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Karte der Landwehr im Brückfeld, um 1674 (Fürstliche Bibliothek Corvey).

Die Landwehr der Stadt Höxter

Die Landwehr der Stadt Höxter ist das flächenmäßig drittgrößte Bau- und Bodendenkmal der Stadt. Sie wurde zwischen 1356 und 1375/80 zum Schutz von Stadt- und Landbewohnern und ihrer Gewerbe als vorgelagertes Annäherungshindernis zur Stadtbefestigung errichtet. Zusätzlich diente sie als Instrument der Herausbildung eines städtischen Wirtschafts- und Rechtsbezirkes, erfüllte aber auch wirtschaftliche Zwecke, da mit ihrer Hilfe unter anderem der Handelsverkehr in Richtung des städtischen Marktes gelenkt werden konnte.

Insgesamt waren die baulichen Teile der Wall-Graben-Anlage etwa 17,5 km lang. Zählt man die Lückenschlüsse durch Gewässer und Steilhänge hinzu, bildete die Landwehr einen Ring von fast 24 km Länge um eine Fläche von 24 km². Dabei sind vor allem im Norden und Südwesten der Stadt größere zusammenhängende Landwehrabschnitte deutlich im Gelände als Bodendenkmal erhalten. Herauszuheben ist hierbei ein Abschnitt auf dem Räuschenberg, der in den 1990er-Jahren forstwirtschaftlich wieder sichtbar gemacht wurde. Der nahe gelegene „Mäuseturm“ stellt eine Rekonstruktion einer ehemaligen Warte dar, von denen, schließt man den an einem ehemaligen Wartenstandort 1900 neu errichteten Bismarckturm mit ein, noch drei weitere im Gelände zu besichtigen sind.

Nähere Informationen zur Landwehr

Verlauf der Landwehr

Die Landwehr setzte südlich des Klosters Corvey am anderen Weserufer an diese an und verlief hier annähernd identisch dem Verlauf der heutigen Grenze der Bundesländer Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen in einem Bogen, bis sie südlich der Stadt wieder an die Weser anschloss. In der weiteren Folge bildete die Weser ein natürliches Annäherungshindernis.

Der nächste Landwehrabschnitt setzte an der Mündung der Nethe in die Weser ein und führte annähernd ost-west-ausgerichtet bis zum Brunsberg.

Nördlich der Ruinen der Brunsburg setzte die Landwehr wieder ein und verlief über den Bismarckturm in annähernd nördlicher Richtung bis kurz vor den Runden Knapp.

Nördlich dieser Erhebung begann sie erneut, verlief zunächst nach Norden und bog nach der Querung des Prozessionswegs von Lütmarsen zum Heiligenberg dem Bachlauf folgend nach Westen ein. Hinter dem ehemaligen Gutshof von Lütmarsen änderte die Landwehr ihren Verlauf nach Nordosten in Richtung Brenkhausen. Die heutige K 18 folgt in etwa ihrem Verlauf. Kurz vor dem heutigen Kreisverkehr vollzog die Befestigungslinie einen abrupten Knick nach Osten in Richtung der Brenkhauser Warte, von wo aus sie bis zur Teufelsschlucht nach Osten weiterverlief.

Der letzte Landwehrabschnitt verlief vom Weinberg am Räuschenberg südlich bis zur ehemaligen nördlichen Befestigung der heute verschwundenen Stadt Corvey.

Schematische kartierung der Landwehr um Höxter (ergänzt nach Koch 2014).

Bauweise der Landwehr

Die Landwehr der Stadt Höxter wurde ehemals aus mehreren Abschnitten gleicher Bauweise gebildet. Aufgrund des unwegsamen Geländes rund um das Stadtgebiet genügte zumeist lediglich ein Wall mit äußerem und teilweise innerem Graben. Nur in Teilstücken wurden zwei Wälle mit äußerem und mittlerem Graben errichtet. Die Breite der Anlagen betrug laut Schriftquellen inklusive der begleitenden Wehrhecken bis zu 43 m.

Insgesamt sind für das Befestigungswerk elf Durchlässe überliefert, die das Passieren der Wall-Graben-Züge an wichtigen Verbindungswegen nach und von Höxter aus ermöglichten. Da einige dieser Landwehröffnungen vermutlich in jüngerer Zeit entstanden sind, müssen sie nicht alle mit Schlagbäumen gesichert gewesen sein.

Die wichtigsten Passstellen wurden zusätzlich durch Warttürme befestigt, von denen insgesamt sieben Stück für die Höxtersche Landwehr nachgewiesen sind. Zumindest zwei wurden allerdings nicht unmittelbar zur Zugangssicherung errichtet, sondern dienten nur als Beobachtungsposten. Zwei dieser Bauwerke sind noch in originaler Bausubstanz erhalten, zwei weitere wurden durch moderne Turmbauten ersetzt.

Doppelte Wall-Graben-Anlage am Brunsberg (M. Koch).

Planung einer Landwehr

In die Planung einer Landwehr flossen zahlreiche Aspekte mit ein. Darunter fallen nicht nur Verhandlungen mit Grundherren und weiteren einflussreichen Persönlichkeiten über das Land, auf dem die Wälle und Gräben errichtet werden sollen, sondern auch verkehrsgeografische und strategische Überlegungen.  

Erstere musste der Rat der Stadt Höxter vor allem mit den Äbten der Reichsabtei Corvey führen, die als Schutz- und Stadtherren fungierten. Aber auch mit den benachbarten Grundherren, deren Besitzungen indirekt durch die Landwehr beeinträchtigt wurden, mussten Absprachen getroffen werden.

Da das Umfeld von Höxter im Mittelalter Kreuzungspunkt für viele bedeutende Handelswege war, musste deren Verlauf beim Landwehrbau ebenfalls berücksichtigt werden. So verliefen die Bremer bzw. Frankfurter Straße und der westfälische Hellweg als bedeutende Nord-Süd- beziehungsweise West-Ost-Verbindung durch das Banngebiet der Stadt. Besonders im Bereich des Brückfelds – dem Bereich im östlichen Vorfeld der festen Weserbrücke Höxters – wurde in diesem Zusammenhang eine Still- oder Verlegung von Straßenverbindungen durchgeführt.

Zur Verteidigung der Stadt war es zudem unablässig, dass die Landwehr als Frühwarnsystem funktionsfähig war. Daher musste bei der Festlegung der Wartturmstandorte darauf geachtet werden, dass zwischen den Türmen und dem zentralen Wachturm der Stadt, dem südlichen Turm der Kilianikirche, eine Sichtverbindung bestand, um bei drohender Gefahr visuelle Signale austauschen zu können.

Brenkhauser Warte (M. Koch).

Literatur

M. Koch, Die Landwehr der Stadt Höxter, Kreis Höxter. Landwehren in Westfalen 2 (Münster 2016).

Weiterführende Literaturauswahl

M. Koch, Die Landwehr um Höxter – zum Nutzen des ganzen Landes. In: C. Kneppe (Hg.), Landwehren. Zu Erscheinungsbild, Funktion und Verbreitung spätmittelalterlicher Wehanlagen. Beitr. z. Koll. d. Altertumskommission f. Westf. am 11. und 12. Mai 2012 in Münster (Münster 2014) 155-172.

M. Koch/A. König/H.-G. Stephan (Bearb.), Höxter und Corvey. Westfälischer Städteatlas Lieferung IX, Blatt 4. Veröff. d. Historischen Kommission f. Westf. 36 (Altenbeken 2006).

H. Krüger, Die Landwehrbefestigung der Stadt Höxter. Westfälische Zeitschrift 86/II, 1929, 60-94.

H. Rüthing, Landwehren und Warten im Paderborner und Corveyer Land. Heimatkundliche Schriftenreihe der Volksbank Paderborn 33 (Paderborn 2002).