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Gestaffelte Landwehr im Westen von Beckum (Kneppe 2004, Abb. 40).

Die Landwehr der Stadt Beckum

Die Landwehr umgab die Stadt Beckum in einem Abstand von etwa 2,5 km vollständig. Sie war insgesamt etwa 18 km lang und umfasste eine Innenfläche von 2190 ha. Erste Teile der Landwehr wurden bereits gegen Ende des 13. Jahrhunderts errichtet, ihre weiteste Ausdehnung erreichte sie zu Beginn des 15. Jahrhunderts.

Heute ist das Befestigungswerk lediglich in einem relativ kurzen Abschnitt im Süden der Stadt obertägig erhalten. Dank einer Karte von 1804/1805 und den rekonstruierten Flurnamen der Parzellen der Feldmark kann der Landwehrverlauf allerdings vollständig rekonstruiert werden.

Die Soestwarte südöstlich der Stadt, die sich auf dem höchsten Punkt des Höxbergs befindet und in ihrem unteren Teil noch in originaler Substanz erhalten ist, kann bestiegen werden und bietet einen weiten Blick über die Lippeniederung.

Nähere Informationen zur Landwehr

Das Beckumer Landwehrsystem

Die Landwehr, die insgesamt die größte Innenfläche nach außen hin abschirmte, ist nur die jüngste Ausbaustufe des Beckumer Landwehrsystems. In der Zeit vor 1400 existierten bereits zwei weitere Landwehren, die sich jeweils in einem geringeren Radius um die kurz vor 1224 gegründete Stadt zogen.

Dies hängt damit zusammen, dass nach der Stadtgründung immer mehr der kleineren Ansiedlungen innerhalb der Beckumer Feldmark aufgegeben wurden, da das Leben in der Stadt für viele Bauern bessere Lebens- und Wirtschaftsbedingungen bedeutete. So lässt sich wahrscheinlich bereits gegen Ende des 13. Jahrhunderts eine Befestigung im Norden, Osten und Süden Beckums annehmen, das Jahr 1320 markiert allerdings in jedem Fall ihre Errichtungszeit, da das Gebiet durch kriegerische Auseinandersetzungen der Fürstbischöfe von Münster bedroht wurde.

Die Landwehr wurde im Süden im weiteren Verlauf erneut erweitert, sparte aber den Isinghof wenig südöstlich der Stadt, der als letztes Gehöft der Feldmark nicht der Stadt selbst unterstellt war, noch aus.

Die endgültige Ausbaustufe des Befestigungssystems wurde schließlich um 1400 erreicht, obschon bereits 1371 Teile dieser Anlage bestanden haben.

Die finale Ausbaustufe der Beckumer Landwehr um 1400 mit Schlagbäumen und Warttürmen (Grundlage: GeoBasis NRW 2020; Bearb.: Altertumskommission/Priß).

Bauweise der Landwehr

Die voll entwickelte Landwehr von Beckum bestand ehemals aus einem System aus drei Wällen mit dazwischenliegenden Gräben. Dabei ist der Mittelwall an den erhaltenen Abschnitten noch etwa 2 m hoch und 3,5 m breit erhalten, die ihm vor- und nachgelagerten Gräben messen noch etwa 2 m in ihrer Breite. Die anderen beiden Wälle sind heute stark überprägt. Zur Errichtungszeit der Anlage waren diese deutlich stärker ausgeprägt und, wie ältere Karten zeigen, von einer dichten Wehrhecke bewachsen. Manche Abschnitte waren schwächer ausgebaut und wiesen zwei Wälle mit drei begleitenden Gräben auf.

Insgesamt sind für das Wall-Graben-System 22 Durchlässe belegt, die allesamt durch einen Schlagbaum gesichert waren. Besonders wichtige Passierstellen wurden zudem durch einen Wartturm gesichert.

Eine der beiden Beckumer Warten lag im Südwesten der Stadt an der Straßenverbindung nach Hamm, die andere im Süden am ehemaligen Soestweg in Richtung Soest. Beide wurden dauerhaft von einem Schließer bewacht, dessen Hof in unmittelbarer Nähe des Turmes lag. Der Soestwarte war zudem noch zum besseren Schutz in einigem Abstand eine quer verlaufende Wegesperre vorgelagert.

Blick auf die Soestwarte um 1892 (LWL-Denkmalpflege, Landschafts- und Baukultur in Westfalen).

Der Raum innerhalb der Landwehr: Das Stadtfeld

Der Bereich zwischen Landwehr und Stadtmauer war geprägt durch Ackerflächen, die größtenteils durch die städtische Bürgerschaft selbst bewirtschaftet wurden. Nur vereinzelt befanden sich in dieser weiten Landschaft Kleingehöfte, die aber ebenso der Stadt unterstellt waren, mit Ausnahme des bereits erwähnten Isinghofes, der zu Münster gehörte.

Neben diesen vereinzelten Höfen befand sich unter anderem das Leprosenspital mitsamt heute noch erhaltener Kapelle östlich außerhalb der Stadtbefestigung, um die Kranken von der übrigen Bevölkerung zu isolieren, genauso wie der Richtplatz. Zudem sind südlich der Stadt zwei weitere Kapellenstandorte für das Stadtfeld nachgewiesen.

Eine weitere Ausnahme von der überwiegenden Bebauungslosigkeit bildeten die Mühlen der Stadt, die das Wasser der Werse und ihrer Zuflüsse für den Antrieb ihrer Mühlräder benötigten. Sie wurden ebenfalls durch städtische Bedienstete bewirtschaftet.

Beckum von Süden nach M. Merian, 1647 (Stadtmuseum Beckum, 2019-10-06).

Literatur

C. Kneppe, Die Landwehr der Stadt Beckum, Kreis Warendorf. Landwehren in Westfalen 7 (Münster 2020).

Weiterführende Literaturauswahl

W. Feige, Die Beckumer Gemarkung im Luftbild. Naturkunde in Westfalen 2, 1986, 68-69.

M. Gesing, Die Soestwarte auf dem Höxberg. Heimatkalender des Kreises Beckum 1990, 30-33.

C. Kneppe, Beckum: Von der Stadtfeldmark zum Stadtgebiet. In: C. Kneppe, Die Stadtlandwehren des östlichen Münsterlandes. VAK 14 (Münster 2004) 27-51.