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Reste der Landwehr am Kotten Micheel in einer Karte von 1785.

Die Landwehren in Greven

Die Landwehren in Greven lassen sich unterschiedlichen Bezugsräumen und Funktionen zuordnen. In mehreren Stadteilen und haben sich sichtbare Reste erhalten, weitere Abschnitte lassen sich durch die Auswertung von Digitalen Geländemodellen oder Luftbildern rekonstruieren.

Nähere Informationen zu den Landwehren

Bauweise

Die Konstruktion von Landwehren beruhte hauptsächlich auf der Anlage von Wällen und Gräben. In Greven war ein Wall mit Graben meist etwa 8 m breit. Häufig wurden allerdings mehrere Gräben und Wälle hintereinander gestaffelt angelegt, dadurch konnte das Bauwerk auf eine Breite von bis zu 30 m anwachsen. Der Verlauf dieser Erdwerke orientierte sich, neben den bereits bestehenden baulichen und verkehrstechnischen Faktoren, meist an natürlichen Gegebenheiten. So wurden Erhebungen oder Niederungen im Gelände ebenso ausgenutzt wie Bach- und Flussläufe. Als zusätzliche Barriere wurden die Wälle bepflanzt. Hauptsächlich wurden dazu Sträucher, wie Hasel, Hainbuche, Weißdorn, Hartriegel, Feldahorn, Ilex, Brom­beere und Pfaffenhütchen, verwendet, um einen möglichst dichten, un­durchdringlichen Bewuchs zu erhalten. Andernorts waren häufig auch Warttürme Teil des Landwehrsystems, in Greven finden sich jedoch keine Hinweise auf solche Bauwerke.

Doppelwall beim Hof Ebbigmann.

Bestand und Verlauf

Das alte Grevener Kirchspiel und auch das heutige Stadtgebiet umfassen eine vergleichsweise große Fläche, die geschützt und umgrenzt werden musste. In mehreren Stadtteilen und Bauerschaften haben sich Reste der Landwehren sichtbar im Gelände erhalten. Zusätzlich lassen sich sowohl Verbindungsstücke als auch weitere Landwehren aus Schrift- und Bildquellen sowie mittels Fernerkundung, z. B. im Digitalen Geländemodell (DGM) oder in Luftbildern, rekonstruieren. Nimmt man all die verschiedenen Belege zusammen, lässt sich das Bild eines gut gesicherten Kirchspiels zeichnen, das von umfangreichen Be­festigungen umgrenzt und durchzogen war. Natürlich waren in diesem Wall-Graben-System Durchlässe für Verkehr und Handel notwendig. Viele sind aus Karten und Textquellen namentlich bekannt, andere las­sen sich rekonstruieren, wenn man die Straßenführung der alten Fern­wege verfolgt.

Dreifach- und Doppelwälle sowie verschiedene Gräben am Gellenbach im DGM.

Funktion und Geschichtlicher Kontext

In Greven finden sich Landwehrabschnitte mit unterschiedlichen Funktionen und Bezugsräumen. Die Landwehren im heutigen Stadtgebiet zeichnen nicht nur die Kirchspielgrenze nach, wie es im Münsterland häufig der Fall ist, sondern ein großer Teil der erhaltenen Landwehrabschnitte verläuft regelrecht quer durch das Kirchspiel Greven. Eine echte, umlaufende Dorflandwehr hatte Greven nicht. Datieren lässt sich keiner der Landwehrabschnitte, da keine Nachrichten von ihrem Bau überliefert sind. Sie können nur allgemein mit dem Beginn des Landwehrbaus im Fürstbistum (ab dem 14. Jahrhundert) in Verbindung gebracht werden. Vieles spricht aber für einen zeitlichen Zusammenhang des Landwehrbaus aller münsterischen Kirchspiele und ihrer Nachbarn, mit dem Ziel, den Schutz der Stadt Münster auszubauen. Es lässt sich somit nicht feststellen, in welcher zeitlichen Abfolge die Abschnitte in Greven angelegt wurden. Überlieferte Flurnamen deuten an, dass mehrere Landwehrabschnitte bestanden, die teilweise wohl als Wegesperren dienten. Andere dienten vermutlich dazu, das recht große Kirchspiel durch weitere Sperrlinien für durchziehende Feinde schwieriger passierbar zu machen. Solche Querriegel können auch Teile von Bauerschaftslandwehren sein. In friedlicheren Zeiten wurden die Landwehren vor allem genutzt, um Wege und Verkehr zu überwachen sowie Zölle zu erheben.

Darstellung eines Überfalls auf den Grevener (Jahr-)Markt auf einem Flugblatt von 1589.

Literatur

B. Reepen, Die Landwehren in Greven, Kreis Steinfurt. Landwehren in Westfalen 10 (Münster 2024).

Weiterführende Literaturauswahl

C. Kneppe, Die Stadtlandwehren des östlichen Münsterlandes. Veröffentlichungen der Altertumskommission für Westfalen 14 (Münster 2004).

C. Kneppe (Hrsg.), Landwehren. Zu Erscheinungsbild, Funktion und Verbreitung spätmittelalterlicher Wehranlagen. Veröffentlichungen der Altertumskommission für Westfalen 20 (Münster 2014).

J. Prinz, Greven an der Ems. Die Geschichte der Stadt und des Amtes Greven I und II (Greven 1976–1977, 2. Auflage).

S. Schröder, Das Ortsbild von Greven im 17. und 18. Jahrhundert – eine unveröffentlichte Rekonstruktionszeichnung von Joseph Prinz. Grevener Geschichtsblätter 4, 2006/2007, 29–35.