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Plan der Befestigung auf den Schafsköppen von 1938 mit nachträglichen Ergänzungen (Planarchiv der Altertumskommission für Westfalen).

Die Befestigung auf den Schafsköppen bei Rüthen-Kallenhardt

Die Befestigungsanlage liegt auf einem als „Schafsköppen“ bezeichneten Bergsporn etwa 1 km östlich des Rüthener Stadtteils Kallenhardt im Altenrüthener Gemeindewald. Dieser wird im Nordosten durch das Tal der Biber, im Südwesten durch das der Glenne begrenzt. Gegenüber dem restlichen Bergrücken war der Sporn im Osten durch mehrere Befestigungslinien abgeriegelt.

Die Anlage gelangte verhältnismäßig spät in das Blickfeld der archäologischen Forschung, da sie erst 1933 durch den Rüthener Volksschullehrer Eberhard Henneböle entdeckt wurde. Eine erste Vermessung der Wallstrukturen erfolgte schließlich wenig später im Auftrag der Altertumskommission für Westfalen, begleitet von ersten Ausgrabungen. Diese wurden 1951 nochmals erweitert. Eine neue Vermessung erfolgte dann 2006. Nachuntersuchungen aufgrund schwerer Windschäden durch den Orkan Kyrill erbrachten keine neuen Erkenntnisse.

Heute sind die Wälle und Gräben nur noch schwach in der Landschaft zu erkennen.

Nähere Informationen zur Anlage

Aufbau & Befunde

Der Bergsporn wird von einer inneren Befestigungslinie im Osten abgeriegelt, die eine Fläche von etwa 1,8 ha abschirmt. Ihr nicht parallel vorgelagert ist ein weiterer Wall mit Graben, der aus zwei Teilstücken besteht und 2 ha Innenfläche umfasst. Beide Befestigungslinien sind heute durch eine feuchte Senke im nördlichen Teil unterbrochen, verliefen aber ursprünglich ohne Fehlstelle weiter. Im Norden der Anlage befindet sich zwischen beiden Wehrlinien ein weiterer, kurzer Wall ohne Graben. Zusätzliche Befestigungselemente, die allerdings nur noch im digitalen Geländemodell zu erkennen sind, befanden sich an den Berghängen.

Die innere Befestigung bestand nach den Grabungsergebnissen aus einem Flachen Wall, dem eine Palisade vorgelagert war. Brandspuren zeigen zum einen, dass diese mittels waagerechten Hölzern im Wall verankert war, zum anderen, dass die gesamte Anlage durch ein massives Brandereignis zerstört wurde. Die vorgelagerte Wehrlinie bestand aus einem Wall mit vorgelagertem Sohlgraben. Pfostenlöcher weisen darauf hin, dass es sich um eine Holz-Erde-Mauer mit vorgelagertem Graben gehandelt haben muss. Hier ließen sich keinerlei Brandspuren nachweisen. Wahrscheinlich hat diese Befestigung zwei verschiedene Bauphasen. Die Zugangssituation konnte archäologisch nicht geklärt werden.

Im Innenraum der Wallanlage konnten zudem mehrere Siedlungsgruben aufgedeckt werden.

Plan der Befestigung auf den Schafsköppen von 2006 (Vermessungs- und Zeichenbüro Thede in Spenge).

Funde & Datierung

Die Funde der Ausgrabungen, bei denen es sich primär um Keramik handelt, sind überaus spärlich. Die Machart der Scherben weist sie allerdings als eisenzeitlich aus. Zudem lassen sich zwei verschiedene Aufbereitungsarten des Tons bei den Fragmenten nachweisen. Da die Scherben warenartgetrennt in unterschiedlichen Gruben aufgefunden wurden, könnte dies für eine zeitliche Unterscheidung sprechen. So könnten einige Gruben aus der mittleren, andere aus der späten Eisenzeit datieren.

Für eine eindeutige Datierung der Anlagen wurde 2014 ein alter Wallschnitt erneut geöffnet, um Holzkohleproben für eine Radiokarbondatierung zu gewinnen. Die Proben wurden von der Basis des inneren Walles und aus dessen Brandschicht entnommen. Sie zeigen, dass zwischen dem 8. und 5. Jahrhundert v. Chr. bereits menschliche Aktivität auf dem Bergsporn stattgefunden hat, bevor die innere Palisade errichtet wurde, die in das 3. Jahrhundert v. Chr. datiert werden konnte. Sie gehört also dem sogenannten „Burgenhorizont“ an, in dem ein regelrechter Befestigungsboom stattgefunden hat. Die Holz-Erde-Konstruktion des äußeren Walles, der stratigrafisch älter ist, als die Palisade, könnte dann aus dem 8. bis 5. Jahrhundert v. Chr. datieren, obschon kein direkter Zusammenhang zwischen ihr und den Proben herzustellen ist. Überregionale Vergleiche stützen allerdings diese Interpretation.

Randscherben, vermutlich von den Schafsköppen (Altertumskommission/Maertens).

Funktion der Anlage

Aufgrund der relativ kleinen Fläche, die von der Befestigung abgeschirmt wird, ist eine Deutung der Anlage als Fliehburg eher unwahrscheinlich. Vielmehr sprechen die aufgefundenen Siedlungsgruben für eine reguläre Besiedlung des Areals. Eventuell handelte es sich um ein umwehrtes Einzelgehöft, wie es andernorts ebenfalls nachgewiesen werden konnte. Im Kontext der Siedlungstätigkeit ist zudem die nahegelegene Höhle „Hohler Stein“ zu betrachten, die ebenfalls Funde des 3. Jahrhunderts v. Chr. erbrachte und als Kultplatz gedeutet werden kann. Das großflächige Niederbrennen und die ausgesprochene Armut an Eisenfunden sprechen für eine geplante Aufgabe der Siedlung.

Für die Errichtung der vermeintlichen befestigten Siedlung an dieser Stelle spricht ein alter, eventuell schon in der Bronzezeit begangener Fernweg, der den Hellwegraum mit der Briloner Hochfläche verband. Dieser läuft nahe an der Befestigungsanlage vorbei und könnte somit durch die Bewohnenden kontrolliert worden sein. Auch eine Funktion als gesicherte Wegestation ist denkbar.

Altwegetrassen im Umfeld der Schafsköppen (Grundlage: Kartenaufnahme von Le Coq und Brauckmann 2008, 7 Bearbeitung: Altertumskommission/Reepen).

Literatur

B. Sicherl, Die Befestigung auf den Schafsköppen bei Rüthen-Kallenhardt, Kreis Soest. Frühe Burgen in Westfalen 39 (Münster 2016).

Weiterführende Literaturauswahl

W. Bleicher, Die Bedeutung der eisenzeitlichen Höhlenfunde des Hönetals. Altenaer Beiträge. Arbeiten zur Geschichte und Landeskunde der ehemaligen Grafschaft Mark und des Märkischen Kreises 19 (Altena 1991).

H. Braukmann, Der Hanseweg von Soest nach Brilon, auch Soestweg genannt (Brilon 2008).

E. Henneböle, Die Wallburggrabung auf den Schafsköppen östliche Kallenhardt, Kreis Lippstadt. Westfälische Forschungen 2, 1939, 285.

P. R. Hömberg, Rüthen-Kallenhardt: Der Abschnittswall Schafsköppen auf dem Öhningsberg. In: V. Brieske (Bearb.), Der Kreis Soest. Führer zu archäologischen Denkmälern in Deutschland 39 (Stuttgart 2001) 225.