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Der Gaulskopf im gefärbten DGM (Grundlage: Geobasis NRW 2015; Bearb.: I. Pfeffer).

Der Gaulskopf bei Warburg-Ossendorf

Der Gaulskopf liegt an den südlichsten Ausläufern des Eggegebirges am südwestlichen Rand der Warburger Börde, östlich von Warburg-Ossendorf. Der Lössboden der Börde eignet sich besonders gut für den Ackerbau und viele Bachläufe durchziehen die Gegend. Ferner liegt der Gaulskopf verkehrsgünstig am Kreuzungspunkt alter Handelswege, die schon im Neolithikum bestanden haben dürften. Die siedlungsgünstige Landschaft wird bereits seit dem Altneolithikum bewohnt.

Die Befestigung am Gaulskopf nimmt einen Bergsporn mit flachem Plateau und steilen Hängen nach Norden und Süden ein.

Die Burganlage war bereits im 19. Jahrhundert bekannt und wurde im „Atlas vorgeschichtlicher Befestigungen Niedersachsens“ erstmals vorgelegt. 1967 wurde sie kartiert und es gab erste archäologische Untersuchungen. Umfangreichere Forschungsarbeiten fanden von 1990-1995 auf dem Gaulskopf statt, was diesen zur am besten untersuchten Wallburg Westfalens macht.

Rekonstruktion der Toranlage auf dem Gaulskopf (D. Laubenstein).

Riemenbeschlag mit Kreuzdarstellung, 9./10. Jh. von Gaulskopf (LWL-Archäologie für Westfalen/St. Brentführer).

Luftbildaufnahme des Gaulskopf von Nordosten (Altertumskommission für Westfalen/Archiv).

Jung- bis spätneolithische Geräte vom Gaulskopf (LWL-Archäologie für Westfalen/St. Brentführer).

Nähere Informationen zur Anlage

Aufbau & Befunde

Bei Ausgrabung in den 1990er-Jahren wurden Hausgrundrisse und zahlreiche Gruben gefunden, die in das Neolithikum verweisen. Vermutlich wurde bereits damals die Siedlung durch einen Erdwall im Westen geschützt. Trotz späterer Überprägung kann eine umlaufende jungneolithische Befestigung archäologisch aber ausgeschlossen werden.

Aus dem Zeitraum der Wartberg-Kultur sind auf dem Gaulsberg Reste eines nicht-megalithischen Kollektivgrabs erhalten, aus dem über 5100 menschliche Knochenreste geborgen werden konnten.

Die noch heute sichtbaren Wälle gehören zur Befestigung des frühen Mittelalters. Die Anlagen bestanden aus einer mit Bruchsteinen verstärkten Holzfront, die mit Erde hinterfüttert war. Davor lagen eine Berme und ein Graben.

Insgesamt lassen sich für den mehrfach ausgebauten Wall und die Tore drei Bauphasen feststellen. Dieser repräsentative Ausbau der Tore deutet darauf hin, dass es sich bei der Anlage um einen frühen „Adelssitz“ handelte, der auch nach den Sachsenkriegen seine Bedeutung nicht verlor.

Neben den Befestigungsanlagen konnten auch zahlreiche Spuren der Innenbebauung dokumentiert werden.

Plan der Befestigungen auf dem Gaulskopf (Vermessungs- und Zeichenbüre Thede, Spenge).

Funde & Datierung

Bei den Grabungen konnten zahlreiche Funde aus verschiedenen Zeitperioden von der Altsteinzeit bis ins Mittelalter aufgefunden werden. Überraschend viele Kleinfunde datieren hierbei in das Neolithikum, vor allem in die Zeitstufe der jüngeren Michelsberger Kultur.

Aus dem Frühmittelalter stammen neben Keramikfunden des 6. und 7. Jahrhunderts n. Chr. auch zahlreiche Werkzeug- und Waffenfunde. Letztere weisen auf eine gewisse Anzahl an Besatzungstruppen auf der Burganlage hin. Weitere Keramikreste stammen aus der späten Merowinger- bzw. frühen Karolingerzeit. Um herausragende Stücke handelt es sich bei zwei aus Gold gefertigten Fibeln, die dem 8.-9. Jahrhundert n. Chr. zugewiesen werden können und bezeugen, dass der Gaulskopf im Frühmittelalter dauerhaft von höher gestellten Personen bewohnt wurde.

Goldfibeln vom Gaulskopf (LWL-Archäologie für Westfalen/St. Brentführer).

Bedeutung des Gaulskopfs

Die Anlage spielte wohl in den fränkisch-sächsischen Auseinandersetzungen als Grenzbefestigung eine wichtige Rolle, was durch das ausgiebige Fundmaterial dieser Zeitstellung untermauert wird. Vermutlich verlor sie auch nach den Sachsenkriegen ihre Bedeutung nicht, sondern wurde zu einem frühen Adelssitz mit repräsentativer steinerner Toranlage ausgebaut, wofür Funde von Ausrüstungs- und Trachtbestandteilen fränkischer Herkunft sprechen.

Zu klären ist noch, ob die am Fuße des Gaulskopfes gelegene, wohl Anfang des 11. Jahrhunderts errichtete Asselerburg als direkter Nachfolger angesehen werden kann und ob die Befestigung auf dem Gaulskopf in dieser Zeit – beispielsweise als Spähposten – weiter genutzt wurde.

Der Gaulskopf von Nordosten (I. Pfeffer).

Literatur

I. Pfeffer, Der Gaulskopf bei Warburg-Ossendorf, Kreis Höxter. Frühe Burgen in Westfalen 7² (Münster 2015).

Weiterführende Literaturauswahl

W. Best, Die Ausgrabungen in der frühmittelalterlichen Wallburg Gaulskopf bei Warburg-Ossendorf, Kr. Höxter. Germania 75,1, 1997, 159-183.

V. Brieske, Das Goldkreuz vom Gaulskopf – christliche Symbole im merowingerzeitlichen Westfalen. AiWL 2016, 2017, 217-220.

A. Doms, Der Gaulskopf bei Warburg-Ossendorf, Kreis Höxter. Frühe Burgen in Westfalen 7 (Münster 1986).

I. Pfeffer, Die neolithischen Befunde und Funde vom Gaulskopf bei Warburg-Ossendorf, Kreis Höxter - Auswertung der Kampagnen von 1990-1992. Ausgrabungen und Funde in Westfalen-Lippe 13 (Darmstadt 2017) 5-213.