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Plan des Wilzenbergs von 1904 (Altertumskommission für Westfalen/Archiv).

Der Wilzenberg bei Schmallenberg-Grafschaft

Der Wilzenberg überragt die umliegenden Höhenzüge und ist somit als Landmarke weithin sichtbar. Auf dem Bergkegel, 500 m nördlich vom Ortskern Schmallenberg-Grafschaft, befindet sich eine mehrphasige Wallanlage der Eisenzeit und des Mittelalters. Im befestigten Bereich liegt der sogenannte „Bruders Teich“, der ganzjährig Wasser führt und für die einstige Besiedlung des Areals sicherlich eine wichtige Rolle gespielt hat.

Die an den Berg angrenzende Beckenlandschaft bietet gute Voraussetzungen für Ackerbau und somit auch für mögliche eisenzeitliche Siedlungskammern, die im Bezug zur Wallburg auf dem Wilzenberg zu sehen wären. Spätestens im Mittelalter wurde diese Siedlungskammer durch Fernstraßen überregional angebunden.

Eine erste grobe Kartierung der Anlagen wurde bereits 1886 vorgenommen, bevor am Beginn des 20. Jahrhunderts genauere Vermessungen angestellt wurden, die im Zusammenhang mit dem geplanten zweiten Atlas der vor- und frühgeschichtlichen Befestigungen Westfalens stehen. Erste archäologische Untersuchungen fanden damals ebenfalls statt. Die bislang umfangreichsten Grabungen am Wilzenberg wurden in den frühen 2000er-Jahren durchgeführt, nachdem durch Forstarbeiten erhebliche Beschädigungen an den Wällen entstanden waren.

Blick auf den Wilzenberg von Südwesten (LWL-Archäologie für Westfalen/H. Menne).

Grabungen am Vorwall im Jahre 1925 (Altertumskommission für Westfalen/A. Stieren).

Blick von Nordosten auf den Teich (Foto: E. Schubert).

Nähere Informationen zur Anlage

Grundriss & Aufbau

Die Anlage auf den Wilzenberg umfasst die gesamte Bergkuppe. Sie gliedert sich in einen mittelalterlichen Ringwall mit drei Durchlässen und zwei eisenzeitliche Ringwälle mit vier Durchlässen sowie einen Annex, der den „Bruders Teich“ einfasst. Neuzeitliche Steinbrüche haben an zwei Stellen im Süden Teile der Wälle zerstört.

Die bisherigen archäologischen Untersuchungen konzentrieren sich auf den eisenzeitlichen Ringwall. Dieser Wall war als Pfostenschlitzmauer angelegt, vor dem ein Graben samt Berme ausgehoben wurde. Sehr wahrscheinlich sind die heute noch erkennbaren Walldurchlässe mit Toranlagen in Verbindung zu bringen.

Der mittelalterliche Ringwall überlagert die älteren Strukturen in Teilen und ist gut erhalten. Geophysikalische Untersuchung im Innern des mittelalterlichen Walles ergaben keine Indizien auf weitere Baubefunde.

Gesamtplan der Anlage (Grafik: LWL-Archäologie für Westfalen/M. Zeiler u. Altertumskommission/B. Reepen; Grundlage DGM1 NRW u. P. R. Hömberg 1986).

Funde & Datierung

Als bemerkenswertester Fund ist ein Waffendepot anzusprechen, welches 1950 bei Bauarbeiten geborgen wurde. Die Waffen wurden bei der Deponierung bewusst unbrauchbar gemacht und werden als Opfergabe gedeutet. Sie werden in das späte 1. Jahrhundert v. Chr. datiert und sind seit 2003 im LWL-Museum für Archäologie in Herne ausgestellt.

Keramikfunde sind auf den Wilzenberg selten und erlauben oftmals keine zeitliche Einordnung. Bemerkenswert ist eine polierte, schwarze Scherbe, die auf einer langsam rotierenden Drehscheibe gefertigt wurde und auf den Übergang von der Späthallstatt- zur Frühlatènezeit datiert werden kann. Daher ist für die Entstehung der Burg Wilzenberg bereits das Ende der frühen Eisenzeit zu diskutieren. Aus dem mittelalterlichen Ringwall stammen Keramikreste, die diesen in das 9. Jahrhundert n. Chr. datieren lassen.

Waffendepot vom Wilzenberg (LWL-Archäologie für Westfalen/H. Menne).

Der Wilzenberg im Volksmund

Der Wilzenberg wird auch als „der Heilige Berg des Sauerlandes“ bezeichnet. Bereits vor 1500 stand auf dem Berg eine kleine Kapelle und 1626 wurde dort erstmals ein Hochkreuz aufgestellt. Auch heute ist der Wilzenberg noch immer eine bedeutende Wallfahrtsstätte.

Eine mittelalterliche Sage erzählt von der auch aus historischen Quellen bekannte Edelfrau Chuniza, die einst auf dem Wilzenberg gewohnt haben soll, wo sie im Wahn ihre sieben Gatten nacheinander umbrachte. Zur Sühne ihrer Taten vermachte sie alle ihre Güter der Abtei Grafschaft. Diese Schenkung kann durch einen Eintrag im Totenbuch der Abtei sogar historisch nachvollzogen werden, obschon dort ein Graf „Haoldus comes de Wiltzenberg“ als Veranlasser genannt wird. Später sollen die ersten Schirmherren der Abtei auf der Burg gesessen haben, bis diese zerfiel.

Blick vom Aussichtsturm auf dem Wilzenberg nach Westen (LWL-Archäologie für Westfalen/M. Zeiler).

Literatur

M. Zeiler / E. Cichy, Der Wilzenberg bei Schmallenberg-Grafschaft, Hochsauerlandkreis. Frühe Burgen in Westfalen 6² (Münster 2016).

Weiterführende Literaturauswahl

H. Gollan, Schmallenberg und Wilzenberg. Woher kommen diese Namen? Versuch einer Deutung, Sauerland 40,4, 2007, 185-187.

P. R. Hömberg, Der Wilzenberg bei Kloster Grafschaft, Stadt Schmallenberg, Hochsauerlandkreis. Frühe Burgen in Westfalen 6 (Münster 1986).

H. Vollmer, Wallburgen und Wallfahrten. Der Wilzenberg – Heiliger Berg des Sauerlandes, Jahrbuch Westfalen 71, 2017 (2016), 128-133.

H. Vollmer, Die neuen Waffenfunde auf dem Wilzenberg. Handrik 38, 2021, 37-43.

M. Zeiler, „Getötete Waffen“ auf dem Heiligen Berg des Sauerlandes. AiWL 2019, 2020, 72-76.