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Fundlage der noch vorhandenen Findlinge im Jahr 1968 in der Weide an der Böschung (Foto: LWL-Archäologie/O. Rochna)

Das Großsteingrab von Westerkappeln-Seeste

Das Großsteingrab, beziehungsweise seine Reste, befinden sich im nördlichen Randgebiet der Gemeinde Westerkappeln im Ortsteil Seeste, unmittelbar an der niedersächsischen Grenze zwischen den Ausläufern des Wiehengebirges und des Teutoburger Waldes. Die ältesten Zeichnungen des Grabes aus dem Jahr 1807 zeigen noch 23 Steine, heute sind davon nur noch drei Stück in einer Böschung erhalten. Viele Findlinge fielen wohl bereits dem Abbau der Sanddüne, auf der das Grab stand, zwischne 1807 und 1810 zum Opfer. Fotos und Beschreibungen aus dem Jahr 1968 belegen, dass zu dieser Zeit noch zehn Findlinge vorhanden waren. Mindestens vier davon verschwanden in der Zeit zwischen 1981 und 2000, bei Bauarbeiten im Jahr 2009 wurde mindestens ein weiterer Stein verlagert.
Wissenschaftliche Untersuchungen im Jahr 2017 sollten die ursprüngliche Lage des Grabes klären. Nach einer fundlosen Grabung auf der Wiese nordwestlich der Bramscher Straße ist davon auszugehen, dass das Großsteingrab von Seeste ursprünglich dort stand, wo sich heute die im Jahr 1912 errichtete Gastwirtschaft Schoppmeyer befindet.

Die Fundlage im Jahr 1968 (Foto: LWL-Archäologie/ O. Rochna).
Findlinge am Rand der Böschung heute (Foto: Altertumskommission/ K. Schierhold).
Baggerschnitt im Bereich der Böschung während der Grabung 2017 (Foto: Altertumskommission/ K. Schierhold).

Nähere Informationen zum Großsteingrab

Daten zum Großsteingrab

In einem Bericht aus dem Jahr 1807 wird die Größe der Anlage mit einer Länge von 17,8 m bis höchstens 18,8 m bei einer Breite von 3,6 m bis 3,8 m angegeben. Dies entspricht etwa den Maßen des sehr gut erhaltenen Großsteingrabs Große Sloopsteene, das nur etwa 3,7 km südöstlich gelegen ist. Eine äußere Umfassung wird nicht erwähnt und Zeichnungen aus dieser Zeit zeigen nur wenige kleine Steine, die den ehemaligen Hügelfuß abgeschlossen haben könnten. Über den Zugang gibt es keine Aufzeichnungen. Das Innere der Grabkammer war vermutlich teilweise mit kleineren Kalksteinplatten gepflastert.
Anhand der Keramikfunde einer Grabung von 1807 kann das Grab in die Zeit zwischen 3300 und 3075 v. Chr. datiert werden, was dem mittleren Abschnitt der Trichterbecherkultur entspricht.

Zeichnung des Grabes von Graf zu Münster-Langelage, 1807 (Niedersächsisches Landesamt für Denkmalpflege, Archäologisches Archiv).

Funde

Die Funde aus dem Großsteingrab von Westerkappeln-Seeste stammen von der Grabung durch Graf von Münster-Langelage im Jahr 1807. Ein Großteil des Fundmaterials gelangte nach seinem Tod nach Hannover, wo es bis heute zur Sammlung des Landesmuseums Hannover gehört. Eine weitere Grabung im Jahr 2017 blieb fundlos, da der genaue Standort der Anlage nicht mehr eindeutig zu bestimmen ist. Zum Fundmaterial der Grabung von 1807 gehörten neben menschlichen Knochen und ca. 50 Feuersteingeräten verschiedener Art auch 30 Gefäße, darunter allein 11 Kragenflaschen. Einige der Gefäße waren mit den typischen Tiefstich-Verzierungen der Trichterbecherkultur versehen. Zu besonderer Bekanntheit gelangte die sogenannte „Seester Fußvase“, welche im 20. Jahrhundert zu Forschungskontroversen führte.

Keramikfunde aus Westerkappeln-Seeste (LWL-Archäologie für Westfalen/ S. Brentführer)

Der Gelehrtenstreit um die Seester Fußvase

Ein Gefäß aus dem Megalithgrab von Westerkappeln-Seeste sorgte im 20. Jahrhundert für Kontroversen in der archäologischen Forschung. Die sogenannte „Seester Fußvase“ wurde zunächst irrtümlich für ein typologisches Bindeglied zwischen der „Rössener Kultur“ und der „Nordischen Megalithkultur“ (so die damalige Bezeichnung der Trichterbecherkultur) gehalten.
In der Diskussion spielte in den 1920er und 1930er-Jahren auch der Bezug auf eine Herkunft der Germanen aus dem Norden und deren möglichst früh zu datierende Ankunft auf „deutschem Boden“ eine tragende Rolle. National gesinnte Forscher wie Gustaf Kossinna wollten diese irrige Meinung unter anderem mit Hilfe der Seester Fußvase archäologisch untermauern, scheiterten damit aber letztlich.

Die "Seester Fußvase" (Zeichnung: T. Maertens).