check-circle Created with Sketch.

Erste Vermessung der Hünenburg (Altertumskommission für Westfalen/Archiv).

Die Hünenburg bei Stadtlohn

Die zweiteilige Befestigungsanlage aus einem inneren und einem umgebenden äußeren Wall liegt etwa 3 km nordwestlich von Stadtlohn auf einer Geländenase, die von der Berkel und einem weiteren kleineren Bach eingerahmt wird. An der Ringwallanlage läuft der ehemalige Hellweg und der sogenannte Sandforde vorbei, die beide als wichtige Handelsrouten angesprochen werden müssen.

Aufgrund der Lage in der Flussniederung ist das Gelände rund um die Hünenburg teilweise versumpft. Heute befindet sich auch der Innenbereich des äußeren Walles in diesem Zustand, was zur Benutzungszeit der Anlage sicherlich nicht der Fall war.

Erstmalig beschrieben wird die Befestigung im Jahre 1823. In der Folge kam es schließlich zu mehreren kleineren Untersuchungen durch Privatpersonen, deren Ergebnisse allerdings nur teilweise als relevant eingeschätzt werden können. Eine erste Kartierung der Anlage erfolgte bereits 1876, bevor sie im Kontext der Vorbereitungen zum zweiten Band des „Atlas vor- und frühgeschichtlicher Befestigungen in Westfalen“ 1929 erneut vermessen wurde. Im Zuge von Untersuchungen an der Vredener Kirche geriet die Hünenburg erneut in das Visier der Forschung, sodass 1950 auf Bestreben der Altertumskommission für Westfalen im Bereich der inneren Umwallung archäologische Ausgrabungen durchgeführt wurden, deren Funde allerdings verschollen sind.

Nähere Informationen zur Anlage

Aufbau & Befunde

Das innere, rechteckige Kernwerk der Hünenburg umfasst etwa 1,7 ha. Dessen Innenraum, der von einem bis zu sechs Meter hohen Wall mit heute verflachtem Außengraben umgeben ist, ist im Vergleich zum Zwischenraum zwischen Innen- und Außengraben deutlich erhöht. Anhand der Ausgrabungen wird ersichtlich, dass der innere Wall durch eine mit Plaggen verstärkte Holz-Erde-Konstruktion gebildet wird.

Der äußere, maximal zwei Meter hohe Wall, der den inneren völlig umschließt, friedet eine Fläche von insgesamt 8,5 ha ein und war ebenfalls außen von einem Graben begleitet. An der Nordostecke dieser annähernd rechteckigen Befestigungsanlage ist ein etwa 150 m langes Wallstück angeschlossen, welches den Bereich zwischen Ringwall und nördlich vorbeifließender Berkel sperrt. Vor allem der Außenwall ist inzwischen durch anthropogene Einflüsse in Teilen stark gestört.

Der Zugang zum Kernwerk liegt im Südwesten. Dabei handelt es sich um ein Zangentor, welches durch einen hölzernen Torbau mit zwei Durchfahrten gesichert wurde. Innerhalb dieser Durchfahrten konnten bei den Ausgrabungen Fahrspuren beobachtet werden. In einer späteren Phase wurde die Durchfahrt mit Steinen gepflastert.

Plan der Anlage von 1929 (Altertumskommission für Westfalen/Archiv).

Funde & Datierung

Aus dem Bereich der Anlage sind einige vorgeschichtliche Funde bekannt, unter anderem sollen hier einige Urnen der Bronzezeit gefunden worden sein.

Die verschollenen Grabungsfunde wurden leider nur teilweise durch die Ausgräber vorgelegt, sodass sich hieraus nur wenige Schlüsse ziehen lassen. Neben einigen Tierknochen handelt es sich nach den Beschreibungen und Zeichnungen allerdings um einheimische, handgemachte Keramik. Daneben konnten auch einige Metallobjekte nachgewiesen werden. Bei einer erneuten Begehung des Kernwerkes kamen schließlich weitere Scherben zu Tage.

Die Keramik der Grabungen lässt sich in das 8. Jahrhundert n. Chr. datieren. Die wenigen Wandscherben der Begehung lassen sich grob in das 9. bis 10. Jahrhundert einordnen. Anderweitige Hinweise auf die Zeitstellung der Wallstrukturen können nur durch die Bauweise und überregionale Vergleiche gewonnen werden. Als sicher gilt allerdings, dass die beiden Befestigungsanlagen nicht gleichzeitig entstanden. So kann angenommen werden, dass die größere äußere Befestigung mit der Schicht gleichzusetzen ist, aus der die ältere Keramik stammt. Wie in anderen Anlagen in Westfalen zu beobachten ist, wurden in spätkarolingischer oder ottonischer Zeit in ältere Anlagen kleinere Kernwerke eingebaut. Zusammen mit den Keramikfunden aus dieser Zeit, die im Kernwerk der Hünenburg gefunden wurden, kann dieses also eventuell in diese Zeit datiert werden.

Funde im Bereich der Ausgrabung im inneren Torbereich (Ch. Ruhmann 2004, Abb. 11).

Literatur

Ch. Ruhmann, Die Hünenburch bei Stadtlohn, Kreis Borken. Frühe Burgen in Westfalen 23 (Münster 2004).

Weiterführende Literaturauswahl

Ph. R. Hömberg, Die Burgen des frühen Mittelalters in Westfalen. In: B. Sicherl (Hg.), Hinter Schloss und Riegel. Burgen und Befestigungen in Westfalen (Münster 1997) 120-159.

A. Kersting, Bericht über die Grabung in der Toranlage der Hünenburg bei Stadtlohn vom 9.10. – 11.11.50 (Rheine 1950). (unveröff.)

K. L. Voss, Die Vor- und Frühgeschichte des Kreises Ahaus. BAW 10 (Münster 1967).