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Coverbild Burgenheft 52

Die Burg Schönefleth in Greven

Südlich des Zentrums von Greven an der Ems-Brücke findet man heute einen Grundriss aus weißen Kanthölzern. Diese stellen den Teil-Grundriss einer einstiegen mächtigen Burganlage in Greven dar, die seit 1885 immer wieder erforscht wurde.

Da die Burg 1812 als „gutes Fabrikgelände“ verkauft und abgerissen wurde, ist heute nur noch wenig der mittelalterlichen Anlage zu sehen.

Erstmals 1885 widmete sich Historiker Adolph Tibus der Burg Schöneflieth in einer Publikation und stieß damit die Erforschung der Anlage an. Das Interesse an der Burg wuchs und zum Schutz der Anlage kaufte die Stadt 1979 die Anlage aus Privatbesitz heraus. 1987 folgte dann die Eintragung als Bodendenkmal.

Nur vier Jahre später entstand der Förderverein Burg Schöneflieth, der auf einen Forschungsschwerpunkt des Grevener Heimatvereins aufbaute. Ebenfalls 1991 fand dann – nach kleineren Suchgrabungen 1979 – die erste Grabung statt, die jedoch vorzeigt abgebrochen werden musste und sich daher auf die Vorburg beschränkte. 2012 folgte durch Gabriele Hülsmann eine Publikation, in der sie die Funde der Grabung von 1991 auswertete. Im Zuge einer Renaturierung fanden 2020 umfangreiche Untersuchungen an den früheren Bauphasen der dortigen Brücke statt.

Weitere Informationen zur Anlage

Erste Burganlage

Eine erste Befestigung entstand vermutlich in der ersten Hälfte des 13. Jh widerrechtlich auf einem Lehen des Münsteraner Domkapitels. Böhm geht davon aus, dass der Name nach der ältesten Schreibweise „Sconenvlete“ auf die Wörter „Scone“ (Sumpf) und „vlet“ (Wasserreicher Ort) zurückzuführen ist. Die Burg lag direkt an der Ems und der Brückenüberquerung.

Über das Aussehen der ersten Burg ist wenig bekannt. Im Urkatastar von 1852 ist die Rede von einer „gräftenumgebenen Insel“. Denkbar wäre in dem Zusammenhang eine Motte, die ähnlich der Haskenau aussah, die zeitgleich errichtet wurde und sich in Beziehung zur Burg Schöneflieth setzen lässt. Eine mind. vier Meter hohe Hügelstruktur konnte 1991 ausgemacht werden und untermauert die These. 1270 wurde die Burg bereits wiederabgerissen – möglicherweise aufgrund von Streitigkeiten zwischen Bischof und den Besitzern der Burg.

Gelände der ehemaligen Vorburg (LWL-Archäologie für Westfalen/ I. Wopke)

Wiederaufbau durch das Domkapitel

Das Domkapitel Münster baute die Burg zwischen 1330 und 1390 wieder auf. Der einstiege Hügel wurde abgeflacht und eine Vorburg errichtet. Weiter südlich entstand die Hauptburg. Auch hier ist das Aussehen der Burg ungewiss. Die Ansprache als „castrum“ lässt einen wehrhaften Charakter vermuten.

Schriftliche Quellen belegen spätestens ab 1521 eine Zweiinselanlage und Gärten. Bis in die zweite Hälfte des 18. Jahrhunderts wurde die Burg als Residenz vom Domkapitel verpachtet. Umfangreiche Umbauten im 16. und 17. Jahrhundert sowie Funde, Inventarlisten und hohe Mieten zeugen von einer reichen Ausstattung und einem starken repräsentativen Charakter. Ab Mitte des 18. Jahrhunderts wird die Anlage nicht mehr dauerhaft bewohnt und ein schleichender Verfall setzt ein. 1812 folgt der Abriss.

Die Burg war während ihrer Geschichte überregional immer wieder von Bedeutung: 1534 flohen die Domherren von Münster vor dem Täuferreich hierhin und schlugen die Verfolger zurück. Auch im Zuge der immer wieder stattfindenden Überfälle auf den Grevener Markt spielt die Burg eine wichtige Rolle, wie etwa beim Kölnischen Krieg 1589.

Plan der Burg (nach Prinz 1950)

Die Bedeutung der Emsbrücke

Die Emsbrücke stellt einen der Hauptgründe für den Bau der Burg dar. Schöneflieth liegt auf einer der wichtigen Verkehrsverbindungen von Münster aus nach Norden. Gleichzeitig fungiert Greven als wichtiger Knotenpunkt der Emsschifffahrt. Ab 1400 ist ein Brückenzoll schriftlich belegt. Die Anlage diente damit als wichtige Zolleinnahmestätte. Auch auf der Ems wurde ab spätestens 1582 Zoll erhoben, was immer wieder zu Streitigkeiten über die Wasserrechte zwischen Domkapitel und Landesherrn führte. Die hohen Einnahmen stellen vermutlich auch den Grund für den Wiederaufbau der Burg dar. Nach dem 30-Jährigen Krieg und abrennen der Brücke sowie wiederholter Zerstörung des Zollhauses, wird nach Ende des Krieges schnell wieder der Zoll in Betrieb genommen und eine neue Brücke gebaut.

Die neue Brücke, die aufgrund des Ems-Hochwassers nur kurz hielt, wurde im Auftrag von Friedrich von Plettenberg, Fürstbischof von Münster, aus Stein neu errichtet.

Ab den 1780ern kann die Brückenpacht durch die Besitzer kaum noch bezahlt werden. Die Blütezeit Grevens endete mit Ende des Krieges und damit warf der Zoll nun nicht mehr so viel Geld ab.

1885 folgte der Bau einer eisernen Brücke, die 1940 abgerissen wurde. 1936 und 1937 entstand die heutige Brücke aus Beton.

Fundament eines Brückenpfeilers er ehemaligen Emsbrücke (LWL-Archäologie für Westfalen/ T. Pogarell)

Literatur

Anna Klara Falke, Die Burg Schöneflieth in Greven, Kreis Steinfurt. Frühe Burgen in Westfalen 52.

Weiterführende Literaturauswahl

Gabriele Böhm, Burg Schöneflieth. Geschichte der ehemaligen Burganlage bei Greven (Kreis Steinfurt) (Greven 2012). 

Gabriele Hülsmann, Burg Schöneflieth in Greven, Kr. Steinfurt. Baufunde einer archäologischen Grabung. In: Heidemarie Eilbracht/ Vera Breiske/ Barbara Grodde (Hrsg.), Itinera Archaeologica. Vom Neolithikum bis in die frühe Neuzeit. Festschrift für Torsten Capelle zum 65. Geburstag (Rahden/Westf. 2005) 125-137.

Joseph Prinz, Greven an der Ems. Die Geschichte der Stadt und des Amtes Greven (Greven 1950). 

Adolf Weskamp, Beiträge zur Geschichte Grevens. Westphälische Geschichtsblätter 2, Aprilausgabe (Münster 1896).