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Das Großsteingrab Beckum-Dalmer II (Foto: Altertumskommission/Schierhold).

Das Großsteingrab von Beckum-Dalmer II

Das Megalithgrab Beckum II-Dalmer bildet mit den Gräbern Beckum I und Lippborg-Lippetal die Beckumer Gruppe der Wartbergkultur. Die Gräber sind am Südrand der Beckumer Berge im Kernmünsterland gelegen. Das Grab Beckum I lag 446 m entfernt, das Grab von Lippborg ca. 2,5 km weiter südwestlich. Der Göttfricker Bach fließt in ca. 160 m Entfernung. Nur Beckum II ist bis heute im Gelände erhalten. Die Gruppe grenzte unmittelbar an das Gebiet der Trichterbecherkultur an und stellt die nördlichste Verbreitung der hessisch-westfälischen Megalithik dar. Das Grab Beckum II wurde 1830 gefunden und im selben Jahr zusammen mit Grab I ergraben. Weitere Grabungsarbeiten erfolgten 1860-63, eine unautorisierte Grabung wurde 1970 durchgeführt. In einigen Decksteinen finden sich Bohrlöcher zur Sprengung, offenbar sollten die Steine ursprünglich im Straßenbau verwendet werden. Im 19. Jahrhundert dienten die Findlinge vieler Megalithgräber als Baumaterial, so auch die benachbarten Gräber Beckum I und Lippborg, die in diesem Zuge völlig zerstört wurden. Im August 2021 erfolgte eine minimalinvasive Grabung durch die Altertumskommission für Westfalen in Zusammenarbeit mit der Außenstelle Münster der LWL-Archäologie.

Nähere Informationen zum Großsteingrab

Technische Details

Beckum II ist 26,5 m lang und 3 m breit bei einer ehemaligen Höhe von 2,1 m. Die lichte Länge beträgt 25 m, die lichte Weite 1,4–2 m und die lichte Höhe 1,5 m. Das Grab ist Westnordwest-Ostsüdost ausgerichtet. Es handelt sich um ein Galeriegrab des Typs Rimbeck, mit einer in den Boden eingesenkten Grabkammer und einem Zugang an der Längsseite des Grabes. Auffällig ist, dass die Sichtachse des Eingangs auf einen 1,7 km entfernten Geländesporn ausgerichtet ist. Als Baumaterial dienten nordische Geschiebefindlinge, deren Zwischenräume mit einem Trockenmauerwerk aus plattigen Kalksteinen verfüllt waren. Ursprünglich war der Kammerboden mit einem Pflaster aus kleineren Kalksteinplatten auf dem anstehenden Mergel versehen. Das Baumaterial stammte aus der Umgebung und musste vermutlich aus weniger als 1 km Entfernung herangeschafft werden.

Die Grabung im Jahr 2021 zeigte, dass die Überhügelung im Eingangsbereich der Anlage durchgehend mit weißen Kalksteinen bedeckt war, wodurch das Grab weithin sichtbar gewesen sein dürfte. Es handelt sich um einen singulären Befund an einem Galeriegrab der Wartbergkultur: Die meist aus Kalksteinplatten errichteten Anlagen sind in der Regel nicht gut genug erhalten, um noch Aussagen zur äußeren Erscheinung treffen zu können.

Grundriss von Beckum-Dalmer II nach einer Neuaufnahme aus dem Jahr 1970; Umzeichnung von K. Schierhold (Grafik: nach Schierhold 2012, Taf. 2).

Funde

Die bei den Grabungen im 19. Jahrhundert geborgenen menschlichen Skelettreste wurden im Zweiten Weltkrieg zerstört. Bei nicht wissenschaftlich begleiteten Bodeneingriffen zur Verschönerung der Anlage durch den Heimatverein im Jahr 1970 wurden einige Scherben, Knochenreste und Kalksteinbruchstücke des Zwickelmauerwerks ausgegraben. Diese sind nicht mehr auffindbar. Bei der Grabung 2021 konnten weitere, der Forschung unbekannte Bodeneingriffe nachvollzogen werden. Neben rund 500 menschlichen Knochenfunden aus dem Abraum des Eingriffs im Jahr 1970 bestand das Fundmaterial aus lediglich drei unverzierten Wandscherben.

Zeichnung von F. A. Borggreve aus der Westfälischen Zeitschrift Band 33, 1875, 89-112 und Tafeln.

Sonstiges

Aufgrund der Verwendung von Findlingen im Grabbau und seiner Randlage im Verbreitungsgebiet der Wartbergkultur wurde dem Megalithgrab Beckum II lange eine Hybridstellung zwischen Wartberg- und Trichterbecherkultur attestiert. Die Grabung im Jahr 2021 ergab jedoch, dass die Anlage aufgrund ihrer eingetieften Bauweise und dem beigabenarmen Fundspektrum eindeutig der Wartbergkultur zuzuordnen ist. Das Baumaterial scheint für die kulturelle Zuordnung von Megalithgräbern kein ausreichender Beleg zu sein, vielmehr wurde offenbar Material gewählt, welches in der unmittelbaren Umgebung zur Verfügung stand.

Das Grab Beckum I liegt auf einem gegenüberliegenden Hügel, zur anderen Seiten des Göttfricker Bachs. Sichtfeldanalysen zeigen, dass man von den Gräbern aus Sichtkontakt zueinander haben konnte.

Das Großsteingrab von Beckum-Dalmer II 2015 (Foto: Altertumskommission/Schierhold).

Literaturverzeichnis

Eine Auswahl weiterführender Literatur:

F. A. Borggreve, Die drei Gräber bei Westerschulte und Wintergalen in der Gegend von Beckum. Zeitschrift für Vaterländische Geschichte und Altertumskunde 33, 1875, 89-112.

H. A. Erhard, Nachricht von den bei Beckum entdeckten alten Gräbern (Münster 1836).

K. Schierhold, Studien zur hessisch-westfälischen Megalithik. Forschungsstand und -perspektiven im europäischen Kontext. Münstersche Beitr. Ur- u. Frühgesch. Arch. 6 (Rahden/Westf. 2012).