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Sichtfeldanalyse der Hünenburg bei Meschede (Altertumskommission/Klinke).

Die Hünenburg bei Meschede

Die Hünenburg liegt etwa 1500 m nordöstlich des Stadtzentrums Meschede und überblickt die Ruhr. Sie diente der lokalen und überregionalen Machtdemonstration, da sich in Meschede ehemals wichtige Fernwege kreuzten. Auch gab es hier eine Furt, die das Überqueren der Ruhr ermöglichte. Im Laufe der Zeit verlor die Hünenburg allerdings an Bedeutung, sodass die Mauern spätestens 1833 völlig abgetragen waren.

Erste Aufnahmen der obertägig sichtbaren Wallreste fanden 1904 statt, bevor zwischen 1909 und 1914 archäologische Ausgrabungen und systematische Vermessungen der Anlage durch die Altertumskommission für Westfalen durchgeführt wurden. Die Hünenburg wurde darüber hinaus 1920 in den „Atlas vor- und frühgeschichtlicher Befestigungen in Westfalen“ mit aufgenommen.

Heute ist die Burganlage als obertägiges Geländedenkmal ständig den Witterungsbedingungen ausgesetzt. Dies wurde besonders spürbar, als im Jahr 2007 der Orkan „Kyrill“ nahezu den gesamten ehemals dichten Fichtenbestand des Areals vernichtete. Die herausgerissenen Bäume richteten großen Schaden an den noch vorhandenen Mauern und Wällen an, weitere Schäden sind in Zukunft noch zu befürchten.

Blick in das Grabungstagebuch von 1915.

Der Zustand von Tor 1 im Jahr 1920 (Zeichnung: Schmedding 1920).

Grundrissplan der Hünenburg bei Meschede (Westfälisches Amt für Vermessung).

Nähere Informationen zur Burg

Aufbau & Befunde

Die Hünenburg besteht aus einem äußeren Wall, der die Hauptburg umschließt. In den nur noch abgeflacht erhaltenen Wällen sind noch immer die unteren Lagen der ursprünglichen Steinmauern erhalten. Diese bestanden aus zwei mit einer Schüttung aus Steinen und Lehm gefüllten Trocken- beziehungsweise in Mörtel gesetzten Mauern.

Die Mauern der äußeren Burg wurden von drei Toren durchbrochen, die der Hauptburg von einem weiteren. Im Inneren der Hauptburg fand sich unter anderem eine Eisenschmelze.

Alle Bauperioden der Burg können dem Früh- und beginnendem Hochmittelalter zugeordnet werden, das Fundmaterial reicht aber für eine genauere Datierung nicht aus.

 

Grundrissplan der Hünenburg bei Meschede heute (Plan: Westfälisches Amt für Vermessung).

Funde

Bei Begehungen in der Mitte des 20. Jahrhunderts wurden mittelsteinzeitliche Kieselschieferabschläge und ein bronzenes Absatzbeil aus Zeiten vor der Entstehung der Burg gefunden.
Bei Restaurierungsarbeiten 1973 wurde eine Scherbe Pingsdorfer Machart gefunden. Diese Scherbe ist das einzige Fundstück mit gesichertem Kontext. Durch sie kann der Bau der Burg auf das frühe 10. Jahrhundert zurückdatiert werden.

Der sichtbare Wall der Hünenburg bei Meschede im Frühjahr 2011 (Foto: Altertumskommission).

Datierung und Interpretation

Die früheste urkundliche Erwähnung der Hünenburg Meschede findet sich erst in einem Lehnsschreiben von Wilhelm Westphal, Probst des Stifts Meschede, vom 4. Oktober 1481 als „Hunenborgh“. Aufgrund des Namens, der Fundarmut und der Burggröße wird vermutet, dass es sich um eine Fluchtburg aus der Zeit der Ungarneinfälle zu Beginn des 10. Jahrhunderts handelt. Andererseits wird die Hünenburg als Stammsitz der Grafen des Lochtrop-Gaus interpretiert, die um 900 in Meschede als Erben einer kaiserlichen Landschenkung lebten. Ihre auf Handel und Heirat basierende Expansionspolitik machte sie später zu den einflussreichen Grafen von Arnsberg bzw. Werl, die weite Gebiete zwischen Rothaargebirge und der Nordsee sowie zahlreiche wichtige vom Rhein ostwärts führenden Straßen beherrschten. Beide Erklärungsversuche datieren die Hünenburg ins Frühmittelalter, dazu passt ebenfalls der Keramikfund.

Die archäoinformatischen Untersuchungen haben gezeigt, dass die Hünenburg als Machtsymbol im baulichen Kontext des Mescheder Stifts zu verstehen ist.

Sichtfeldanalyse von der Hünenburg zum Stift St. Walburga in Meschede (Grafik: Alterumskommission/Klinke).

Literatur

L. Klinke, Die Hünenburg bei Meschede, Hochsauerlandkreis. Frühe Burgen in Westfalen 1² (Münster 2020).

Weiterführende Literaturauswahl

F. Biermann / J. H. Schmedding, Die Hünenburg bei Meschede. In: Altertumskommission für Westfalen (Hg.), Atlas vor- und frühgeschichtlicher Befestigungen in Westfalen. Heft 3 (Münster 1920) 39-43.

L. Klinke, Vom Sauerland in die Soester Börde. Das (früh-)mittelalterliche Wegenetz um das Stift Meschede, in: J. Ricken (Hg.), Archäologie in Soest und anderswo. Festschrift für Walter Melzer, Soester Beiträge 17 (Soest 2021) 141-150.

P. R. Hömberg, Die Hünenburg bei Meschede, Hochsauerlandkreis. Frühe Burgen in Westfalen 1 (Münster 1983).