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Plan der Dehmer Burg von 1907 (Altertumskommission für Westfalen/Archiv).

Die Dehmer Burg bei Bad Oeynhausen

Die Dehmer Burg liegt 4 km westlich der Porta Westfalica am Südhang des Wiehengebirges oberhalb der Wesertalaue. Sie passt sich dabei der natürlichen Topografie so an, dass die Süd- und Südostseite der Anlage ohne Wallstrukturen auskommt. Das Befestigungswerk weist sich dadurch aus, dass es wohl nie zerstört wurde, was für gleichzeitige Strukturen in Westfalen relativ selten nachgewiesen werden konnte.

Die Dehmer Burg wurde erst vergleichsweise spät 1904 entdeck und schließlich 1907 archäologisch untersucht. Eine Nachuntersuchung fand 1986 statt. Alle archäologischen Maßnahmen bezogen sich auf die Reste der Befestigung, sodass keinerlei Aussagen über den Innenraum der Anlage gemacht werden können.

Nähere Informationen zur Anlage

Aufbau & Befunde

Die Dehmer Burg wird von drei Seiten durch einen Wall umgrenzt. Diesem unmittelbar vorgelagert waren hölzerne Palisaden, deren Verlauf sich noch heute als klarer Bodenbefund abzeichnet. Sie umgaben die Anlage auch im Süden. Im Norden wurde der derartig ausgeführten Befestigung zusätzlich ein weiterer Vorwall vorgelagert. Hinter den Schutzanlagen verliefen, heute noch am deutlichsten im Westen zu erkennen, Materialentnahmegräben.

Der einzig erhaltene Zugang zur Burg lag in der Südwestecke, wo ein Hohlweg aus dem Tal der Weser steil am Hang ansteigt. Die weiteren Lücken im Vor- und Hauptwall sind auf rezente Eingriffe und Überprägungen zurückzuführen.

Plan der Dehmer Burg von 1986 (Plan: WMfA/WAfB, J. Bennemann).

Funde

Feuersteinabschläge und Feuersteingeräte, die in den Wällen gefunden wurden, sprechen für eine jungsteinzeitliche Besiedlung der Gegend vor dem Bau der Dehmer Burg. Diese Funde wurden durch die Erdbewegungen beim Aufschütten der Wälle an ihren Fundort verlagert.

Bei den Grabungen 1907 und 1986 wurden einzelne Topfscherben gefunden. Diese stammen aus der mittleren bis späten Eisenzeit und datieren in den Zeitraum zwischen um 570 v. Chr. bis Christi Geburt.

Schnitt durch den Palisadengraben (R. Plöger, Minden).

Datierung

Die Konstruktionsweise der Dehmer Burg spricht für eine Nutzung der Anlage in der vorrömischen Eisenzeit. Einige vergleichbare, zuverlässig datierte Befestigungen finden sich in der näheren Umgebung. Auch die wenigen Keramikfunde stützen diese Interpretation. Die steile Hanglage lässt vermuten, dass sie lediglich als reine Fluchtburg für die ortsansässige Bevölkerung gedient haben könnte.

Ein Holzkohlefund von 1907, der in den 1980er-Jahren mittels Radiokarbondatierung untersucht wurde, datiert in die Zeit des 4.-5. Jahrhunderts n. Chr., als die Sachsen nach Westfalen einwanderten. Funde aus dem Umfeld der Anlage datieren ebenfalls in diesen Zeitraum, was für eine Nutzung der Dehmer Burg bis in diese Zeit spricht. Allerdings ist der Kontext, aus dem die Holzkohleprobe stammt, nicht mehr genau zu rekonstruieren, sodass er nicht mit Sicherheit in Zusammenhang mit der Nutzung der Anlage stehen muss.

Rekonstruktion der Holz-Erde-Mauer (Zeichnung: U. Samson, Bielefeld).

Literatur

K. Günther, Die Dehmer Burg, Stadt Bad Oeynhausen und Porta Westfalica, Kreis Minden-Lübbecke. Frühe Burgen in Westfalen 9 (Münster 1988).

Weiterführende Literaturauswahl

H. Backs, Die Dehmer Burg. Beitr. z. Heimatkunde d. Städte Löhne u. Bad Oeynhausen 6-7, 1980, 84-90.

K. Günther, Die Dehmer Burg. Eine urgeschichtliche Wallburg am Wiehengebirge. In: G. Bartling (Red.), 900 Jahre Dehme. Beiträge zur Heimatkunde der Städte Löhne und Bad Oeynhausen Sonderheft 5 (Löhne 1988) 11-19.

K. Günther, Neue Ausgrabungen in der Dehmer Burg, Stadt Bad Oeynhausen und Porta Westfalica, Kreis Minden-Lübbecke. AFWL 6 A (Mainz 1990) 1-13.

F. Langewiesche, Die Dehmer Burg bei Rehme an der Weser. Jahresber. Hist. Ver. Grafsch. Ravensberg 22, 1908, 71-75.

G. Mildenberger, Germanische Burgen. VAK 6 (Münster 1978).