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Das Megalithgrab von Borchen-Etteln (Foto: Altertumskommission/L. Kopner).

Das Megalithgrab von Borchen-Etteln

Das Megalithgrab von Etteln in der Gemeinde Borchen (Kr. Paderborn) liegt am Nordhang des Lechtenbergs. Die umliegenden Flächen werden landwirtschaftlich genutzt, um das Grab wurde jedoch eine Grünfläche angelegt, sodass es bis heute gut  erhalten ist. Die Fläche wird in ca. 800 m Entfernung von NNW nach SO von der Altenau umflossen. Die Anlage war bereits vor 1862 bekannt, das genaue Entdeckungsjahr ist jedoch nicht überliefert. Im Jahr 1865 wurden „durch einen Paderborner  Herrn“ Grabungen durchgeführt, ein weiterer Bodeneingriff folgte 1871. 1969 wurde ein Querschnitt ergraben. Die letzten Untersuchungen fanden 1976 statt, neben denkmalpflegerischen Gründen ging es damals um die Erfassung der Eingangssituation und der Größe der Anlage.

Nähere Informationen zum Galeriegrab

Technische Daten

Das Grab misst außen 22 m in der Länge und 2,6 m in der Breite, im Eingangsbereich konnte eine Höhe von 1,2 m rekonstruiert werden, in der Kammermitte betrug sie wohl einmal 1,8 m. Die lichte Länge beträgt 21,5 m, die lichte Weite 2m und die rekonstruierte lichte Höhe 0.9 m (Eingang) bzw. 1,5 m (Mitte). Die Bauweise entspricht dem Typ Züschen, also mit einem Eingang an einer der Schmalseiten. Eine Besonderheit besteht darin, dass noch drei Steine der äußeren Umfassung erhalten sind. Das Grab ist ca. NW-SO orientiert, der Zugang liegt an der südöstlichen Schmalseite. Der Eingang besteht aus einem zweiteiligen Türlochstein und hat keinen Vorraum. Das Grab ist zur Altenau hin ausgerichtet. Als Baumaterial wurden Kalksteinplatten verwendet, die lokal anstehen. Die Platten wurden direkt vor Ort aufgerichtet, sodass die Entnahmestelle zur Kammer wurde und keine Transportwege anfielen. Eine 14C-Datierung ergab ein Alter von 2333 ± 135 calBC.

Grundriss des Galeriegrabes von Borchen-Etteln (Schierhold 2012, Taf. 2).

Die Funde

Die aus dem Grab Etteln geborgenen Knochenfunde sind heute alle verschollen. Dazu gehörten neben menschlichen Skelettresten (Unterlagen von 1899 sprechen von „einer Kiste voll“) einige durchlochte Tierzähne von Hirsch und Wolf sowie der Unterkiefer eines Schweins. Bei der Grabung 1969 wurden wenige Knochenreste vor der Kammer gefunden, diese sind ebenfalls verschollen. Zum geborgenen Inventar gehören außerdem zwei kleine Wandscherben, von denen eine mit Tiefstichverzierungen versehen ist. Die Fragmente sind zu klein, um weitere Aussagen treffen zu können.

Die beiden Keramikfunde aus Etteln (Schierhold 2012, Taf. 10; nach Ortsakten Bielefeld).

Noch unbekannte Gräber?

Unter den insgesamt elf Gräbern der Paderborner Gruppe der Wartbergkultur treten acht Stück paarweise auf, darunter die ebenfalls in Borchen gelegenen Gräber Kirchborchen I und II. Dies lässt die Überlegung zu, ob die übrigen Gräber wie Etteln ursprünglich auch ein Pendant hatten. Da Galeriegräber aufgrund ihrer Einsenkung in den Boden heute nicht mehr zwangsweise obertägig sichtbar  sind und in der Vergangenheit häufig dem Pflug zum Opfer fielen, kann davon ausgegangen werden, dass uns nicht alle im Kreis Paderborn errichteten Gräber bekannt sind.

Das Galeriegrab Borchen-Etteln im Herbst 2020 (Foto: Altertumskommission/L. Kopner).

Literaturverzeichnis

Eine Auswahl weiterführender Literatur:

K. Günther, Zu den neolithischen Steinkistengräbern von Kirchborchen I und Etteln, Kr. Paderborn. In: Germania 56 I (Mainz 1978) 230-233.

K. Schierhold, Studien zur hessisch-westfälischen Megalithik. Forschungsstand und -perspektiven im europäischen Kontext. Münstersche Beiträge zur Ur- und Frühgeschichtlichen Archäologie 6 (Rahden/Westf. 2012).