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Plan der Hünenburg bei Gellinghausen von 1898, M. 1:2500 (Altertumskommission/Archiv).

Die Hünenburg bei Gellinghausen

Die noch gut erhaltene, sogenannte „Hünenburg“ liegt unmittelbar westlich von Gellinghausen in der Gemeinde Borchen. Sie befindet sich auf einem Sporn am Ostrand der Paderborner Hochfläche, zwischen 180 und 210 m ü. NN. Die Erhebung endet im Nordosten in einem Steilhang zur Altenau, während der Burgberg nach Süden etwas gemäßigter ins Tal abfällt. Der Zugang erfolgt heute, ähnlich wie zur Erbauungszeit der Anlage, von Osten.

Die mehrphasige und mehrgliedrige Hünenburg teilt sich in eine östliche Haupt- und eine ihr westlich vorgelagerte Vorburg, die teilweise bereits aus dem Frühmittelalter stammen. Innerhalb der Hauptburg kann zusätzlich eine eisenzeitliche Befestigung nachgewiesen werden. Im Umfeld dieser Befestigungen befinden sich weitere, teilweise nicht zu datierende Wallstrukturen.

Die Erforschung der Anlage beginnt in den 1860er-Jahren durch den archäologisch interessierten Hauptmann Ludwig Hölzermann, der vor Ort erste Vermessungen und auch Grabungen durchführte. Durch diese Untersuchungen angeregt stellte auch die Altertumskommission für Westfalen Ende des 19. Jahrhunderts Untersuchungen in der Hünenburg an, die zu ihrer Aufnahme in den Atlas vor- und frühgeschichtlicher Befestigungen in Westfalen führten. Erst ab den 1970er-Jahren fanden dann wieder Begehungen innerhalb der Anlage statt, deren Ergebnisse wissenschaftliche Grabungen zwischen 1996 und 2004 sowie Metallsondenprospektionen initiierten. Das letzte Aufmaß der Wälle fand 2011 statt.

Eisenzeitliche Funde aus der Hünenburg bei Gellinghausen, M. 1:2 (Stiehl 2011, Abb. 8).

Luftbild der Hünenburg bei Gellinghausen von Süden von 1986 (LWL-Archäologie für Westfalen/Kühlborn).

Rekonstruktion des Angriffs auf dei Hünenburg bei Gellinghausen (LWL-Archäologie für Westfalen/Zeiler).

Mittelalterliche Zierscheibe von der Hünenburg bei Gellinghausen (LWL-Archäologie für Westfalen/Müsch).

Nähere Informationen zur Anlage

Die eisenzeitliche Befestigung

Von der eisenzeitlichen Befestigung sind heute nur noch geringe Reste in Form einer kleinen Erhebung erhalten. Durch die archäologischen Ausgrabungen konnte allerdings nachgewiesen werden, dass es sich bei dem etwa 85 m langen, Nord-Süd verlaufenden Abschnittswall ehemals um eine 2,5 m breite, in Kastenbauweise errichtete Holz-Erde-Mauer mit Kalksteinvorblendung handelte. Der den östlichen Bergsporn abriegelnden Mauer war ein bis zu 7 m breiter Graben vorgelagert. Den Zugang zum dahinterliegenden, nach den Funden zu urteilen wohl dauerhaft besiedelten Areal, bildete ein etwa mittig angelegtes Kastentor.

Funde von regellos verteilten Speerspitzen und Brandspuren an Holz- und Steinresten der Anlage weisen auf ein gewaltsames Ende der Befestigung und der dazugehörigen Siedlung hin. Neben Gegenständen des täglichen Lebens konnten auch Schmuck- und Trachtbestandteile in Form von Hohlbuckelringen und Fibeln nachgewiesen werden, die die Nutzungszeit der eisenzeitlichen Hünenburg in Übereinstimmung mit radiokarbondatierten Hölzern in das 3. bis 2. Jahrhundert v. Chr. verorten.

Die eisenzeitliche Befestigung der Hünenburg bei Gellinghausen (Altertumskommission/St. Hofer).

Die mittelalterliche Hünenburg

Die mittelalterliche Anlage weist nach heutigem Forschungsstand mindestens drei Bauphasen auf, die nicht genauer Datiert werden können. Die Funde weisen für die Hünenburg eine Nutzungszeit vom 8. bis ins 13. Jahrhundert nach.

Als älteste Phase lässt sich die dreieckige, etwa 0,86 ha umfassende Hauptburg fassen. Ihre unterschiedlich hoch erhaltenen, aus Kalkstein aufgeschütteten Wälle weisen darauf hin, dass die Anlage zum nordöstlichen Steilhang hin schwächer befestigt war, als nach den anderen Seiten. Hier ist dem Wall, im Gegensatz zu den anderen Abschnitten, auch kein Graben vorgelagert. Den Zugang zur Hauptburg bildeten zwei Tore, jeweils im Osten und im Westen. Dabei ist festzuhalten, dass das östliche Zangentor, welches zwei Ausbauphasen aufweist, als ursprünglicher Zugang bezeichnet werden muss. Das westliche Tor wurde wohl bei der Anlage der Vorburg ausgeführt.

In späterer Zeit wurde der Hauptburg im Westen eine größere Vorburg mit etwa 1,73 ha Größe vorgelagert. Der heute noch bis zu 5,3 m hoch erhaltene Wall wird von einem äußeren Graben begleitet und jeweils dicht an den Anschlussstellen zur Hauptburg im Norden und Süden durch je ein Tor durchbrochen. Bei diesen handelt es sich um aus gemörtelten Kalksteinen bestehende Kammertore.

In einer weiteren Bauphase wurde den Toren jeweils ein Annexwall mit Graben vorgelagert, um die Zugänge zur Vorburg besser zu schützen.

Im Innenraum beider Burgteile können Gebäudespuren in Form von kleinen Senken beobachtet werden. Aufgrund ihrer Ähnlichkeit zueinander stammen sie möglicher Weise aus ein und derselben Nutzungsphase der Anlage.

Die mittelalterlichen Bauphasen der Hünenburg bei Gellinghausen (Altertumskommission/St. Hofer).

Literatur

A. Stiehl, Die „Hünenburg“ bei Gellinghausen, Gemeinde Borchen, Kreis Paderborn. Frühe Burgen in Westfalen 33 (Münster 2011).

Weiterführende Literaturauswahl

W. Best, Von historischen und modernen Angriffen auf die Hünenburg bei Gellinghausen. Archäologie in Ostwestfalen 8, 2003, 33-39.

F. Biermann, Die Wallburg bei Gellinghausen. Mitteilungen der Altertumskommission 1, 1899, 117-128.

P. Glüsing, Neue Untersuchungen in der früheisenzeitlichen Befestigungsanlage von Gellinghausen, Gem. Borchen, Kr. Paderborn. Offa 37, 1980, 48-58.

A. Stiehl, Die eisenzeitlichen Speerspitzen der „Hünenburg“ bei Borchen-Gellinghausen. AiWL 2010, 2011, 69-72.

A. Teipel, Archäologie aus der Luft. Wallburg Gellinghausen, Die Warte 50/62, 1989, 33.