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Links neben dem Grab Beckum II (mittig) ist eine Skizze des Grabes Lippborg-Wintergalen mit Lageplan zu sehen (F. A. Borggreve 1875).

Das Großsteingrab von Lippborg-Wintergalen

Das Megalithgrab Lippetal-Lippborg (oder Lippborg-Wintergalen) bildet mit den Gräbern Beckum-Dalmer I und II die Beckumer Gruppe der Wartbergkultur. Das Grab war am Südrand der Beckumer Berge im Kernmünsterland gelegen, ca. 2,5 Kilometer südwestlich der beiden Gräber von Beckum. Der Grabplatz befindet sich in einer Grundmoräne, rund 300 m entfernt fließt der Göttfricker Bach. Die Beckumer Gruppe grenzte unmittelbar an das Gebiet der Trichterbecherkultur an und stellt die nördlichste Verbreitung der hessisch-westfälischen Megalithik dar. Das Grab Lippborg war bereits vor 1800 bekannt. Ausgrabungen an der Anlage wurden erstmals 1836 veröffentlicht. 1860-1863 wurde das Grab zur Hälfte aufgedeckt, dabei wurden zwölf Wandsteine dokumentiert. In den 1870er-Jahren folgten weitere Untersuchungen durch F. A. Borggreve. Schon seit dem späten 18. Jahrhundert wurden zu dieser Zeit wurden die Deck- und Wandsteine allmählich entfernt und in Hamm als Baumaterial zum Pflastern der Straßen und als Prellstelle im Bahnhof verwendet zu werden. Bis Anfang des 20. Jahrhunderts war das Grab Lippborg völlig zerstört. Die genaue Lage des Grabes ist unbekannt.

Nähere Informationen zum Großsteingrab

Technische Daten

Die genauen Maße der Anlage sind nicht mehr bekannt. Zeichnungen aus Borggreves Unterlagen zeigen aber, dass die Größe etwa der von Beckum II entspricht. Demnach war das Grab 28,2 m lang und 3 m breit, bei einer lichten Höhe von 1,5 m und einer lichten Weite von 1,5 m und war NNW-SSO-orientiert. Dem Bericht ist außerdem zu entnehmen, dass die Schmalseiten des Grabes mit Steinen verschlossen waren. Der Eingang ist daher an einer der Längsseiten zu vermuten, das entspräche einem Grab des Types Rimbeck. Wie die Gräber in Beckum war auch die Anlage in Lippborg aus nordischen Geschiebefindlingen errichtet, deren Zwischenräume mit einem Trockenmauerwerk aus kleineren Kalksteinplatten verfüllt waren.

Skizze von F. A. Borggreve 1875, Grab- und Lageplan von Lippetal-Lippborg bei Hof "Wintergalen" (Westfälischen Zeitschrift Band 33, 1875) 89-112.

Funde

Die im 19. Jahrhundert geborgenen menschlichen Skelettreste wurden im Zweiten Weltkrieg zerstört. Nicht mehr auffindbar sind außerdem ein Mahlstein und ein kleines Keramikfragment. Zu den erhaltenen Funden gehören mehrere steinerne Klingengeräte aus teilweise importiertem Material, darunter ein Beil aus Maasfeuerstein, sowie einige Tierzahnanhänger.

Klingengeräte, Feuersteinbeil und Tierzahnanhänger aus Lippborg, M. 2:3 (Schierhold 2012, Taf. 17A).

Sonstiges

Das Großsteingrab Lippborg war auf einer Geländezunge errichtet, die westlich und östlich des Grabes abfiel, sodass man von dort aus einen guten Überblick über das Umland hatte. Dieser Überblick scheint eine Rolle beim Erbau aller Gräber der Beckumer Gruppe gespielt zu haben, die Gräber Beckum-Dalmer I und II liegen ebenfalls auf erhöhtem Gelände.
Im Grabbau und bei den Beigaben zeigt die Beckumer Gruppe Merkmale sowohl der Trichterbecherals auch der Wartbergkultur. Zum Bau der Gräber wurden nordische  Geschiebefindlinge verwendet, wie es bei den Großsteingräbern der Trichterbecherkultur üblich war. Diese waren jedoch in den Boden eingesenkt, sodass Konstruktion des Grabes mehr dem der Wartbergkultur entspricht.

Erste Seite des Berichts von Borggreve 1875 in der Westfälischen Zeitschrift, Bd. 33, 89-112.

Literaturverzeichnis

Eine Auswahl weiterführender Literatur:

F. A. Borggreve, Die drei Gräber bei Westerschulte und Wintergalen in der Gegend von Beckum. Zeitschrift für Vaterländische Geschichte und Altertumskunde 33, 1875, 89-112.

H. A. Erhard, Nachricht von den bei Beckum entdeckten alten Gräbern (Münster 1836).

A.-H. Heidinger. Stichwort "Lippetal-Lippborg". Ausgr. u. Funde Westfalen-Lippe, 1984, 212.

K. Schierhold, Studien zur hessisch-westfälischen Megalithik. Forschungsstand und -perspektiven im europäischen Kontext. Münstersche Beitr. Ur- u. Frühgesch. Arch. 6 (Rahden/Westf. 2012).