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Die Vredener Landwehr ist in einem Maisfeld erkennbar

Landwehren in Westfalen

Der Raum Westfalen war einst geprägt von einem regelrechten Netz aus Landwehren. Diese Wall-Graben-Anlagen dienten der Markierung und Sicherung von Grenzen einzelner Territorien, Städte oder Kirchspiele. Ursprünglich im ausgehenden Mittelalter errichtet, ist für viele von ihnen eine Nachnutzung bis in die Frühe Neuzeit hinein belegt. Die Landwehren schützten Bauern und Bürger vor Viehdiebstahl, Überfällen und Vandalismus. Mit dornigen Hecken und Bäumen bepflanzt, bildeten sie unüberwindbare Hindernisse in der Landschaft. Die wenigen Durchlässe an den Hauptverkehrsstraßen waren mit Schlagbäumen abgesichert und ermöglichten eine Kontrolle darüber, wer sich einer Stadt oder Region näherte. An besonders gefährdeten Punkten wurden sogenannte Warttürme erbaut.

Die Landwehrforschung hat in Westfalen eine lange Tradition. Bereits in den 1930er-Jahren war Karl Weerth um eine umfassende Bestandaufnahme bemüht – im Rahmen damaliger Möglichkeiten. Mit einem Kolloquium im Jahr 2012 in Münster hat die Altertumskommission die intensive Auseinandersetzung mit dem Thema Landwehren, das eng mit der Wegeforschung verknüpft ist, wieder aufgenommen. Die Ergebnisse wurden 2014 gebündelt in einem Grundlagenwerk [Cornelia Kneppe (Hrsg.), Landwehren. Zu Erscheinungsbild, Funktion und Verbreitung spätmittelalterlicher Wehranlagen. VAK 20 (Münster 2014)] vorgelegt.

Während die meisten Landwehren im Laufe der Jahrhunderte abgetragen oder überbaut wurden, haben sich einige wenige Teilstücke noch heute sichtbar im Gelände erhalten. Andere lassen sich mithilfe archäologischer, historischer oder auch naturwissenschaftlicher Methoden wieder aufspüren.

2016 hat die Altertumskommission für Westfalen ein neues Projekt ins Leben gerufen, dessen Ziel es ist, das umfassende Landwehrnetz von einst durch das Bündeln aller zur Verfügung stehenden Methoden zu rekonstruieren und in einem nächsten Schritt zu visualisieren sowie langfristig geeignete Stellen für die Öffentlichkeit aufzubereiten. Die einzelnen Puzzleteile aus erhaltenen Landwehrstücken, Flurnamen, Altkarten, Digitalen Geländemodellen, urkundlichen Überlieferungen, Erzählungen und archäologischen Maßnahmen werden in einer georeferenzierten Westfalenkarte zusammengefügt und in ihrer Gesamtheit grafisch veranschaulicht.

Parallel erfolgt seit dem Jahr 2014 die Erforschung der einzelnen westfälischen Landwehren samt ihrer Geschichte. Die Ergebnisse werden in der „Blauen Reihe“ publiziert.