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Der Wall auf dem Gottesberg

Die Wallanlage, die auf halber Länge des heutigen Hengeberges zwischen Halle in Westfalen und Werther im Kreis Gütersloh liegt, hatte nach ihrer Entdeckung verschiedene Namen und war unter anderem als „Amshausener Burg“ oder als „Heidehaus“ bekannt. Da die Namen weitgehend heute unbekannt und irreführend sind, wurde sich für den Namen „Wall auf dem Gottesberg“ entschieden, in Anlehnung an den ältesten fassbaren Bergnamen und da fraglich ist, ob es sich bei der Anlage um eine Burg handelte. 

Am sichtbarsten ist der stark verschliffene Wall am Quelltopf am Südwesthang, wo er im spitzen Winkel in den Berg in Form eines "V" hineinzieht. Heute beträgt die Höhe der Anlage nur noch 20–30 cm. Die Wallbreite von teilweise 5 Metern lässt die einstige Höhe nur vermuten. Die Nordseite liegt im Geländemodell gänzlich offen. Die Wallenden biegen aufeinander zu, jedoch lässt sich nicht belegen, ob diese einst mal verbunden waren, da das Gelände zu dicht bewachsen ist. Die Innenfläche fasst 3 ha, besteht jedoch zu großen Teilen aus Steinlagen und Flächen mit einer Steigung von 40–60 %. Es stellt sich daher die Frage, wofür eine so schwer nutzbare Anlage gebaut wurde. 

Nähere Informationen zur Anlage

Forschungsgeschichte

Die früheste Beschreibung des Walles findet sich in einem Blatt von 1915, in dem Langewiesche die Entdeckung des Walles durch einen gewissen Albert Wulfmeyer schildert. Geplante Grabungen durch Langewiesche an der „Wallburg“ wurden durch Ausbruch des Ersten Weltkrieges unterbrochen. In den 1920er Jahren versuchte Heinrich Meise vergeblich, Bewegung in die Erforschung der Wallanlage zu bringen. Meise fertigte daraufhin selber erstmal eine genaue Beschriftung und Skizze der Anlage an und fotodokumentierte 1952 erstmals die Anlage. Nach Ende des Krieges wurde der Berg aufgeforstet und bis 1979 wurde es wieder still um die Anlage. Bérenger widmete sich daraufhin der Anlage und versuchte in den 90ern, die Anlage als Bodendenkmal eintragen zu lassen – abermals vergeblich. Er erreichte jedoch die Aufstellung einer Hinweistafel und beauftragte einen Sondengänger, der jedoch keine Funde finden konnte. 

Nach dem ernüchternden Forschungsstand blieb es erstmal dabei. Erst im Zuge neuer Forschungstechnik und neuer digitaler Geländemodelle ist die Anlage seit 2016 wieder mehr in den Fokus gerückt.

Gesamtplan mit eingezeichnetem Weg- und Wallverlauf

Zeitstellung

Im Zuge der Publikation wurde das Gelände 2021 noch einmal nach Funden überprüft. Bislang sind jedoch keine Funde bekannt. 

Aufgrund von Parallelen zog Langewiesche einen Vergleich zur Hünenburg bei Bielefeld und vermutete eine eisenzeitliche Stellung. Um erstmals verlässliche Daten zu gewinnen, finanzierte die Altertumskommission Rammkersondierungen, um Holzkohleproben zu gewinnen und per C14-Analyse datieren zu lassen. Keine Bohrung erreichte den anstehenden Boden, jedoch konnten vier Proben im Folgenden untersucht werden. Zwei Proben ergaben dabei schlüssige Daten: Probe 3.1 und 3.2, die übereinstimmende Datierungen in der ersten Hälfte des 3. Jh. v. Chr. hervorbrachten und typisch für verbrannte Holzkonstruktionen wirken.

Eine Bohrprobe einer Rammkernsondierung (LWL-Archäologie/F. Geldsetzer)

Funktion des Walls

Fraglich bleibt der Nutzen der Anlage, die aufgrund des Steilhanges zum Siedeln sowie verkehrstopografisch ungünstig liegt. Auch fortifikatorisch diente der Wall nicht, da von außen die gesamte Innenfläche aufgrund des Hangs sichtbar gewesen war. Warum liegt also an einer so ungünstigen Stelle ein Wall?

Aufgrund der Quelle und unter Berücksichtigung der damaligen Bevölkerungsdichte muss das Einzugsgebiet der Anlage rund 34 km² betragen haben. Ein Gebiet, in dem der Wall aus näherem Sichtfeld nur schwer, aber insbesondere nach Nordosten und Südwesten weithin sichtbar war. Eine Sichtfeldanalyse ergab, dass die gleichzeitige Hünenburg bei Bielefeld im Sichtkontakt stand. Eine strategische Nutzung der Anlage scheint aufgrund dessen sinnlos, ein Prestigebau, der aus großer Entfernung sichtbar war, und ein Ort sozialem Zusammenlebens hingegen wahrscheinlicher. Eine Nutzungs- und Sichtfeldanalyse der Hünenburg bei Bielefeld ergab ein ähnliches Bild, sodass die Frage aufkommt, ob diese Wallanlage kein Einzelfall gewesen sein könnte. 

Sichtfeldanalyse vom "Wall auf dem Gottesberg" und der Hünenburg (AKo/ U.Steinkrüger)

Literatur

Bernhard Sicherl, Der Wall auf dem Gottesberg zwischen Halle (Westf.) und Werther, Kreis Gütersloh. Frühe Burgen in Westfalen 51.

Weiterführende Literaturauswahl

Daniel Bérenger, DIe eisenzeitlichen Burgen Westfalens. In: Westfälisches Museum für Archäologie (Hrsg.), Hinter Schloss und Riegel - Burgen und Befestigungen in Westfalen (Münster 1997) 51-76.

Klaus Günther, die Hünenburg bei Bielefeld, eine Befestigung der vorrömischen Eisenzeit in Weserbergland. In: Klaus Günther (Hrsg.), Beiträge zur vorrömischen Eisenzeit in Ostwestfalen. Bodenaltertümer Westfalens 18 (Münster 1981) 1-45. 

Heimatverein Amshauen e.V. (Hrsg.), heinrich Meise. Pädagoge, schriftsteller, Künstler, Heimatforscher. Referate an Meise - Tag zu Ehren einer außergewöhnlichen Persönlichkeit aus Anlass des 30. Todesjahres am "Meise-Tag" 20. September 2003, zusammengestellt und gestaltet von Heinz Fimmel. Schriftenreihe des Heimatvereins Amtshausen e.V. 11 (Steinhagen 2003). 

Bernhard Sicherl, Eisenzeitliche Befestigungen in Westfalen. Die Forschungen des vergangenen Jahrzehnts und Ansätze zu einer regionalen Gliederung. In: Sebastian Möllers/ Wolfgang Schlüter/ Susanne Sievers (Hrsg.), Keltische Einflüsse im nördlichen Mitteleuropa während der mittleren und jüngeren vorrömischen Eisenzeit. Akten des Internationeln Kolloquiums in Osnabrück vom 29. März bis 1. April 2006. Kolloquien zur Vor- und Frühgeschichte 9 (Bonn 2007) 107-151.