durch die Entnahme der weiteren Findlinge vollständig zerstört. Die Ausbruchsgrube des ehemaligen Grabes konnte 2012 im Rahmen einer geomagnetischen Prospektion wieder lokalisiert werden.

Nähere Informationen zum Großsteingrab

Technische Daten

Die Anlage hatte ursprünglich eine Länge von 26,4 m und einer Breite von 3,8 m bei einer lichten Weite von 1,6 m – 1,9 m und einer lichten Höhe von 1,6 m – 1,9 m, das Grab war ca. O-W ausgerichtet. Als Wand- und Decksteine dienten nordische Geschiebe, deren Zwischenräume mit einem Trockenmauerwerk aus Kalkmergelplatten verfüllt waren. Das Baumaterial stammte aus dem unmittelbaren Umfeld des Grabes und musste aus max. 1 km Entfernung herangeschafft werden. Der Boden bestand aus einer Sandlage. Dem Grabungsbericht von 1835 nach war die Anlage fast vollständig in den anstehenden Boden eingesenkt.

Magnetogramm von Beckum-Dalmer I, Darstellung von ± 3 nT (Grafik: Universität zu Köln/J. Heinen).

Funde

Von den in den 1830er-Jahren geborgenen Funde liegen heute einige im Museum in Herne. Dazu gehört eine Amphore der Trichterbecherkultur, die anhand ihrer charakteristischen
Tiefstichverzierungen in die Zeit um 3200-3050 v. Chr. datiert werden kann, sowie einige, teils importierte Feuersteingeräte, darunter zwei Klingen aus Maasfeuerstein und ein Beilbruchstück.
Weitere in Herne erhaltene Funde sind mehrere Tierzahnanhänger und ein Kupferblechstreifen. Verschollen sind hingegen die geborgenen menschlichen Skelettreste, eine Bernsteinperle, einzelne Keramikscherben, mehrere Fuchsunterkieferhälften sowie verschiedene Knochengeräte. Dazu kommt ein Felsgesteinbeil aus Kieselgeoden aus dem Wiehengebirge, ein Lesefund aus dem Jahr 2007.

Funde aus Beckum-Dalmer I (1. 2 nach Knöll 171; 5 nach Schrickel 1966; 17 nach Borggreve 1875) - M. 2:3 (Schierhold 2012, Taf. 9).

Sonstiges

Im Grabbau und bei den Beigaben zeigt die Beckumer Gruppe Merkmale sowohl der Trichterbecher als auch der Wartbergkultur, gehört aber dennoch stärker in den Einflussbereich der Wartbergkultur. Zum Bau der Gräber wurden nordische Geschiebefindlinge verwendet, wie es bei den Großsteingräbern der Trichterbecherkultur üblich war. Diese waren jedoch in den Boden eingesenkt, sodass Konstruktion des Grabes mehr dem der Wartbergkultur entspricht. Die Gräber Beckum I und II liegen auf gegenüberliegenden Hügeln, zu den Seiten des Göttfricker Bachs.  Sichtfeldanalysen zeigen, dass man von den Gräbern aus Sichtkontakt zueinander haben konnte, was möglicherweise ein Grund für die Wahl des Grabplatzes war.

Messungsarbeiten im Gelände mit dem Geomagnetikgerät (Foto: Universität zu Köln/J. Heinen), (AiWL 2011, S. 48).

Literaturverzeichnis

J. Heinen/K. Schierhold/B. Stapel, Lange gesucht und wiedergefunden – das Großsteingrab I von Beckum-Dalmer. Arch. Westfalen-Lippe 2011 (2012) 47-49.

Eine Auswahl weiterführender Literatur:

F. A. Borggreve, Die drei Gräber bei Westerschulte und Wintergalen in der Gegend von Beckum. Zeitschrift für Vaterländische Geschichte und Altertumskunde 33, 1875, 89-112.

H. A. Erhard, Nachricht von den bei Beckum entdeckten alten Gräbern (Münster 1836).

K. Schierhold, Studien zur hessisch-westfälischen Megalithik. Forschungsstand und -perspektiven im europäischen Kontext. Münstersche Beitr. Ur- u. Frühgesch. Arch. 6 (Rahden/Westf. 2012).