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Das Galeriegrab von Rimbeck 2015 (Foto: Altertumskommission/Schierhold).

Das Galeriegrab von Warburg-Rimbeck

"...unsere Funde zeigen, dass hier alle Lebensalter vom Neugeborenen bis zum zahnlosen Greise friedlich nebeneinander oder vielmehr durcheinander ruhen." - Götze  im Grabungsbericht 1908

Das Galeriegrab von Rimbeck liegt innerhalb eines Erdwerks auf dem Nordost-geneigten Hang einer Anhöhe. Seine Erbauer gehörten der jungsteinzeitlichen Wartberg Kultur an. Das Großsteingrab wurde 1906 entdeckt und im selben Jahr sowie noch einmal 1907 durch das Königliche Museum für Völkerkunde in Berlin ausgegraben. Damit gehört es zu den ersten Gräbern, die von Facharchäologen dokumentiert wurden. 1908 erschien ein Bericht über die Ausgrabungen. Das menschliche Skelettmaterial wurde noch mehrfach begutachtet, ging jedoch im Zweiten Weltkrieg verloren. 1990 fand eine Nachuntersuchung des zu Anfang des Jahrhunderts entstandenen Aushubs statt, der nochmals neues Knochenmaterial und weitere Beigaben erbrachte.

Das Galeriegrab 2019 (Foto: Altertumskommission/Klinke).
Dia aus einer Bestandsaufnahme des Amts für Bodendenkmalpflege/Außenstelle Bielefeld von 1974 (Foto: WMfA/AfB).
Das Galeriegrab Warburg-Rimbeck geputzt, 2020 (Foto: Altertumskommission/Reck).
Die Ausgrabungssituation 1906/07 (Foto: SMB-PK/MVF, IA 10, Bd. 5, E 136/09 (DP 003400)).
Das Grab im Herbst 2015 (Foto: Altertumskommission/Schierhold).

Nähere Informationen zum Galeriegrab

Technische Daten

Das Grab von Rimbeck ist ein eingesenktes Galeriegrab mit Zugang an der Längsseite über einen Gang durch einen Türlochstein. Es hat eine Gesamtlänge von gut 14 m bei einer Breite von fast 3 m. Die Anlage ist namensgebend für den Typ Rimbeck. Als Baumaterial dienten große Sandsteinblöcke, die nach geologischen Untersuchungen aus ca. 3,5 km Entfernung stammen.

Die Abbildung links zeigt den Grundriss und den Aufriss des Galeriegrabes, entsprechend dem Plan der Neuvermessung 1985/86. Legende: 1 ergänzt nach Götze 1908; 2 Sandsteinblöcke-Schmalseiten; 3 Verlauf der Kammersohle nach Götze 1908; 4 Sandsteinblöcke-Oberseiten, bei gestrichelten Rändern schrägstehend; 5 Kalksteinplatte; 6 Sandsteinblock, verlagert (nach Günther 1987a).

Grundriss und Aufriss des Galeriegrabes (Günther 1987a).

Funde

Im Fundmaterial der Grabungen Anfang des 20. Jahrhunderts befand sich nur wenig Keramik, was typisch für Grabanlagen der Wartbergkultur ist. Unter den wenigen Keramikfunden befand sich jedoch eine vollständig erhaltene kleine Tasse, die nach dem Rimbecker Fundort benannt wurde und in die ältere Wartbergkultur um 3400 bis 3000 v. Chr. datiert wird. Neben Klingen und Pfeilspitzen aus Feuerstein sowie wenigen Felsgesteinbeile fanden sich auch einige Knochengeräte, darunter Pfeilspitzen, Meißel und Pfrieme. Außerdem gehörten mehrere Tierzahnanhänger und ein durchlochter fossiler Ammonit zum Fundmaterial.

Funde aus dem Grab. 1-7 Keramik; 8-10 Knochen; 11-14 Tierzähne; 15 durchbohrtes Ammonitenfragment; 16-19 Silex (nach Schrickel 1966).

Anthropologische Untersuchung

Anhand der Unterkiefer im menschlichen Skelettmaterial kann von einer Mindestindividuenzahl von 125 bis etwa 150 Individuen ausgegangen werden. Anthropologische Untersuchungen ergaben eine durchschnittliche Körperhöhe von 1,48 m (weibliche Individuen) bzw. 1,60 m (männliche Individuen). Zudem konnten auf Fotos der ersten Grabung mehrfach verheilte Verletzungen und pathologische Befunde, die unter anderem auf Atemwegserkrankungen, Tuberkulose und verheilte Knochenbrüche hinweisen, identifiziert werden.

Schädel aus Rimbeck mit Defekt, 1906/07 (Foto: SMB-PK/MVF, IA 10, Bd. 5, E 136/09 (DP 003425)).

Literaturverzeichnis

Eine Auswahl weiterführender Literatur:

P. Glüsing, Eine Siedlung der spätneolithischen Galeriegrabkultur im Weißen Holz bei Warburg-Rimbeck, Kries Höxter. Ausgrabungen und Funde in Westfalen-Lippe 2, 1984 (1985) 17-21.

A. Götze, Ein steinzeitliches Ganggrab bei Rimbeck, Kreis Warburg. Die Denkmalpflege 10, 1908, 92-93.

K. Günther, Ein Großsteingrab in der Warburger Börde bei Hohenwepel, Stadt Warburg, Kreis Höxter. Ausgrabungen und Funde in Westfalen-Lippe 2, 1986 (1987a) 65-104

K. Günther, Die Kollektivgräber-Nekropole Warburg I-V. Bodenaltertümer Westfalens 34 (Mainz 2002).

B. Knoche, Das jungsteinzeitliche Erdwerk von Rimbeck bei Warburg, Kreis Höxter. Frühe Burgen in Westfalen 20 (Münster 2003) 11-15.

W. Schrickel, Westeuropäische Elemente im neolithischen Grabbau Mitteldeutschlands und die Galeriegräber Westdeutschlands und ihre Inventare. Beiträge zur ur- und frühgeschichtlichen Archäologie des Mittelmeer-Kulturraumes 4 (Bonn 1966). Katalog der mitteldeutschen Gräber mit westeuropäischen Elementen und die Galeriegräber Westdeutschlands. Beiträge zur ur- und frühgeschichtlichen Archäologie des Mittelmeer-Kulturraumes 5 (Bonn 1966).

W. Schwellnus, Wartberg-Gruppe und hessische Megalithik. Ein Beitrag zum späten Neolithikum des Hessischen Berglandes. Materialien zur Ur- und Frühgeschichte von Hessen 4 (Wiesbaden 1979).

 

Bildnachweis:

© Das Bildmaterial der Altgrabung von A. Götze 1906/07 ist Eigentum der Staatlichen Museen Berlin, Museum für Vor- und Frühgeschichte. Wir danken für die Nutzungserlaubnis auf unserer Homepage.

Das Galeriegrab von Rimbeck als 3D-Punktwolke

Die 3-D-Punktwolke wurde mittels "Image-Based-Modeling" erstellt. Die dichte Punktwolke wirkt wie eine digitale Kopie des Grabes im gesäuberten Zustand von 2021.