check-circle Created with Sketch.

Der Desenberg von Norden (Ruhr-Universität Bochum/B. Song).

Der Desenberg bei Warburg-Daseburg

Der Desenberg liegt in der Warburger Börde, südwestlich von Warburg-Daseburg. Bei dem 345m hohen Berg handelt es sich um den Kegel eines erloschenen Vulkans. Die umgebende Landschaft ist besonders fruchtbar, weshalb sie bereits seit der Steinzeit von Menschen besiedelt wurde. Lesefunde auf dem Berg lassen darauf schließen, dass dieser ebenfalls schon früh von Menschen aufgesucht wurde. Bis heute zählt der Desenberg zu den imposantesten Landmarken der Region. Er befindet sich seit dem Hochmittelalter im Besitz der ehemals niederadeligen Familie Spiegel.

Die Burg Desenberg wird bereits im 11. Jh. in Schriftquellen erwähnt. Eine Radierung von 1672 bildet die Anlage erstmalig ab, ihre Ruinen werden auf einigen Stichen und Zeichnungen des frühen 19. Jh. gezeigt. Aus derselben Zeit stammt auch eine erste Grundrissskizze, die wichtige Anhaltspunkte auf die heute nicht mehr vorhandene Innenbebauung der Befestigungsanlage zulässt. Die erste größere archäologische Untersuchung der Anlagen auf und um den Desenberg wurde schließlich in den Jahren 1962 bis 1963 durchgeführt. Bei Sicherungs- und Sanierungsmaßnahmen der noch erhaltenen Bausubstanz in den späten 1980er-Jahren wurden ebenfalls kleinere archäologische Sondagen durchgeführt.

Federzeichnung von F. J. Brand vom Desenberg (Archiv des Vereins für Geschichte und Altertumskunde Westfalens, Abt. Paderborn).

Ausgrabungen auf dem Desenberg 1962/63 (LWL-Archäologie für Westfalen).

Bergfried des Desenbergs (Altertumskommission für Westfalen/A. Reck).

Rekonstruktionsvorschlag für den Desenberg (H.-W. Peine/ C. Kneppe 2014, Abb. 25).

Nordostecke der Hauptburg von innen (Altertumskommission für Westfalen/A. Reck).

Gesamtansicht der Ruine auf dem Desenberg (H.-W. Peine).

Nähere Informationen zur Anlage

Aufbau & Befunde

Die Befestigungsanlage gliedert sich in eine Haupt- und eine Vorburg. Verschiedene Brandhorizonte zeugen hier von unterschiedlichen Bauphasen. Zudem war die Zuwegung so angelegt, dass sie von der Burg aus bestens verteidigt werden konnte.

Der Weg hin zur Befestigungsanlage windet sich um den Berg. Ein Abschnittswall, Wegesperren und ein im Südosten des Berges gelegenes Plateau boten beste Möglichkeiten, diesen gegen Angreifer abzusichern.

Der Zugang zur Vorburg, die der Hauptburg westlich vorgelagert war, erfolgte durch ein Tor mit angeschlossenem Wachhaus. Sie ist so angelegt, dass sie als zusätzlicher Verteidigungsring genutzt werden konnte. Ansonsten wurde die Anlage durch ein größeres Gebäude gegliedert, bei dem es sich ehemals um ein kombiniertes Wirtschafts- und Wohngebäude für das Gesinde der Burg gehandelt hat.

Die über 1000m² große Hauptburg wird durch eine 1,45m mächtige, unregelmäßig geformte Ringmauer umschlossen, in der wohl ehemals im Osten ein Tor gelegen hat. In ihrem Zentrum befindet sich der Bergfried mit einem Durchmesser von 6,7m und einer heute erhaltenen Höhe von 12m. Er war ursprünglich deutlich höher, sodass die umliegende Landschaft von dort aus gut überblickt werden konnte. Neben diesem Turm lehnten sich ehemals drei größere, mehrstöckige Gebäude von innen an die Mauer an. Aus Schriftquellen ist ein Brunnen im Burginneren bezeugt.

Plan des Desenbergs mit Grabungsbefunden (H.-W. Peine/C. Kneppe 2014, Klapptafel).

Funde & Datierung

Vom Desenberg selbst liegen einzelne Lesefunde vor, die bereits in das Neolithikum datieren. Der Hauptteil der Funde, die bei den Ausgrabungen gemacht wurden, stammt allerdings aus dem Hochmittelalter und der frühen Neuzeit. Dabei handelt es sich vornehmlich um Keramik, die aus dem Reinhardswald und dem Rheinland stammt. Allerdings konnten auch zahlreiche Geräte nachgewiesen werden, die auf Landwirtschaft und Pferdehaltung hinweisen. Aufgedeckte Ofenkacheln zeugen zudem von der Verwendung von Kachelöfen in den Gebäuden der Vor- und der Hauptburg. Darüber hinaus konnten aber auch zahlreiche Waffen nachgewiesen werden, die primär aus Brandhorizonten stammen und somit auf die militärische Geschichte der Anlage schließen lassen. Als besonderer Fund ist der Ausguss eines mittelalterlichen Gießgefäßes in Tierkopfform zu bezeichnen, der von der Übernahme von höfischen Tafelsitten durch die ehemals niederadeligen Bewohnenden der Burg zeugt.

Zusätzlich zu den Funden, die vom 12./13. Jh. bis zum 16. Jh. datieren, wird die Burganlage in Schriftquellen des Öfteren erwähnt. Die älteste Nennung der Befestigung datiert in das Jahr 1070. Aus dieser Zeit lassen sich allerdings bislang keine archäologischen Nachweise erbringen.

Ausguss einer keramischen Aquamanile vom Desenberg (LWL-Archäologie für Westfalen/St. Brentführer).

Die Familie Spiegel und der Desenberg

Nachdem der Desenberg und die zugehörige Burganlage seit der ersten Erwähnung 1070 mehrere Male den Besitzer wechselte, wurde sie um 1200 teilweise zerstört, jedoch relativ bald wiederaufgebaut. In diesem Zusammenhang ging die Anlage in den Besitz der Familie Spiegel über, die spätestens seit 1256 auf dem Desenberg ansässig war. Diese stand im Dienste Corveys, besaß aber in Nordhessen auch eigene Besitztümer und entwickelte sich im Laufe des 13. Jh. zu einem vielseitig gebundenem Dienstmannengeschlecht. Spätestens mit der Gründung der Stadt Liebenau durch diese Familie und dem militärischen Ausbau der Burg zeigte sich deren Anspruch auf die Errichtung einer unabhängigen Herrschaft.

In den folgenden Jahren wurden die Angehörigen der Familie immer wieder Zeugen von und Teilnehmer an kriegerischen Auseinandersetzungen um die Stadt Warburg, bevor sie sich im ausgehenden 14. Jh. räuberischen Ritterbünden in führender Position anschlossen.

Nach einer weiteren Zerstörung der Burg und der Teilnahme der Spiegels an diversen weiteren Fehden verlor die Familie im 15. Jh. immer mehr ihrer Ämter, was zusammen mit der Unterstützung der Hessen in deren Fehde gegen den Bischof von Paderborn in der erneuten Zerstörung der Burg Desenberg in der zweiten Hälfte des 15. Jhs. mündete. Obwohl die Verteidigungsanlage in der Folge erneut wiederaufgebaut wurde, hatte sie ihre politische und militärische Funktion nun endgültig verloren, was zum Verlassen der Burg durch die nunmehr zerstrittenen Familienzweige führte und die Burg schließlich allmählich verfiel.

Radierung von J. G. Rudolphi von 1672 (LWL-Museum für Kunst und Kultur/Westfälisches Landesmuseum).

Literatur

H.-W. Peine/ C. Kneppe, Der Desenberg bei Warburg-Daseburg, Kreis Höxter. Frühe Burgen in Westfalen 16 ²(Münster 2014).

Weiterführende Literaturauswahl

B. Chmella, Die Sanierung der Desenbergruine. Jahrbuch des Kreises Höxter 1991, 1991, 23-28.

R. Decker, Die Geschichte der Burgen im Raum Warburg/Zierenberg (Hofgeismar/Zierenberg 1989).

F.-J. Dubbi/ R. Bialas, Der Desenberg. Geschichte – Geschichten – Bilder (Marsberg 2004).

H.-W. Peine/ C. Kneppe, Der Desenberg bei Warburg, Kreis Höxter. Ein Beitrag zur Geschichte und Archäologie des Stammsitzes der Familie Spiegel, in: AFWL 6 B (Mainz 1991) 239-247.

H.-W. Peine/ C. Kneppe, Der Desenberg bei Warburg, Kreis Höxter. Frühe Burgen in Westfalen 16 (Münster 2000).