Die Oldenburg auf dem Fürstenberg
Auf dem Fürstenberg bei Ense-Höingen (Kreis Soest) liegt die rund 7 ha große, heute vollständig bewaldete Oldenburg. Die auf etwa 288 m Höhe zwischen Ruhr und Bachtal gelegene Wallburg ist nur von Osten zugänglich und durch drei gestaffelte Wallringe gesichert. Ganz im Westen liegt auf einer vom restlichen Berg abgetrennten Kuppe die Ruine der ehemals kölnischen Vorstenburg aus dem frühen Spätmittelalter.
Historische Quellen existieren zur Wallburg nicht und auch in der älteren Forschungsgeschichte lag der Fokus nicht auf der Oldenburg, sondern der Vorstenburg. Die Oldenburg wurde erstmals von Biermann und Schmedding im Rahmen der Vorbereitung für den Atlas vor- und frühgeschichtlicher Befestigungen in Westfalen untersucht. In den späten 1920er und frühen 1930er-Jahren fanden unter Bahnschulte umfangreiche Untersuchungen statt, die sich über den gesamten Fürstenberg verteilten. Seine Ergebnisse sind nur unzureichend belegt und teilweise heute widerlegt, allerdings stieß Bahnschulte mit seinen Ergebnissen weitere Forschungen an.
Aufgrund der zwar umfangreichen, aber unklaren Ergebnisse stieß die Außenstelle Arnsberg des Westfälischen Museums für Archäologie (heute LWL-Archäologie für Westfalen) unter der Leitung von Hans Beck neue Untersuchungen an, um für eine Klärung der Nutzungsphasen zu sorgen. Die weitestgehend publizierten Ergebnisse Becks bilden heute den Kern des Wissenstandes über die Oldenburg. Neue Untersuchungen der Altertumskommission werfen nun erstmals wieder neues Licht auf die Anlage.
Nähere Informationen zur Anlage
Aufbau der Oldenburg
Die Oldenburg ist als dreigliedrige Wallburg mit Außenwall, stark ausgebautem Mittelring und kleinerem Innenring angelegt. Bahnschulte erkannte in den 1920er/30er-Jahren erstmals den mehrphasigen Aufbau der Wälle sowie Hinweise auf Toranlagen und eine Innenbebauung. Beck konnte in seinen folgenden Grabungen die Mehrphasigkeit bestätigen und rekonstruierte im Außenwall eine Holz-Erde-Mauer und eine später errichtete Trockenmauer. Im Innenring ergänzte Beck einen viereckigen Turm.
Bahnschulte und Beck konnten zahlreiche Funde auf dem Fürstenberg ausmachen, die eine kontinuierliche Besiedlung von der Jungsteinzeit bis mindestens zum Spätmittelalter belegen. Zu den ältesten zählen Steingeräte, die dem Neolithikum zuzuordnen sind. Ferner gibt es zahlreiche Keramikfunde, von denen viele jedoch zeitlich nicht einsortiert werden können. Aufgrund der Funde datierte Beck eine Errichtung des Außenwalles spätestens auf das 8. Jh. Mittelwall und Innenring wären in den folgenden Jahrhunderten gefolgt.
Neue Untersuchungen
2024 startete die Altertumskommission im Rahmen des Burgenprojektes neue Untersuchungen, um eine Nutzung der Oldenburg zu Zeiten der Sachsenkriege zu überprüfen. Im ersten Schritt wurden dafür an 11 Stellen, Bohrungen durchgeführt, um die Wallschüttungen zu untersuchen und Holzkohleproben zu gewinnen, um diese naturwissenschaftlich durch C14-Analysen bestimmen zu können. Im weiteren Schritt erfolgte eine Grabung in Kooperation mit der Außenstelle Olpe, in dem ein Schnitt Becks im Außenwall erneut geöffnet wurde. Ein Wallabschnitt, dessen Errichtung mutmaßlich im 8. Jh. liegen sollte.
In einem letzten Schritt wurde in Zusammenarbeit mit insgesamt 35 lizenzierten Sondengängern eine Begehung durchgeführt, um weiteres datierbares Fundmaterial auszumachen. Diese Funde konnten jedoch größtenteils als modern angesprochen werden.
Älter als gedacht?
Die Grabung und die Holzkohle-Analysen ergaben dabei überraschende Ergebnisse. Eine bereits zuvor festgestellte jungsteinzeitliche Schicht konnte bestätigt werden und der Michelsberger-Kultur zugeordnet werden. Die Errichtung des ersten Walles, des Außenwalles, kann hingegen als jung-eisenzeitlich eingestuft werden und wurde vermutlich in römischer Kaiserzeit ausgebaut. Damit ist der Wall älter, als bislang angenommen. Eine Kulturschicht unter dem Mittelring, den Beck ins 8. Jh. datierte, konnte durch die neuen Proben bestätigt werden. Der Mittelring selber datiert wahrscheinlich in das späte 10. oder frühe 11. Jahrhundert. Die Zerstörungsschicht im Turmbau datiert ins 13. Jahrhundert. Eine Verlagerung der Siedlungsaktivität folgte fließend auf die 1277/78 errichtete Vorstenburg.
Literatur
Florian Jüngerich, Die Oldenburg auf dem Fürstenberg bei Ense-Höingen, Kreis Soest. Frühe Burgen in Westfalen 50.
Weiterführende Literaturauswahl
Bernhard Bahnschulte, Ergebnis der GRabungen im Fürstenberge bei Neheim, Kr. Arnsberg i. W. Entdeckung einer jungsteinzeitlichen Siedlung u. Grabanlage, Aus der Vorzeit in Rheinland, Lippe, Westfalen 1,5, 1933, 92-96.
Hans Beck, Neolithische Siedlungsspuren bei Höingen, Kr. Soest. Fundchronik Land Nordhein-Westfalen, Germania 37, 1959, 258-260.
Karl Féaux de Lacroix, Burg Vorstenburg und Schloss Fürstenberg. Sauerländischer Gebirgsbote 6, 1898, 5-7.
Philipp R. Hömberg, Untersuchungen an frühgeschichtlichen Wallanlagen Westfalens (Münster 1972) 214-239.