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Plan der Hünenborg von 1899 (Altertumskommission für Westfalen/Archiv).

Die Befestigungsanlage Alt-Schieder bei Schieder-Schwalenberg

Die Reste der Befestigungsanlage liegen östlich von Schieder am Westhang des Kahlenberges, auf einer Geländeterrasse etwa 74 m über der ehemals feuchten Talaue der Emmer. Diese ist heute durch den Emmerstausee überschwemmt.

Die zweiteilige Anlage besteht aus einer Vor- und einer Hauptburg. Die noch erhaltenen Wälle sind zwar durch moderne Eingriffe, wie beispielsweise den Bau eines Kriegerdenkmals oder moderne Wirtschaftswege, teilweise gestört, aber generell gut erhalten.

Eine erste Vermessung der Wälle wurde in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts vorgenommen, bevor im Jahre 1899 erste archäologische Ausgrabungen durchgeführt wurden. Die Ergebnisse dieser Grabungen führten dazu, dass eine Neudatierung vieler als römisch geltender Anlagen in die Karolingerzeit vorgenommen wurde, obschon die Interpretation der damaligen Ausgräber durch erneute Grabungen im Jahre 1938 teilweise widerlegt wurden.

Trippenbeschlag und markierte Position auf einer vollkommen erhaltenen Trippe (G. Helmich/WMfA).

Torgasse des südwestlichen Tors (R. Pieper/Lippisches Landesmuseum Detmold).

Grundriss der Kirche (nach v. Oppermann u. Schuchhardt).

Nähere Informationen zur Anlage

Aufbau & Befunde

Insgesamt weist die Anlage eine Größe von 5,9 ha auf. Davon entfallen 1,7 ha auf die mit Hochwald bewachsene Vorburg, die der 4,2 ha großen Hauptburg, die sich heute als Freifläche präsentiert, westlich vorgelagert ist.

Die Vorburg wird durch einen Wall mit vorgelagertem Spitzgraben gebildet. Ein Zugang könnte im Bereich des Anschlusses des Walles an die Hauptburg im Nordwesten gelegen haben, da dort einige Hohlwege auf den Wall zulaufen. Über eine mögliche Innenbebauung ist nichts bekannt, da aufgrund des Waldbestandes hier keine Ausgrabungen durchgeführt wurden. Allerdings konnte archäologisch nachgewiesen werden, dass es sich bei der Vorburg ehemals um eine eigenständige Anlage gehandelt hatte, bevor ihr Wall im Südosten zugunsten der Hauptburg abgetragen wurde.

Die Hauptburg war ehemals durch eine bis zu 1,70 m breite Mauer aus in Kalkmörtel verlegten Bruchsteinen mit vorgelagerter Berme und Spitzgraben umgeben. Von der Mauer ist aufgrund von Steinraub bis in das 20. Jahrhundert hinein heute nichts mehr erhalten. Im Südwesten konnte ein Zangentor mit Torhaus nachgewiesen werden, ein weiteres Tor verbindet Vor- und Hauptburg im Westen des Hauptwerkes.

Im Inneren der Hauptburg konnte eine Saalkirche nachgewiesen werden, die mit Chor und Kirchturm ausgestattet war und in einem späteren Bauabschnitt durch ein Seitenschiff und ein Gewölbe ergänzt wurde. In ihrem Umfeld fanden sich insgesamt 14 Bestattungen. Neben der Kirche sind zwei weitere mehrphasige Gebäude nachgewiesen.

Plan der Befestigung von Alt-Schieder (Lippisches Landesmuseum Detmold).

Funde & Datierung

Die Keramikfunde aus Alt-Schieder sind überwiegend als Kugeltopfware anzusprechen. Daneben wurden auch zahlreiche Metallfunde, wie zum Beispiel Werkzeuge, aber auch Teile von Reitzubehör oder Möbeln nachgewiesen. Ebenso kommen Trachtbestandteile vor. Dazu zählen unter anderem ein Eisenbeschlag eines Überschuhs, einer sogenannten Trippe, sowie Fibel- und Schnallenfragmente. Ebenso zeugen Schlackenfunde von lokaler Metall- und Glasverarbeitung. Als bemerkenswertester Fund ist ein gut erhaltener Dreilagenkamm aus Bein zu nennen.

Diese Funde datieren die Belegungszeit der Anlage in das 11. bis zur Mitte des 13. Jahrhunderts und weisen Alt-Schieder nicht nur als Befestigungswerk, sondern auch als Wirtschaftshof aus. Da die Anlage allerdings bereits im 9. Jahrhundert schriftlich erwähnt wird, begann die Besiedlung wohl schon früher, eventuell in der später als Vorburg genutzten Umwallung. Das Ende der Besiedlung erfolgte nach Schriftquellen dann im 13. Jahrhundert, was sich mit den archäologischen Ergebnissen deckt. Die nachgewiesene Kirche bestand aber wohl noch weiter. Diese wurde nach ihrer Struktur eventuell bereits am Ende des 10. Jahrhunderts erbaut und im weiteren Verlauf mehrmals an die Bedürfnisse der Bewohnenden von Alt-Schieder angepasst, bis sie 1438 aufgegeben wurde.

Buntmetallfunde aus Alt-Schieder (J. Ihle/Lippisches Landesmuseum Detmold).

Literatur

K. Niederhöfer, Die mittelalterliche Befestigungsanlage Alt-Schieder bei Schieder-Schwalenberg, Kreis Lippe. Frühe Burgen in Westfalen 22 (Münster 2004).

Weiterführende Literaturauswahl

W. Gerking, Die Wüstungen des Kreises Lippe. Eine historisch-archäologische und geographische Studie zum mittelalterlichen Wüstungsgeschehen in Lippe. VAK 10 (Münster 1995).

K. Niederhöfer, Neue Untersuchungen zur mittelalterlichen Befestigungsanlage Alt-Schieder, Kreis Lippe. AiOW 6, 2001 (2002), 48-54.

K. Niederhöfer, Alt-Schieder. Eine mittelalterliche Befestigung im Emmertal, Lippische Mitteilungen 71, 2002, 93-147.

H.-P. Wehlt, Der Raum Schieder in den mittelalterlichen Schriftquellen. Archivpflege in Westf.-Lippe 19, April 1983, 27-32.