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Das Großsteingrab Beckum-Dalmer II (Foto: Altertumskommission/Schierhold).

Das Großsteingrab von Beckum-Dalmer II

Das Megalithgrab Beckum-Dalmer II bildet mit den Gräbern Beckum-Dalmer I und Lippetal-Lippborg die Beckumer Gruppe der Wartbergkultur. Die Gräber sind am Südrand der Beckumer Berge im Kernmünsterland gelegen. Das Grab Beckum I lag 446 m entfernt, das Grab von Lippborg ca. 2,5 Kilometer weiter südwestlich. Der Göttfricker Bach fließt in ca. 160 m Entfernung. Nur Beckum-Dalmer II ist bis heute im Gelände erhalten. Die Gruppe grenzte unmittelbar an das Gebiet der Trichterbecherkultur an und stellt die nördlichste Verbreitung der hessisch-westfälischen Megalithik dar. Das Grab Beckum-Dalmer II wurde 1830 gefunden und im selben Jahr zusammen mit Grab I ergraben. Weitere Grabungsarbeiten erfolgten 1860-1863, eine unautorisierte Grabung wurde 1970 durchgeführt. In einigen Decksteinen finden sich Bohrlöcher zur Sprengung, offenbar sollten die Steine ursprünglich im Straßenbau verwendet werden. Im 19. Jahrhundert dienten die Findlinge vieler Megalithgräber als Baumaterial, so auch die benachbarten Gräber Beckum-Dalmer I und Lippetal-Lippborg, die in diesem Zuge völlig zerstört wurden.

Nähere Informationen zum Großsteingrab

Technische Daten

Beckum II ist 26,5 m lang und 3 m breit bei einer ehemaligen Höhe von 2,1 m. Die lichte Länge beträgt 25 m, die lichte Weite 1,4 m – 2 m und die lichte Höhe 1,5 m. Das Grab ist WNW-OSO ausgerichtet. Es handelt sich um ein Galeriegrab des Typs Rimbeck, mit einer in den Boden eingesenkten Grabkammer und einem Zugang an der Längsseite des Grabes. Auffällig ist, dass die Sichtachse des Eingangs auf einen 1,7 km entfernten Geländesporn ausgerichtet ist. Als Baumaterial dienten nordische Geschiebefindlinge, deren Zwischenräume mit einem Trockenmauerwerk aus plattigen Kalksteinen verfüllt waren. Ursprünglich war der Kammerboden mit einem Pflaster aus kleineren Kalksteinplatten auf dem anstehenden Mergel versehen. Das Baumaterial stammte aus der Umgebung und musste vermutlich aus weniger als 1 km Entfernung herangeschafft werden.

Grundriss von Beckum-Dalmer II nach einer Neuaufnahme aus dem Jahr 1970; Umzeichnung von K. Schierhold (Grafik: nach Schierhold 2012, Taf. 2).

Funde

Die bei den Grabungen im 19. Jahrhundert geborgenen menschlichen Skelettreste wurden im Zweiten Weltkrieg zerstört. Bei nicht wissenschaftlich begleiteten Bodeneingriffen zur Verschönerung der Anlage durch den Heimatverein im Jahr 1970 wurden einige Scherben, Knochenreste und Kalksteinbruchstücke des Zwickelmauerwerks ausgegraben. Diese sind nicht mehr auffindbar.

Zeichnung von F. A. Borggreve aus der Westfälischen Zeitschrift Band 33, 1875, 89-112 und Tafeln.

Sonstiges

Im Grabbau und bei den Beigaben zeigt die Beckumer Gruppe Merkmale sowohl der Trichterbecher als auch der Wartbergkultur, gehört aber dennoch stärker in den Einflussbereich der Wartbergkultur. Zum Bau der Gräber wurden nordische Geschiebefindlinge verwendet, wie es bei den Großsteingräbern der Trichterbecherkultur üblich war. Diese waren jedoch in den Boden eingesenkt, sodass Konstruktion des Grabes mehr dem der Wartbergkultur entspricht. Die Gräber Beckum I und II liegen auf gegenüberliegenden Hügeln, zu den Seiten des Göttfricker Bachs. Sichtfeldanalysen zeigen, dass man von den Gräbern aus Sichtkontakt zueinander haben konnte, was möglicherweise ein Grund für die Wahl des Grabplatzes war.

Das Großsteingrab von Beckum-Dalmer II 2015 (Foto: Altertumskommission/Schierhold).

Literaturverzeichnis

Eine Auswahl weiterführender Literatur:

F. A. Borggreve, Die drei Gräber bei Westerschulte und Wintergalen in der Gegend von Beckum. Zeitschrift für Vaterländische Geschichte und Altertumskunde 33, 1875, 89-112.

H. A. Erhard, Nachricht von den bei Beckum entdeckten alten Gräbern (Münster 1836).

K. Schierhold, Studien zur hessisch-westfälischen Megalithik. Forschungsstand und -perspektiven im europäischen Kontext. Münstersche Beitr. Ur- u. Frühgesch. Arch. 6 (Rahden/Westf. 2012).