check-circle Created with Sketch. Transkript anzeigen Abspielen Pausieren

Plan der Alten Burg Obernau von 1919 (Planarchiv der Altertumskommission für Westfalen).

Die Alte Burg Obernau bei Netphen-Afholderbach

Die Befestigungsanlage liegt etwa 1 km südöstlich von Netphen-Afholderbach auf einem Höhenrücken, der mit 570 bis 633 m üNN die zweithöchste Erhebung des Siegerlandes darstellt. Im Umfeld der Wälle fällt die Bergkuppe nur schwach bis mäßig steil ab, erst weit außerhalb werden die Hänge zunehmend steiler. Durch ihre geschützte Lage in einem Hochwald handelt es sich bei der Alten Burg um die am besten erhaltene Anlage dieser Art im Siegerland.

Die älteste Erwähnung der Befestigung stammt bereits aus dem 16. Jahrhundert, erstmals Kartiert wurden die Wälle im Jahre 1787. Genauere Untersuchungen der Anlage fanden erstmals 1881 und 1883 statt, bevor sie 1919 für den „Atlas vor- und frühgeschichtlicher Befestigungen in Westfalen“ neu vermessen und weitere Schnitte angelegt wurden. Ebenfalls durch die Altertumskommission für Westfalen wurden 1932 weitere, umfangreiche Ausgrabungen in der Alten Burg durchgeführt, die wesentliche Erkenntnisse über deren Bauweise und Datierung lieferten. In der weiteren Folge kam es immer wieder zu kleineren Sondagen und einer Neuvermessung der Befestigungsanlage, bevor seit 2015 erneute Begehungen, Magnetometermessungen und kleinere Grabungen neues Wissen zur Alten Burg liefern konnten.

Es kann angenommen werden, dass es sich bei der Anlage um eine östliche Grenzbefestigung des Montanreviers Siegerland handelte, welches spätestens seit der jüngeren Eisenzeit bestand, eventuell sogar um einen Zentralort mit Kontroll- und Organisationsfunktion.

Wallschnitt VI von 1932 im heutigen Befund (LWL-AfW/Zeiler).

Blick von Nordosten auf dei Alte Burg Obernau in der Bildmitte (LWL-AfW/Menne).

Brandgrube mit Tierknochen von der Alten Burg Obernau (LWL-AfW/Poggel).

Keramik der Altgrabungen (LWL-AfW).

Nähere Informationen zur Anlage

Aussehen der Anlage

Die Wallburg besteht aus mindestens zwei Ringwallstrukturen, von denen die innere und die äußere jeweils mindestens zwei Tore aufweisen. Zudem finden sich zwei Annexe, einer im Westen, der andere im Osten sowie weitere Geländekanten oder kleinere Wälle, die ebenfalls der Anlage zuzuweisen sind. Aus diesen kann sich ein möglicher, dritter Befestigungsring rekonstruieren lassen, der die Fläche der Alten Burg von 11 ha auf insgesamt 16 ha erweitern würde.

Befestigungsstrukturen der Alten Burg Obernau (LWL-AfW/Zeiler).

Befunde & Bauweise

Der Wall des inneren, 3 ha umfassenden Wallrunds ist im Schnitt noch 3 m hoch erhalten. Er wurde wahrscheinlich aus einer mit einer Trockenmauer verblendeten Holzmauer gebildet, der eine Berme und ein Graben vorgelagert war. Die zwei gesicherten Tore der Befestigungslinie im Nordwesten und Süden wurden durch ein Torhaus gesichert, ein weiteres, vermutetes Tor liegt im Nordosten.

Die äußere Verteidigungslinie umfasst 8,3 ha. Ihre Wälle sind im Schnitt 0,5 bis 1 m niedriger, als die der inneren Befestigung und wurden auf identische Art konstruiert. Bei den beiden Toren im Süden und Nordwesten handelt es sich im Tangentialtore.

Die Wälle des östlichen Annexes weisen keinerlei Spuren von Holzeinbauten auf, waren demnach lediglich aus Erde aufgeschüttet und besitzen einen vorgelagerten Spitzgraben. Der Westannex schließt im Bereich des Außentores der Anlage an diese an. Beide Strukturen dienten wohl zur Sperrung der Bergkuppe.

Während im inneren Wallring keinerlei Befunde dokumentiert werden konnten, befinden sich im östlichen Zwischenwallbereich mehrere Brandgruben unbekannter Funktion.

Südprofile der Wallschnitte I (oben) und III (unten) von 1932 (LWL-AfW/Außenstelle Olpe).

Funde & Datierung

Die Bauart und Anordnung der einzelnen Wälle deuten an, dass es sich bei der Alten Burg um eine mehrperiodische Anlage handelt.

Bei den Grabungen des 20. Jahrhunderts konnten zahlreiche Keramikfragmente vorgefunden werden, die aus der Eisenzeit stammen. Bei den neuen Sondagen wurden ebensolche Scherben aufgedeckt, die sich allerdings genauer datieren ließen, nämlich in die späte Eisenzeit. Durch die Metallsondenbegehungen kamen weitere Funde hinzu. Es handelt sich neben modernem Schrott um insgesamt vier eisenzeitliche Stücke, genauer um einen Flachmeißel, ein Tüllenbeil, einen Lanzenschuh und ein Klingenfragment. Aufgrund der Fundlage der Objekte ist von massiven Raubgrabungen innerhalb der Wallstrukturen auszugehen.

Zusätzlich zu den Funden liegt für die Alte Burg eine Radiokarbondatierung vor, die aus dem 3. bis 4. Jahrhundert v. Chr. datiert. Somit ist für die Anlage eine längere Nutzungszeit etwa vom 4. Jahrhundert v. Chr. bis in die Zeit um Christi Geburt anzunehmen.

Funde der Metallsondenbegehung (LWL-AfW/Menne).

Literatur

M. Zeiler, Die Alte Burg Obernau bei Netphen-Alfholderbach, Kreis Siegen-Wittgenstein. Frühe Burgen in Westfalen 42 (Münster 2018).

Weiterführende Literaturauswahl

H. Böttger, Ausgrabungen an den Wallburgen bei Alfholderbach, Aue, Laasphe und Niedernetphen. Siegerland 14, 1932, 42-45.

J. Gerner/R. Golze/M. Zeiler, Zu den Anfängen der Eisen- und Buntmetallgewinnung im nördlichen Siegerland. AiWL 2013, 2014, 88-92.

M. Zeiler/S. Sebald/B. Sikorski, Neue Forschungen zu den eisenzeitlichen Wallburgen des Siegerlandes. AiWL 2017, 2018, 203-206.