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Plan der Wittekindsburg von 1886 (Altertumskommission für Westfalen/Archiv).

Die Wittekindsburg an der Porta Westfalica

Die Wittekindsburg liegt 2,5 km westlich von Porta Westfalica auf dem Kamm des Wiehengebierges, dem sogenannten Häverstädter Berg. Sie nimmt dabei ein teilweise durch natürliche Klippen und Steilhänge gebildetes Plateau ein, von dem aus sich die umliegende Landschaft bestens überblicken lässt.

Der Name der Burg stammt von der Legende, nach der sich an der Wittekindsquelle innerhalb des Walles, die mittlerweile versiegt ist, der Sachsenherzog Widukind zum Christentum bekannt haben soll. Der Name der Wittekindsburg geht jedoch nicht auf den Sachsenherzog Widukind zurück. Der ursprüngliche Name war „Wedegenburch“, was auf das altsächsische Wort „wede = Wald“ verweist. Die Umbenennung der Burg erfolgte vermutlich erst im 14./15. Jahrhundert.

Eine erste Vermessung der Anlage wurde 1886 für den „Atlas vorgeschichtlicher Befestigungen in Niedersachsen“ vorgenommen, bevor die Wallreste 1907 erstmals archäologisch untersucht wurden. Weitere Maßnahmen wurden 1993/94 notwendig, da durch Forstarbeiten Teile des erhaltenen Nordwalles zerstört wurden. Bei Nachuntersuchungen im Jahre 1996 wurde schließlich die sogenannte „Kreuzkirche“ innerhalb der Befestigungen entdeckt.

Heute kann neben den Grundmauern dieses Bauwerkes die romanische Margarethenkapelle, die versiegte Wittekindsquelle und das Ausflugslokal Wittekindsburg auf der Bergkuppe besucht werden.

DGM der Wittekindsburg (Alterumskommission für Westfalen/L. Klinke).

Die Margarethenkapelle (Foto: GeFAO/J.-S. Kühlborn).

Plakette an der "Königslinde" auf der Wittekindsburg (Altertumskommission für Westfalen/Archiv).

Nordtor der Wittekindsburg, Plan von 1908 (Altertumskommission fr Westfalen/Archiv)

Kreuzstein (Altertumskommission für Westfalen/U. Steinkrüger)

Nähere Informationen zur Anlage

Aufbau & Befunde

Das Bergplateau, welches die Wittekindsburg befestigt, wird nach Norden, Osten und Westen durch einen Wall eingegrenzt, vor dem ein heute noch schwach sichtbarer Graben angelegt ist. Diese Befestigungsanlage war zunächst wohl als Pfostenbohlenwand angelegt, bevor diese in einer weiteren Nutzungsphase durch eine Zweischalenmauer ersetzt wurde. Vor dem Ostwall befindet sich die sogenannte „Insel“, deren Funktion noch nicht geklärt ist. Im Westen ist dem Haupt- ein Vorwall vorgelagert. Im Süden wurde die Anlage zum Steilhang hin wahrscheinlich nur durch eine leichte, nicht mehr nachweisbare Befestigung begrenzt. Als Zugänge der Burg können insgesamt vier Tore angenommen werden, von denen allerdings lediglich eines im westlichen Teil des Nordwalles als gesichert gelten kann.

Im Inneren der Anlage befindet sich die Margarethenkapelle, ein um 1200 errichteter Saalbau aus Sandsteinquadern, die heute noch besichtigt werden kann. Weitaus älter dürfte die wenig nördlich dieser Kapelle gelegene Kreuzkirche sein, die ihren Namen aufgrund ihrer Form eines griechischen Kreuzes trägt. Ihre erhaltenen Grundmauern bestehen aus zweischaligem Bruchsteinmauerwerk. Im Bereich dieses Bauwerks konnten darüber hinaus ältere Bestattungen nachgewiesen werden. Weitere Innenbebauung wird im Nordwestteil der Wittekindsburg angenommen.

Plan der Wittekindsburg von 2005 (Vermessungs- und Zeichenbüro Thede).

Funde & Datierung

Die Funde aus dem Kontext der Befestigungsanlage weisen in zwei verschiedene Nutzungsphasen der Anlage, die sich auch anhand der Baubefunde nachweisen lassen. So stammt ein Großteil der Scherbenfunde aus dem 3. Jahrhundert v. Chr., also der vorrömischen Eisenzeit. Besonderes Augenmerk gilt dabei der Menge an Gebrauchskeramik, die für eine – zumindest zeitweise – längerfristige Besiedlung der Anlage spricht.

Die zweite Nutzungsphase wird durch Keramik des 8. und 9. Jahrhunderts n. Chr. umschrieben. In diesen Zeitabschnitt fallen wohl auch die unterhalb der Kreuzkirche aufgefundenen Bestattungen, die mittels Radiokarbondatierung datiert wurden. Bei den aufgefundenen Individuen handelt es sich um vier Kinder und eine erwachsene Frau, die zumindest teilweise miteinander verwandt waren, was DNA-Analysen ergaben.

Besonders zu erwähnen ist darüber hinaus der Fund eines sogenannten Kreuzsteines, der an der Westseite der Margarethenkapelle aufgestellt ist. Dabei handelt es sich wahrscheinlich um eine Grabplatte aus dem Hochmittelalter.

Eisenzeitliche Keramik von der Wittekindsburg, M. 1:3 (LWL-Archäologie für Westfalen).

Nutzung im Laufe der Zeiten

Die Wittekindsburg diente der Bevölkerung in der Eisenzeit wahrscheinlich als Fliehburg vor einem feindlichen Übergriff, wobei unklar ist, ob es sich um eine nur zeitweise aufgesuchte oder um eine dauerhaft besiedelte Anlage handelte.

Für das Ende des 10. Jahrhunderts liegt eine Urkunde vor, die nachweist, dass sich die Wittekindsburg zu dieser Zeit im Besitz des Mindener Bischofs Milo befand. Dieser erwarb zusätzlich im Jahre 993 den königlichen Schutz für ein Nonnenkloster, welches er „in castello suo Wedegenburch vocato“, also „in seiner Burg, die den Namen Wedegenburch trägt“, gegründet hatte. Dieses Kloster in der Wittekindsburg steht am Anfang einer Tradition von Klostergründungen in Burganlagen, welche auf diesem Wege auch strategisch neutralisiert wurden. In diese Zeit dürfte auch die Errichtung der Kreuzkirche fallen, die sich mit ihrem Erscheinungsbild gut in die damaligen Bautraditionen eingliedert.

Luftaufnahme der Kreuzkirche (LWL-Archäologie für Westfalen/S. Brentführer).

Literatur

R. Plöger, Die Wittekindsburg an der Porta Westfalica, Kreis Minden-Lübbecke. Frühe Burgen in Westfalen 11³ (Münster 2018).

Weiterführende Literaturauswahl

W. Best, Neue archäologische Forschungsergebnisse von der Wittekindsburg bei der Porta Westfalica. Arch. Ostwestf. 1, 1997, 27-31.

W. Best, Die Ausgrabungen des vorromanischen Zentralbaus auf der Wittekindsburg. Vorbericht, Arch. Ostwestf. 4, 1999, 33-41.

W. Carstens, Fund eines Kreuzsteines auf der der Wittekindsburg bei Porta. Aus der Vorzeit in Rheinland, Lippe und Westfalen 3, 1936, 62f.

B. Reepen, Archäologische Denkmäler auf dem Wittekindsberg. Ein Engagement der Gesellschaft zur Förderung der Archäologie in Ostwestfalen e. V. Arch. Ostwestf. 14, 2019, 119-126.

H. Rüthing, Die Anfänge des religiösen Lebens auf dem Wittekindsberg nach den schriftlichen Quellen. Arch. Ostwestf. 4, 1999, 43-45.

H. Rüthing, Der Wittekindsberg bei Minden als „heilige Städte“, 1000 bis 2000. Religion in der Geschichte 15 (Bielefeld 2008).

M. Untermann, Kreuz und Kreis. Die kreuzförmige Kapelle auf der Wittekindsburg im Licht mittelalterlicher Zentralbauten. Arch. Ostwestf. 4, 1999, 56-64.